Vom Schattendasein zur Depotbeimischung
Gold-Fans finden ein breites Anlagespektrum

Nachdem Gold in den vergangenen 20 Jahren in den Anleger-Portfolios ein Schattendasein fristete, ist für das gelbe Edelmetall eine Lanze als Depotbeimischung zu brechen.

HB. Der Preisrutsch von Gold nach dem vor einigen Wochen gesehenen Hoch bei rund 380 $/Feinunze rief viele Skeptiker auf den Plan: Gold sei nur ein Barometer für geopolitische Turbulenzen und diene nicht als seriöses Investment. Mittlerweile pendelt der Goldpreis recht stabil zwischen 340 und 375 US-Dollar. Mittel- bis langfristig dürfte Gold auch von den strukturellen Problemen der amerikanischen Wirtschaft profitieren und hat Chancen, am Jahresende 400 $/Feinunze zu erzielen.

Geldpolitik hat ihre Wirkung verfehlt

Trotz der Leitzinssenkung von 51/4 auf 1 % hat die Geldpolitik ihre Wirkung auf die Investitionen verfehlt. In der US-Notenbank werden auf Basis der Erfahrungen Japans nun unkonventionelle Maßnahmen diskutiert. So hat der Fed-Gouverneur Ben Bernanke bereits in einer Rede vom November 2002 Möglichkeiten für den Fall aufgezeigt, dass die USA in die Deflation abzurutschen drohen. Er sprach davon, dass "die Regierung über die Notenpresse verfügt, die ihr erlaubt, fast zum Nulltarif so viele Noten zu drucken, wie sie will." Es sei denkbar, "dass die Fed eine maximale Rendite für US-Staatspapiere ankündigt, die z.B. in den nächsten zwei Jahren verfallen."

Da die Fed die Staatsanleihen zu Preisen aufkaufen würde, die der angestrebten Rendite entsprächen, könnte sie eine Zinsobergrenze erzwingen. Bezahlen würde sie mit den neu gedruckten Scheinen. Das hohe Dollarangebot dürfte den Greenback schwächen und über höhere Importpreise Inflation kreieren. Auch die Richtung für den Dollar dürfte wegen des gigantischen Leistungsbilanzdefizits in Höhe von 5 % des Bruttoinlandsprodukts vorgegeben sein. Zudem sind wegen binnenwirtschaftlicher Probleme Zweifel angebracht, ob die von Finanzminister Snow proklamierte Politik des starken Dollar mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Zum Jahresende dürfte sich der Dollar auf 1,22 US-Dollar pro Euro abwerten - und der Goldpreis profitiert traditionell von einem schwachen Dollar.

Niedrige Zinsen senken Opportunitätskosten

Auch andere Argumente sprechen für eine Renaissance des Goldes. Das niedrige Zinsniveau senkt einerseits die Opportunitätskosten für die Goldhaltung, da der Verzicht auf Zinserträge leichter fällt. Andererseits verlieren die Goldförderer den Anreiz, die künftige Produktion auf Termin zu verkaufen. Die Situation von Angebot und Nachfrage ist für den Goldpreis schon ohne Berücksichtigung der Notenbankverkäufe günstig. So übertrifft der Bedarf die Förderung seit einigen Jahren um 900 bis 1 200 Tonnen. Zudem sind die Goldverkäufe der bedeutendsten Notenbanken durch das "Washington Agreement" bis September 2004 begrenzt. Nicht zu vernachlässigen sind die eindeutig auf den Dollar ausgerichteten Währungsreserven asiatischer Notenbanken. Es ist denkbar, dass sie im Sinne der Diversifikation zum Schutz vor dauerhafter Dollarschwäche restrukturiert werden.

Die fundamentalen Daten sprechen aus unserer Sicht für eine Neubewertung des Goldpreises. Als Diversifikation kann eine Beimischung von fünf bis zehn Prozent Gold im Depot Sinn machen. Der physische Besitz bringt allerdings auch Nachteile mit sich: Der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis kann je nach Institut bis zu zehn Prozent betragen; zusätzlich kostet die Lagerung des Edelmetalls in großen Depots rund ein Prozent jährlich. Ein Kursanstieg des Goldpreises muss also erst einmal verdient werden. Auch Goldminenaktien erscheinen nur als zweitbeste Lösung. Das Währungsrisiko spielt beim Direktinvestment eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Dollar-Kursschwankungen risikoreich

Die Emittenten entwickelten jedoch sowohl für spekulative Trader als auch für langfristig ausgerichtete Investoren attraktive Produkte. Auf der einen Seite sind es die begehrten Knock-out-Produkte, Standardoptionsscheine oder Power-Optionsscheine. Ebenso wie bei dem angesprochenen Direktinvestment gehen Trader auch hier die Gefahr ein, heftigen Kursschwankungen des US-Dollar zum Opfer zu fallen. Steigt jedoch der Goldpreis und der Wert des US-Dollar gegenüber dem Euro nimmt zu, können Trader, die mit Call-Optionsscheinen auf einen steigenden Goldpreis setzen, stärker profitieren.

Langfristig orientierte Anleger können in transparentere Produkte investieren, die sich direkt auf den Goldpreis beziehen. Währungsgesicherte Partizipationszertifikate bieten jedermann die Möglichkeit, einfach und ohne zusätzliche Kosten wie Lagerung und jährliche Gebühren von einem steigenden Goldpreis zu profitieren. Das Prinzip ist schnell erklärt: Steigt der Goldpreis in Dollar pro Feinunze um einen Punkt, steigt auch der Wert des Zertifikates - bereinigt um das Bezugsverhältnis - um 1 Euro.

Die Währungssicherung sorgt hier für eine verständliche Kursstellung und vermeidet umständliches Rechnen von einer Währung in die andere. Ein Beispiel macht den Vorteil deutlich: Seit Ende August 2002 wertete der Dollar gegenüber dem Euro um rund 10 % ab. Der etwa 16 %ige Anstieg des Goldpreises im gleichen Zeitraum hätte also bei einem Zertifikat ohne Währungsabsicherung einen Großteil der Erträge aufgezehrt.

"Gold Garantie Anleihe" als Problemlöser

Den Nachteil eines Partizipationszertifikates, auch eine Abwärtsbewegung eins zu eins nachzuvollziehen, klammern Garantieprodukte bzw. Garantieanleihen aus. Die garantierte Rückzahlung eines Nennbetrages geht zwar meist zu Lasten der Rendite. Sie bietet Anlegern aber immerhin eine Reduzierung des Risikos. Konservative Investoren, die von dem Edelmetall überzeugt sind, können eine Garantiezahlung am Ende der Laufzeit, eine Währungsabsicherung und eine jährliche Zinszahlung sogar mit einer - wenngleich geringeren - Partizipation an einer positiven Entwicklung des Goldpreises kombinieren. Eine so genannte "Gold Garantie Anleihe" macht dies möglich.

So einfach die Konstruktion dieser Anleihe erscheint, so kompliziert ist die Absicherung seitens der Emissionsbank. Alleine der chirurgische Eingriff zur Übernahme der auf dem Dollar basierenden Unzenquotierung in die Euronotierung erfordert eine mittlere finanzmathematische Operation. Die Produktentwickler greifen tief in die Trickkiste und agieren dabei an den wichtigsten Finanzplätzen der Welt. Ob Dollaroptionen, Devisenforwards, in- und ausländische Zinsfutures oder Goldterminkontrakte: Die Proportionen all dieser Instrumente müssen während der gesamten Laufzeit der "Gold Garantie Anleihe" überwacht und auf die Marktgegebenheiten angepasst werden.

Stefan Schilbe ist Chefökonom, Heiko Weyand Derivate-Experte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf.

Die Gold-Palette:

Direktinvestments in Gold sind für Privatanleger in Barren, Münzen und in Schmuck und auch über die Eröffnung eines Goldkontos bei einer Bank möglich. Beim Kauf von Goldbarrens und der Eröffnung eines Goldkontos zahlt der Anleger nur den reinen Wert des gelben Metalls. Bei Münzen, Medaillen und Schmuck entrichtet er einen Aufpreis auf den reinen Goldwert.

Goldaktien sind die beliebteste Investmentform der an Gold interessierten Anleger. Die Aktienkurse der Goldminen bewegen sich nicht immer im gleichen Rhythmus wie der Goldpreis. Der Anleger hat auch die Chance über Investmentfonds in Goldaktien zu investieren.

Gold-Derivate stellen die spekulativste Form der Kapitalanlage in Gold dar. Hier ist hohes Maß an Wissen über die Funktionsweise dieser Instrumente notwendig. An der New Yorker Terminbörse Comex werden Optionen und Futures auf Gold gehandelt. Deutsche Banken haben zudem zahlreiche Optionsscheine und Zertifikate auf Gold emittiert.

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