Währungen
Der geplatzte Traum vom Boom der Schwellenländer

Emerging Markets-Investments sind derzeit mit Vorsicht zu genießen. Auf eine Trendwende dort deutet nichts hin - sowohl bei Währungen als auch an den Aktienmärkten. Wie Anleger von der Situation dennoch profitieren.
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FrankfurtEuroland ist abgebrannt? Von wegen. Ausgerechnet die europäische Gemeinschaftswährung mit ihren krisengeschüttelten, hoch verschuldeten Mitgliedern erlebt ein Comeback an den Devisenmärkten: Gegenüber dem britischen Pfund hat der Euro in den vergangenen zwölf Monaten neun Prozent und gegenüber dem japanischen Yen rund 30 Prozent an Wert gewonnen. Selbst im Vergleich zum US-Dollar, der selbst zuletzt gegenüber den meisten frei handelbaren Währungen aufgewertet hat, zeigt der Euro Stärke: Heute kostet ein Euro an den Wechselbörsen in US-Dollar sieben Prozent mehr als vor einem Jahr.

Insbesondere gegenüber Emerging-Markets-Währungen hat der Euro in den vergangenen Monaten und Wochen massiv aufgewertet. Anlegers ehemalige Lieblinge, insbesondere im asiatischen Raum, aber auch Brasilien und andere lateinamerikanische Staaten, leiden darunter, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke jüngst andeutete, die lockere Geldpolitik Amerikas künftig straffen zu wollen. „Während die Renditen für US-Anleihen nun wieder steigen, ziehen internationale Investoren ihre Gelder aus den Emerging Markets ab und legen ihr Geld in den USA und Europa an.

Das ist ein Trend, der nun schon einige Monate anhält, zuletzt aber noch einmal zusätzlich Fahrt aufgenommen hat“, erklärt Peter Bösenberg von der Société Generale. Die Folge: Der Index für lokale Schwellenländeranleihen (JP Morgan GBI-EM-Index) ist in den vergangenen zwölf Monaten um 11,5 Prozent gesunken.

Und es ist keine Erholung in Sicht. „Das Segment hat in den vergangenen Wochen stärker gelitten als die Rentenmärkte in den etablierten Industrienationen“, sagt Christian Bender von der Hamburger Kapitalanlagegesellschaft Hansainvest. Hierfür gebe es gute Gründe. Zum einen fehlten kapitalkräftige Käufer, nachdem ausländische Anleger umfangreiche Mittel abgezogen hätten. „Banken reduzieren ihre Nachfrage, weil sie bei einem Erwerb dieser Papiere mehr wertvolles Eigenkapital vorhalten müssten“, so der Fondsmanager.

Zum anderen arbeite beispielsweise Japan an einer Reflationierung. Regierung und Notenbank betrieben eine gezielte Yen-Abschwächung, um die eigene Exportwirtschaft zu stimulieren. „Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich zuletzt auch die Währungen in benachbarten Regionen unterdurchschnittlich entwickelten“, deutet der Rentenexperte auf einen möglichen Abwertungswettlauf hin.

Der Kapitalabfluss trifft dabei nicht alle Schwellenländer gleich. Besonders unter die Räder geraten sind Länder mit einem großen Leistungsbilanzdefizit, die von ausländischer Finanzierung abhängig sind. Dazu zählt beispielsweise die Türkei, wo die zehnjährigen Renditen auf türkische Lira-Staatsanleihen mit fast zehn Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2011 stehen. Trotz Maßnahmen der Zentralbanken in den jeweiligen Ländern fiel auch die indische Rupie auf den niedrigsten Stand in ihrer Geschichte, die indonesische Rupiah und der brasilianische Real notieren aktuell auf einem Vierjahrestief.

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  • Sehr geehrter Herr Arnim, sehr geehrte Readaktion,
    also ich komme nicht umhin nochmals gesondert auf die ins Auge fallenden Widersprüche bei der Berichterstattung über die sog. BRICS-Staaten zu verweisen. Sie müßten doch bemerkt haben, daß dieses ein unglücklich gewählter Begriff in mancherlei Hinsicht ist & bei Globalaussagen i.a.R. zur Differenzierung zwingt (nicht nur, was die politischen Umstände betrifft ;-), die man gerne noch gesondert diskutieren kann).
    Das Titelbild zu dem Artikel zeigt also die chinesische Flagge in Form eines Koffers - ein Geldkoffer soll wohl gemeint sein.
    In dem Artikel geht es dann an keiner Stelle spezifisch um die chinesische Währung. Es wird verallgemeinert & prüft man die Fakten (s. vorhergehenden Kommentar), anhand der Daten über die eigene Plattform, stellt sich (das zuvor natürlich Gewußte) heraus, daß es der chinesischen Währung im Gegensatz zu den explizit genannten Währungen gut geht. Und die Aufwertung, die permanent stattfindet wird zudem politisch immer wieder von den OECD-Staaten eingefordert. Man hat es so gesehen mit einem musterhaften Vorgehen zu tun, was an keiner Stelle Erwähnung findet.
    Die Inflation scheint einigermaßen im Lot (im Vergleich zum Wachstum), von anderen wirtschaftlichen Kennzahlen rauscht in Bezug auf China auch nichts in den Keller. Eine Banken- und auch eine Immobilienkrise lassen sich nicht herbeischreiben, in den grenzwertigen Bereichen wird mehr oder weniger sanft gegengesteuert.
    Warum also bei der Berichterstattung über die BRICS-Staaten nicht besser differenzieren. Zumindest China und auch Russland sind immer für einen Sonderweg gut, wie es aussieht. So gesehen hat die chinesische Flagge im Zusammenhang null Aussagekraft bzw, führt Ihre Leser in die Irre. Sieht man auch sehr gut an der anschließenden Diskussion im Forum.

    Der Gewinn des RMB gegenüber dem € nochmals in Zahlen:
    Lfd. Jahr: + 2,05 %
    3 Jahre: + 8,31 %
    5 Jahre: + 19,8 %

    Grüße vom Xie

  • An das geschätzte Forum:

    einfach mal diesen Chart ansehen (möglichst Zeitraum 6 Monate / 1 Jahr / 3 Jahre auf sich wirken lassen):

    http://finanzen.handelsblatt.com/kurse_einzelkurs_uebersicht.htn?chart_zeit=30000&i=2203860

    Wo bitte geht es der chinesischen Währung schlecht? Also gegenüber dem Euro läßt sich dieses nicht diagnostizieren. Hier wird so einiges in den leeren Raum geblasen, aber das gibt der Artikel vor.
    Wenn man schon über so etwas wie die Währungen der *BRICS*-Staaten schreibt, muß man in der Lage sein, diese auch differenziert darzustellen. Über die Rupie, den Real & den Rand mag das Gesagte ja stimmen, über die chinesische Währung garantiert nicht. Man sehe sich zum Vergleich mal nur den Kursverlauf des Rand an:

    http://finanzen.handelsblatt.com/kurse_einzelkurs_uebersicht.htn?u=7494149&k=qlFxV0NgV8jy7uoN7bl1aA&i=2204152

    Der wird tatsächlich billiger & billiger gegenüber dem €.
    Hinzu kommt das unterschiedliche Gewicht der Währungen. Real und Rupie sind schon gar nicht abrufbar im Investmentteil von handelsblatt.com.

    Also, machen Sie sich selbst ein Bild & lassen sich nicht von verschwurbelten Theorien leiten, meine Herren.

    Grüße vom Xie

  • @Fragender: Bei BRIC vorsichtig sein, schauen Sie lieber nach alternativen Laendern der 'Schwellenland' Kathegorie.

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