Währungen
Die Euro-Dollar-Chance

Die Anzeichen mehren sich, dass die Zinsen in den USA wieder moderat steigen werden. Die EZB strebt den umgekehrten Weg an. Dollar rauf, Euro runter ist also ein wahrscheinliches Szenario. Wie Anleger profitieren können.
  • 5

DüsseldorfAls EZB-Präsident Mario Draghi Donnerstag vergangener Woche verkündete, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen diesmal nicht senkt, legte der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar spontan um einen Cent zu. Diese Reaktion ist als Indiz dafür zu werten, was einige Marktteilnehmer über kurz oder lang erwarten, nämlich eine Zinssenkung. Der Cent-Sprung ist als leichtes Aufatmen zu verstehen, vielleicht als die letzte Verschnaufpause vor dem, was in den kommenden Monaten letztlich doch passieren wird.

„Die Europäische Zentralbank fürchtet nichts mehr als eine Deflation in den Südländern der Euro-Zone“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Die EZB wird tendenziell also in den kommenden Monaten die Entwicklung sehr genau beobachten und im Zweifelsfall offensiv agieren“, so Halver. Sprich, Draghi wird die Zinsen senken und/oder tatsächlich das wahrmachen, was er bei Erkennen einer Gefahr des erneuten Abrutschens der Euro-Südzone in die Rezession schon früher versprochen hat: Er wird die vielzitierte „Bazooka“ herausholen und Staatsanleihen gefährdeter europäischer Staaten aufkaufen.

Die Chancen für dieses Szenario sind gestiegen. Denn insbesondere die exportorientierten Unternehmen in der Euro-Zone kämpfen an mehreren Fronten gleichzeitig. Eines der Probleme, mit der die Exportwirtschaft zu kämpfen hat, ist die aktuelle Krise der Schwellenländer. „Die Emerging Markets sind wichtige Abnehmer europäischer Waren. Schwächelt dort die Wirtschaft und werten die eigenen Währungen gegenüber dem Euro ab, dann importieren diese Länder auch weniger europäische Güter. Somit sinkt auch die Bereitschaft der Banken, Export-Kredite in diese Länder abzusichern“, erklärt Robert Halver.

Zudem befinde sich der Euro in Asien im Wettbewerb mit China und Japan, die gezielt die Abwertung ihrer Währungen betreiben und sich so Vorteile für ihre Exportwirtschaft erhoffen. Schon allein dieser Abwertungswettlauf liefert einen guten Grund, den Euro mit noch niedrigeren Zinsen international zu schwächen.

Auch die Entwicklungen in der Euro-Zone selbst liefern Mario Draghi die Argumente für den Einsatz seiner „Bazooka“: Griechenland wird auf jeden Fall ein weiteres Hilfspaket benötigen. Die Konjunktur im äußersten Südosten der Euro-Zone steht auf tönernen Füßen. Besserung ist nach Meinung vieler Euro-Experten langfristig nicht in Sicht. Und ob Präsident Hollande in Frankreich die Kehrtwende schafft und mit mutigen Reformen ein Abgleiten der Grande Nation in die Rezession verhindern kann, bleibt abzuwarten. Höhere Zinsen sind hier auf jeden Fall nicht hilfreich. „Die EZB ist im Zugzwang, sie muss für renditesenkende Liquidität sorgen“, so Halver.

Kommentare zu " Währungen: Die Euro-Dollar-Chance"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Es gewinnt nur einer: die Bank.

    Aber wahrscheinlich ist die Katastrophe sowieso nicht mehr aufzuhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%