Währungszertifikate
Auf Rubel und Rupie spekulieren

Nach Rohstoffen preisen die Banken jetzt Währungen als alternative Anlageklasse. Was die neuen Währungszertifikate taugen.
  • 0

Der Euro steht im Kurs zum Dollar so hoch wie nie zuvor. Wird es da nicht Zeit, die Fronten zu wechseln und auf eine Renaissance der US-Währung zu setzen? Charmante Idee, die aber vermutlich viel zu früh kommt. Eine Punktlandung am Devisenmarkt legte dagegen Gerald Cesar hin. Der Inhaber der Stuttgarter Vermögensberatung Cesar & Partner wird von seinen Kunden neuerdings Soros genannt. Wie der berühmte Großspekulant, der 1992 an der Abwertung des britischen Pfunds an einem Tag eine Milliarde Dollar verdiente, setzte der Schwabe mit Gewinn auf überfällige Wechselkursanpassungen.

Cesar sah im Sommer Ungemach auf die Börsen zukommen, erhöhte die Bargeldquote in den Depots seiner Kunden und witterte in Kaufoptionen auf den japanischen Yen das ideale Absicherungsinstrument. Sein Kalkül: Wird es eng an den Kreditmärkten, werden sich Spekulanten fluchtartig aus ihren Carry-Trades zurückziehen. Diese Geschäfte, bei denen Kredite in Währungen mit niedrigem Zinsniveau wie dem Yen aufgenommen werden und anschließend in Zinspapiere aus Hochzinsländern fließen, hatten den Euro-Yen-Wechselkurs in den Monaten zuvor extrem nach unten verzerrt.

Die Rechnung ging auf: Als die Kreditkrise hochkochte, legte der Yen zum Euro binnen vier Wochen um zehn Prozent zu. "Ich habe gestaunt, wie schnell das ging", sagt Cesar. Seinen Kunden war’s recht, sie freuen sich über Wertzuwächse von bis zu 100 Prozent. Das Beispiel zeigt: Mit Währungen lässt sich Geld verdienen – auch wenn sonst alles fällt. Deshalb springt auch die Zertifikate-Industrie auf diesen Zug auf. Ohne Risiken sind Währungsgeschäfte, wie sie Profi Cesar betreibt, nicht. Der Schwabe warnt: "Solche Hebelprodukte ziehen auf kurze Sicht, eignen sich aber nicht, um langfristig auf die Aufwertung einer Währung zu setzen." Damit sind auch schon Profianleger baden gegangen.

Doch die Gefahrenzonen dieser Geschäfte können Privatanleger umschiffen. Bisher war das mit Währungskonten möglich, dem Kauf von Auslandsanleihen oder seit 2004 in Deutschland auch mit aktiv gemanagten Devisenfonds. Mit neuen Währungszertifikaten können Privatanleger gezielt in einzelne Währungen oder in einen Korb von Währungen investieren. Zur Auswahl stehen Papiere mit Kapitalschutz bis hin zu Zertifikaten, die Carry-Trade-Strategien nachbilden. Auch Anleger, die sich kein eigenes Urteil über die Wechselkursentwicklung zutrauen, können sich per Zertifikat das Know-how von anerkannten Währungsexperten ins Depot holen.

Seite 1:

Auf Rubel und Rupie spekulieren

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Währungszertifikate: Auf Rubel und Rupie spekulieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%