Wasser-Zertifikate
Schlechtes Gewissen, gute Rendite

Die Finanzbranche ist bei neuen Anlagetrends schnell zur Stelle. Neben Öl, Gold und Solarenergie gehört nun auch Wasser dazu. In Produktprospekten der Zertifikate-Emittenten heißt es Wasser sei ein kostbares Gut und die Preise würden künftig deutlich steigen. Investoren können darauf mit Zertifikaten setzen - sie sollten jedoch nicht die Illusion haben, damit zwangsläufig etwas Gutes zu tun.
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FRANKFURT. Durch das Wachstum der Weltbevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung in aufstrebenden Nationen wie China oder Indien werden die Reserven knapp. Die Vereinten Nationen erwarten, dass die Welt im Jahr 2025 bis zu 40 Prozent mehr Wasser verbrauchen wird als heute. Veränderte Essgewohnheiten der Menschen - hin zu einer stärker proteinhaltigen Nahrung und mehr Fleisch - erfordern Einsatz von mehr Wasser.

Etwa 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft. Zudem sind in vielen Großstädten der Industrienationen die Wasserleitungen völlig marode, Millionen Liter Wasser versickern ungenutzt im Untergrund. Experten schätzen, dass in den kommenden 20 Jahren bis zu einer Billion US-Dollar weltweit für die Instandsetzung investiert werden muss, insbesondere in den USA und Großbritannien. Die Investmentbank Goldman Sachs glaubt, dass die Wasserbranche deshalb in den kommenden Jahren jeweils um 15 bis 25 Prozent wachsen wird.

Anleger müssen auf Umwegen in Wasser investieren

"Es ist ganz klar, dass sich der Umgang mit diesem Rohstoff ändern wird - was wiederum neue Märkte eröffnet und Chancen verspricht", sagt auch Richard Stathers von der britischen Fondsgesellschaft Schroders. Wasser wird im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie Öl, Weizen oder Zucker nicht an der Börse gehandelt. Anleger müssen deshalb auf Umwegen in Wasser investieren, etwa über Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit Wasser verdienen. Doch das Feld könnte kaum weiter sein. Stathers setzt etwa auf Unternehmen, die sich auf die Infrastruktur (Weir, Rotork) sowie die Reinigung (Christ Water Technology) oder die effizientere Nutzung von Wasser (Spirax-Sarco) spezialisiert haben. Außerdem seien die klassischen Wasserversorger wie Veolia, United Utilities oder Wavin für Anleger interessant, da diese von steigenden Wasserpreisen profitieren dürften.

In Deutschland finden Anleger kaum börsennotierte Wasserunternehmen. Der Markt ist stark zersplittert, die Versorgung ist in der Hand kleinerer Firmen oder kommunaler Betreiber. Die Energieversorger RWE und Eon mischen zwar auch im Wassergeschäft mit, dieses gehört jedoch nicht zum Kerngeschäft.

Anleger, die nicht über Aktien in den Wassermarkt investieren wollen, finden ein üppiges Angebot an Fonds und vor allem Zertifikaten. Fast jeder größere Anbieter hat entsprechende Produkte auf Lager. Viele Zertifikateemittenten orientieren sich bei der Zusammenstellung der Basiswerte am World Water Index (Wowax), der die wichtigsten Unternehmen der Branche abbildet.

Einer Illusion sollten sich Anleger aber nicht hingeben. Indem sie in Unternehmen investieren, die mit Wasser zu tun haben, tun sie nicht zwangsläufig etwas Gutes. Wer mit gutem Gewissen investieren will, muss genau prüfen, wem er sein Geld gibt. Die Unternehmen schauen in erster Linie auf ihre Rendite. Ausgerechnet die abgelegenen Gegenden Afrikas oder Südamerikas meiden viele Konzerne. Dabei wäre das Engagement dort am nötigsten. 1,2 Mrd. Menschen sind derzeit von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten; 2,6 Mrd. trinken Abwasser, das nicht ausreichend geklärt ist; 5 000 Kinder sterben täglich an den Folgen des Wassermangels.

Aber auch in den Industrieländern ist nicht alles, was den Investoren nutzt, gleichzeitig nützlich für die Verbraucher. In England wurde unter der Ägide der Premierministerin Maggie Thatcher die heimische Wasserversorgung im Jahr 1989 privatisiert. Kritiker warfen den privaten Eigentümern vor, sie investierten zu wenig in die Leitungen, während gleichzeitig die Preise stiegen.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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