Weniger Rendite
Teure Kapitalgarantie

Garantiezertifikate auf Investmentfonds mit außergewöhnlicher Wertentwicklung werden ständig neu auf den Markt gebracht. Doch machen diese Produkte Sinn? Für die Anleger nur in seltenen Fällen.
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DüsseldorfDie Beliebtheit des französischen Ausnahmefonds Carmignac Patrimoine A sorgt auch für Umsatz in der Zertifikatebranche. Mehr als 20 klassische Garantieprodukte haben die Emittenten auf den mittlerweile 30 Milliarden schweren Mischfonds als Basiswert auf den Markt gebracht – allen voran Hypo-Vereinsbank, DZ Bank, Landesbank Berlin und früher auch die WestLB.  Die Derivate sind in erster Linie für sicherheitsorientierte Anleger geeignet, weil Kapitalgarantie auf einen außergewöhnlichen Fonds gegeben wird.

Der in internationale Anleihen, Aktien und Devisen anlegende Investmentfonds erzielte in den vergangenen zehn Jahren ein Plus von im Schnitt rund acht Prozent. Selbst als die Aktienmärkte 2002 weltweit einbrachen, verbuchte der Fonds eine Wertsteigerung von fünf Prozent. Und im Crash-Jahr 2008, als die Weltbörsen um mehr als ein Drittel abstürzten, büßte der Patrimoine nicht einmal ein Prozent ein. Daher ist das Portfolio vor allem bei konservativen Anlegern populär.

Doch was, wenn auch diese Erfolgsgeschichte irgendwann abrupt endet und es mit dem Fonds für längere Zeit abwärtsgeht?  Denn zuletzt ließ die Performance zu wünschen übrig. So erzielten Anleger in den vergangenen drei Jahren mit dem Fonds nur durchschnittlich 2,1 Prozent Plus und lagen somit um 5,1 Prozent schlechter als der Vergleichsindex.

Eine Lösung stellen sogenannte Kapitalschutz-Zertifikate in Aussicht, die auf dem Fonds basieren. Die Funktionsweise der Anlagepapiere: Die Käufer sollen an der Wertentwicklung des Carmignac Patrimoine A teilhaben und am Ende der Laufzeit ihren Einsatz zu mindestens hundert Prozent zurückerhalten.

Diesen Schutz gibt es aber nicht umsonst: Zum einen sind die Ertragschancen im Vergleich zur Direktinvestition in den Fonds beschnitten. Denn die Entwicklung des Fonds wird nicht eins zu eins nachvollzogen, sondern anhand einer sogenannten „Durchschnittswertbildung“. Vereinfacht gesagt führt das dazu, dass die Zertifikate von stark steigenden Fondskursen nur unterproportional profitieren.

Um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Auswirkungen das haben kann, genügt schon ein Blick auf die Entwicklung vergleichbarer Zertifikate, die schon länger auf dem Markt sind. Beispielsweise eine Variante der der DZ Bank (WKN DZ0R71), die bereits im April 2010 emittiert wurde. Obwohl das Zertifikat die Gewinne des Fonds mit dem Faktor 1,2 hebelt, hinkt es dem französischen Fonds mittlerweile satte sieben Prozentpunkte hinterher. Ein Vorteil hätte die Durchschnittsbildung nur, wenn die Wertentwicklung des Fonds zum Ende der Zertifikatelaufzeit einbrechen würde. 

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