Zertifikate
Anleger handeln oft irrational

Kaum ein Anlagesegment in Deutschland hat eine so bewegte Geschichte hinter sich wie Zertifikate. Und die Produktvielfalt ist, trotz einiger Bremsspuren, deutlich größer geworden als noch vor wenigen Jahren. Aber nicht alle Produkte die angeboten werden, sind auch sinnvoll. Was Anleger beachten sollten.

DÜSSELDORF. Anleger kaufen oftmals die Zertifikate, die nicht zum jeweiligen Börsenumfeld passen. Das zeigt die inzwischen zwanzigjährige Geschichte der Zertifikate in Deutschland. Beispielsweise zählten Garantiezertifikate zu den Favoriten, nachdem die Kurse deutlich gefallen waren. Viele Anleger ließen von den hohen Koupons der Aktienanleihen blenden, ohne das Aktienrisiko zu berücksichtigen.

In den 20 Jahren haben sich aber auch nicht alle Ideen der Emittenten am Markt durchgesetzt. "Das Hauptaugenmerk liegt wieder auf einfachen Produkten: Index-, Bonus-, Discount-, Expressoder Garantiezertifikaten", meint Dirk Heß von Citi. "Alle anderen Produkte sind nicht unnütz, benötigen aber eine sehr dezidierte Meinung zur zukünftigen Marktentwicklung." Ob aber zum Beispiel der Dax bis zur Fälligkeit eines Zertifikat innerhalb der Spanne von 4 000 bis 5 000 Punkten bleibt, ist sehr schwer abzuschätzen und eher Spekulation als fundierte Analyse. Wie schnell exogene Schocks die Märkte aus dem Tritt bringen, zeigen die Anschläge auf das World Trade Center (WTC) im September 2001 oder die aktuelle Finanzkrise.

Dabei hatte alles so einfach angefangen. Das erste Indexzertifikat im Jahr 1989 wurde noch als "das Ei des Kolumbus" gefeiert. Endlich war es möglich, mit einem passiven Investment von der Entwicklung des Deutschen Aktienindex Dax zu profitieren - nicht mehr, nicht weniger. Banken waren beim Vertrieb der neuen Produkte zurückhaltend. Versprachen doch aktiv gemanagte Fonds über den Ausgabeaufschlag und die jährlichen Provisionen einen deutlich höheren Ertrag für die Häuser. Dementsprechend blieb die Zertifikatebranche zunächst in den Kinderschuhen stecken.

Für Ate Weber, Zertifikatespezialist bei der ING Bank, ist das auch ein Grund für die zunächst niedrige Innovationsgeschwindigkeit der Emittenten: "Die damals hohen Kosten für Neuemissionen und der niedrige Absatz bremsten die Entwicklung. Außerdem muss erst einmal jemand eine neue Idee haben." Diekam1995 mit den Discountzertifikaten. Diese Produkte sind eine Kombination aus einem Aktienkauf und einem Optionsverkauf. In der Summe profitiert der Käufer des Discountzertifikats bis zu einer bestimmten Obergrenze von Aktienkurssteigerungen, darüber hinaus nicht mehr. Im Gegenzug hat das Zertifikat einen niedrigeren Preis als die zugrunde liegend Aktie. Als der Dax im Jahr 1995 im Seitwärtstrend verlief, konnten Anleger mit den Discountern einen Zusatzertrag erzielen - auch wenn die Aktien auf der Stelle traten. Das Interesse der Anleger an Zertifikaten nahm zu. "Die Zertifikate der ersten Generation ließen sich von erfahrenen Anlegern aufgrund der einfachen Konstruktion im Zweifel noch selbst mithilfe von Optionen nachbauen", erklärt Weber.

Das gilt gleichermaßen für die Aktienanleihen, der nächsten Zertifikateart. Anstelle eines Preisabschlags wie beim Discountzertifikat glänzten sie mit einem hohen, größtenteils zweistelligen, Nominalzins. Da das Zinsniveau schon damals zurückging, wurden die Aktienanleihen gerne wegen der vergleichsweise hohen Kupons gekauft. Das Risiko, dass der Emittent bei Fälligkeit der Anleihe diese in Aktien zurückzahlen darf wenn der Aktienkurs einen bestimmten Wert unterschreitet, war zunächst bei der Aussicht auf hohe Renditen nebensächlich. Bis im Jahr 2000 die Internetblase platzte und es mit den Aktienmärkten bergab ging.

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