Zertifikate
Anleger suchen das Extrem

Entweder auf Nummer sicher oder volles Risiko: In turbulenten Börsenzeiten ist das Extrem gefragt. Warum Anleger derzeit nur auf besonders spekulative oder sehr konservative Produkte setzen.
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FrankfurtDas Jahr 2011 ist erst in sechs Wochen vorbei, und die letzte offizielle Statistik des Deutschen Derivate Verbands (DDV) stammt aus dem August. Doch so viel lässt sich jetzt schon sagen: 2011 wird nicht als ein gutes Jahr für die Derivate-Industrie in die Geschichte eingehen. Ende August waren in Deutschland 104,6 Milliarden Euro in Zertifikate und Hebelprodukte investiert. Das waren schon 4,1 Prozent weniger als im Juli und der niedrigste Stand seit Februar 2010. Bis zum Jahresende könnte das Volumen noch einmal geschrumpft sein.

Seit zwei Jahren gibt es bei Zertifikaten de facto kein Marktwachstum mehr. Mit den Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat die Branche bis heute zu kämpfen. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise Ende 2007 hatten deutsche Anleger mehr als 139 Milliarden Euro in Zertifikate investiert – die Tendenz war bis dahin stets stark steigend, zweistellige Wachstumsraten keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

Davon ist die Branche heute weit entfernt. Wenn ein bestimmter Produkttyp innerhalb des Zertifikate-Universums wächst, dann nur noch zulasten eines anderen. Und da zeichnet sich in den zurückliegenden Monaten ein deutlicher Trend ab: Die deutschen Anleger zaudern oder zocken. Sprich: Sie investieren zunehmend in Produkte mit Zins-Kupons und zumindest einer Teilabsicherung des Kapitals, oder sie handeln mit spekulativen Hebelprodukten. „Unseren Zahlen zufolge hat die Nachfrage der Anleger nach klassischen Anlagezertifikaten wie beispielsweise Index-, Bonus- oder Discountzertifikaten nachgelassen, während die Banken beispielsweise deutlich mehr strukturierte Anleihen mit Kuponversprechen und Kapitalschutzfunktion absetzen“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands.

Der Trend zum Kupon ist auch innerhalb ähnlicher Produktgruppen zu beobachten: So ist im Vergleich zum Vorjahr das Marktvolumen von klassischen Kapitalschutzprodukten ohne Kuponversprechen um rund 6,5 Prozent oder 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Dafür stieg das Marktvolumen strukturierter Anleihen mit Kapitalschutz und Kupon um rund sieben Prozent oder 2,7 Milliarden Euro an.

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