Zertifikate
Beim Bonus von Rabatten profitieren

Nichts ist umsonst – das gilt auch für die Anlageklasse der Zertifikate. Je nach Börsensituation und Preispolitik der Emittenten können sogar Preise von Bonuszertifikaten unter die Kurse ihrer jeweiligen Basiswerte absinken. Anleger sollten deshalb gut vergleichen, bevor sie zugreifen.
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DÜSSELDORF. „There is no free lunch“, sagen Börsianer. Frei übersetzt heißt das: Nichts ist umsonst. Zertifikate sind deshalb so etwas wie zu Wertpapieren gewordene Börsenweisheiten. Schließlich haben Anleger bei einer Investition in ein Zertifikat grundsätzlich andere Chancen und Risiken als bei einer Investition in den jeweils zugrunde liegenden Basiswert. Das Chance-/RisikoProfil wird bei Zertifikaten gegenüber ihren Basiswerten verschoben. Jedes Plus an Renditechance birgt für den Anleger mehr Risiko. Das gilt auch umgekehrt: Mehr Sicherheit bedeutet Einschränkungen bei der möglichen Rendite. An zwei Beispielen wird das deutlich: „Discountzertifikate sind eher für konservative Anleger geeignet. Denn ein Teil der Gewinnchance wird gegen einen Preisrabatt eingetauscht. Bonuszertifikate dagegen sind für offensivere Anleger geeignet. Denn die Bonus-Chance wird mit einem Verzicht auf Dividendenzahlungen und einem zusätzlichen Risiko erkauft: Sinkt der Kurs des Basiswertes unter die Barriere, verliert das Zertifikat kurzfristig mehr an Wert als der Basiswert“, erklärt Gregoire Toublanc von BNP Paribas.

Gleichzeitig kostet die Bonus-Chance bei diesen Zertifikaten einen extra Aufpreis: Die entsprechenden Optionen, die in Bonuspapieren stecken, müssen bezahlt werden. Das erscheint auf den ersten Blick plausibel. Doch hier lohnt ein zweiter Blick. Denn bei Bonuszertifikaten spielen mehrere Komponenten eine Rolle, die im Zusammenspiel je nach Restlaufzeit des Zertifikats und Entwicklung des Basiswerts zu sehr unterschiedlichen Preisentwicklungen bei dem betreffenden Bonuszertifikat führen können. Das Chance-/Risiko-Profil ist deshalb oft nicht leicht zu erkennen.

Hintergrund: Bonuszertifikate bestehen aus zwei Teilen – einer ersten Option auf den Basiswert mit einem Basispreis von Null („Zero-Call“) und einer zweiten, sogenannten „Down and Out Put-Option“, die dafür sorgt, dass der Bonus am Laufzeitende fällig wird. Die erste Option entwickelt sich nahezu identisch zum Basiswert, zum Beispiel einer Aktie oder eines Index. Die zweite, die Down and Out Put-Option, führt jedoch ein interessantes Eigenleben. Faustregel: Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass am Ende der Laufzeit der Bonus ausgezahlt wird, desto teurer wird diese spezielle Option. Bonuszertifikate sind deshalb oftmals teurer als der betreffende Basiswert. Es wird ein Aufgeld fällig, das hauptsächlich auf den gestiegenen Wert der Down and Out Put-Option zurückzuführen ist.

Verfall naht – Rendite steigt

Das gilt jedoch auch umgekehrt: Der Augenblick, in dem das Sicherheitslevel des Bonuszertifikats berührt oder unterschritten wird, bedeutet für die Down and Out Put-Option das „Out“. „Die Option verfällt auf dem Weg zu dieser Barriere umso schneller, je mehr sich der Kurs des Basiswertes dieser Grenze annähert. Denn je größer das Risiko ist, dass die Option völlig wertlos verfällt, desto weniger ist sie wert“, sagt Gregoire Toublanc. So kann es vorkommen, dass schon vor dem „Out“ der Preis des Zertifikats unter den Kurs des jeweiligen Basiswertes sinkt. Aus dem Aufgeld wird so ein Abgeld, also ein Rabatt.

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  • Zertifikate sind eine Wette mit der bank auf eine Preisentwicklung, wobei die bank den basiswert nicht besitzt, den Wetteinsatz im Vorfeld kassiert (!), keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln kurzfristig ändern kann! Wer dennoch Zertifikate kauft hat seit Lehmann nichts dazugelernt. Hier gilt nur "Gier frißt Hirn". Wer dennoch "zocken" will macht das besser an der Terminbörse. Dort sind die bedingungen fairer, transparenter und sicherer!

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