Zertifikate-Branche
Anleger fordern verständliche Produkte

Mehr als 100 Milliarden Euro haben deutsche Privatanleger in Finanzderivaten angelegt. Doch die Umsätze stagnieren seit der Finanzkrise. Die meisten Emittenten richten deshalb ihre Angebote neu aus. Weg vom Exotischen, hin zum Einfachen.
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BONN. So hört sich Optimismus in der Zertifikatebranche an: "Die Branche lebt. Kein Totenglöckchen, kein Nachruf, die Beerdigung ist abgesagt", sagte Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) jüngst. In der Tat lesen sich die Statistiken auf den ersten Blick nicht schlecht. Offiziell haben Anleger in Deutschland derzeit rund 106 Mrd. Euro in Zertifikate, Aktienanleihen und Optionsscheine investiert. Das ist ein Plus von 32,5 Prozent binnen eines Jahres. Denn nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 war das Marktvolumen eingebrochen - von 139 Mrd. auf 80 Mrd. Euro.

Der schöne Schein der großen Zahl

Doch die Zahl täuscht über die tatsächliche Verfassung der Branche hinweg. Denn das investierte Vermögen hat vor allem dank steigender Kurse zugenommen. Die Umsätze dagegen haben sich seit Ausbruch der Finanzkrise halbiert. Derzeit werden der DDV-Statisitik zufolge an den Börsen monatlich 4,5 Mrd. Euro im Schnitt mit Anlagezertifikaten und Hebelprodukten umgesetzt. 2008 waren es noch 8,7 Mrd. Euro.

Angesichts der schwachen Umsatzentwicklung haben die meisten Emittenten ihre Angebote neu ausgerichtet. In der Boomphase vor wenigen Jahren glänzten die Entwickler der Derivatebranche noch mit exotischen Länderindizes oder komplexen Anlagekonzepten, die sie in Zertifikate verpackten.

Aktuell, sagt Rupertus Rothenhäuser, Leiter des Vertriebs für strukturierte Produkte in Europa bei Macquarie, wünschten sich Anleger vor allem einfache, verständliche Produkte mit einem klaren Rendite-Risiko-Profil. "Sie setzen daher zurzeit vor allem auf bekannte Strukturen wie zum Beispiel Aktien- und Indexanleihen oder Kapitalschutz-Produkte." Zertifikate mit Kapitalschutz werden nach seiner Ansicht auch im nächsten Jahr im Vordergrund stehen.

Lutz Johanning, Professor an der WHU in Vallendar, sieht dies ähnlich: "Zertifikate können zunehmend als Alternative zu Aktien oder Anleihen begriffen werden." Klassische Bonus-Zertifikate, bei denen Kursverluste bis zu einem gewissen Grad ohne Folgen für die Auszahlung am Laufzeitende bleiben, ließen sich beispielsweise als eine Art gepufferte Aktienanlage einsetzen, während Deep Discountzertifikate, die einen hohen Rabatt zum Basiswert bieten, dafür aber eine Gewinnbegrenzung haben, als Alternative zu Festzinsanlagen gelten.

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  • Am einfachsten für mich zu verstehen, ist ein ETF-indexfonds z.b. auf den Dax. Niedrige Kosten, kein Total-Ausfallverlust, lediglich Kursverluste. Die umgehe ich, indem ich an meine eigene Prognose glaube: 2011/2012 wird der Dax zwischen 4000 und 5000 stehen. Dann greife ich zu, warte den garantierten Anstieg auf 7500 ab, verkaufe dann und freue mich auf ein sattes Plus. So einfach kann Kapital-Anlage sein.

  • Um eine neuerliche Krise zu vermeiden, muss sich grundlegend etwas in unserem Denken ändern, wie es auch Sylke Schröder einfordert: http://bit.ly/9Gi3cD

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