Zertifikate-Branche
Anleger verklagen SEB wegen gekündigter Zertifikate

Die Frankfurter SEB Bank muss sich wegen der Kündigung zweier Zertifikate vor Gericht verantworten. Die Kläger wollen die Rückzahlung ihres Kapitals erwirken - die Produkte bezogen sich auf Hedge-Fonds des Börsenspekulanten Homm. Der Zertifikate-Branche, die den Fall mit viel Interesse verfolgt, droht unterdessen ein Imageschaden.

FRANKFURT. Nach Informationen des Handelsblatts haben zwölf Anleger, die in die Zertifikate auf einen vom Börsenspekulanten Florian Homm gemanagten Dach-Hedge-Fonds investiert haben, vor dem Landgericht Frankfurt Klage gegen die SEB eingereicht. Sie wollen damit erreichen, dass die Bank die Zertifikate zurückzahlt. Die SEB lehnt das ab und begründet dies damit, dass sie keine verlässlichen Preise für die Wertpapiere ermitteln könne.

Die SEB hatte die beiden Zertifikate auf den "Hedge Select 4" (ISIN DE000SEB1Z30 und DE000SEB1Z48) mit einem investierten Gesamtvolumen von rund 100 Mill. Euro zum 31. Oktober 2007 gekündigt. Hintergrund ist der Rückzug von Florian Homm aus der Absolute Capital Management Holding (ACMH), auf deren Hedge-Fonds sich die Zertifikate beziehen. In der Folge hätten laut SEB Investoren ihr Geld abgezogen, sodass Liquiditätsengpässe drohten.

In der Zertifikate-Branche wird der Fall mit viel Interesse verfolgt, weil es das erste Mal ist, dass Anleger die Rückzahlung ihrer Zertifikate vor Gericht einklagen. Der Branche drohe durch den Rechtsstreit um die Kündigung der Homm-Zertifikate ein Image-Schaden, fürchten Bankenvertreter.

Die Kündigung selbst ist juristisch nicht angreifbar. Der Emissionsprospekt sieht diese Möglichkeit ausdrücklich vor. Anlass für die Klagen ist vielmehr die Weigerung der SEB, die Anleger auszuzahlen. Dies hätte laut Prospekt spätestens am 10. Dezember geschehen müssen. Die SEB beruft sich aber auf eine "Marktstörung", die entstanden sei, weil der Hedge-Fonds die Anteilsrücknahme bis November 2008 ausgesetzt habe und keine Nettoinventarwerte mehr ausweise. Dadurch sei es unmöglich, faire und seriöse Preise zu schätzen, zu denen die Zertifikate verbindlich eingelöst werden können.

Bei den Anwälten der Kläger stößt diese Argumentation auf Unverständnis:"Die Zielfonds sind berechenbar, damit kann die SEB, die selbst Berechnungsstelle ist, auch einen Preis ermitteln", sagt Markolf Schmidt, der die Klage beim Landgericht eingereicht hat. Neben der Zahlungsverzögerung wirft er der SEB Fehler im Prospekt vor, weil dieser "die Risiken durch Nichtzahlung seitens der SEB in keiner Weise darstellt". Eine weitere Klage auf Prospekthaftung, durch die Anleger im Erfolgsfall ihr eingesetztes Kapital plus Zinsen zurückerhalten würden, bereitet zurzeit der Münchener Anwalt Peter Mattil gegen die SEB vor. In wenigen Wochen solle diese ebenfalls beim Gericht eingereicht werden, sagte Mattil dem Handelsblatt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%