Zertifikate
Brasilien tritt aus Chinas und Indiens Schatten

Brasilien profitiert in den nächsten Jahren von Sportgroßereignissen. 2014 ist das südamerikanische Land Gastgeber der Fußball-WM, zwei Jahre später finden am Zuckerhut die Olympischen Sommerspiele statt. Von den fälligen Investitionen profitiert die Wirtschaft - und der Aktienmarkt in São Paulo entwickelt sich rekordverdächtig gut.

Die Erwartungen im Fußball-verrückten Brasilien sind enorm: Fünfmal wurde ihre Seleção (= Auswahl) bereits Weltmeister. In viereinhalb Jahren soll es wieder so kommen - und zwar diesmal in ihrem Heimatland, in dem die Fußball-WM 2014 ausgetragen wird. Die Spannung wird dort auch nach dem Finale nicht abreißen. Denn in diesem Fall ist nach dem Spiel tatsächlich vor den Spielen. Schon zwei Jahre später finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt.

Die Euphorie im Zuckerhutstaat ist groß. Gigantisch ist auch die Herausforderung für die Organisatoren. Die brasilianische Regierung will mehr als elf Mrd. US-Dollar allein in die Infrastruktur investieren. Dazu gehört beispielsweise eine Hochgeschwindigkeits-Strecke für Züge, die die beiden größten Städte Brasiliens São Paulo und Rio de Janeiro miteinander verbinden sollen. Für rund 1,5 Mrd. US-Dollar wird das Olympische Dorf gebaut, 770 Mio. US-Dollar fließen in den Energiesektor, und 813 Mio. US-Dollar werden in den Bereich Sicherheit investiert. "Solche Aktivitäten sind typisch für die erste Investitionsphase vor sportlichen Großereignissen", sagt Gerd Bennewirtz, Chef der Fonds-Vermögensverwaltung SJB FondsSkyline in Korschenbroich.

Für die Unternehmen, die in dieser Phase Großaufträge einsammeln, bedeuten diese in der Regel nicht nur viel Arbeit, sondern auch steigende Aktienkurse. Die SJB-Experten haben ausgerechnet, dass Aktien vor allem drei bis fünf Jahre vor der jeweiligen Veranstaltung die größten Zuwächse verzeichnen. "Dann ist für die Marktteilnehmer prognostizierbar, ob die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen ausreichen, um erfolgreiche Spiele zu präsentieren", erklärt SJB-Chef Gerd Bennewirtz. Wenn zwei sportliche Großereignisse nacheinander im selben Land stattfinden, profitieren Anleger gleich zweimal von den verschiedenen Vorbereitungsphasen zu profitieren. "In der ersten Phase profitieren die Branchen Infrastruktur, Logistik und Bauwirtschaft. Rund zwei Jahre vor den Spielen folgen Tourismusunternehmen, Telekommunikation oder Konsumgüter", so Bennewirtz.

In Brasilien folgt in diesem Fall eine dritte, spannende Zeit: Wenn nach dem letzten Schlusspfiff der WM die internationalen Geschäftskontakte beginnen, sich auszuzahlen, startet parallel die zweite Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. "Ein Schwellenland wie Brasilien wird alles dafür tun, um den internationalen Imagegewinn in ökonomische Gewinne umzusetzen."

Brasilien hat jedoch noch mehr zu bieten als Hoffnungen auf schöne Spiele. Die Ökonomie der ehemaligen portugiesischen Kolonie war lange auf den Export von Zucker und Kaffee fixiert. Davon kann schon lange keine Rede mehr sein. Der Agrarsektor trägt insgesamt nur noch zu etwa einem Zehntel zum brasilianischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Etwa 40 Prozent des BIP wird von der Industrie erwirtschaftet, knapp die Hälfte vom Dienstleistungssektor. Brasilien exportiert nach wie vor auch Kaffee, Soja, Zucker und Fleisch, aber auch Maschinen, Autos, Flugzeuge, Stahl, Aluminium und Zinn.

Brasiliens Wirtschaft ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößte aller Länder in Amerika. Damit ist Brasiliens Wirtschaft sogar stärker als die des Industriestaats Kanada. Schon heute erzielen die 191 Millionen Brasilianer eine Wirtschaftsleistung von 10 200 US-Dollar pro Kopf und haben damit beinahe zum Weltdurchschnitt von 10 400 US-Dollar aufgeschlossen. Der Begriff "Schwellenland" trifft insofern zu, als Brasilien an der Schwelle steht, zu den führenden Industrieländern aufzuschließen.

Seite 1:

Brasilien tritt aus Chinas und Indiens Schatten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%