Zertifikate-Debatte
„Die CDU müsste auch Aktien verbieten“

Der Vorschlag der CDU, Zertifikate für Privatanleger zu verbieten, hat in der Derivatebranche für Wirbel gesorgt. Im Gespräch mit Handelsblatt.com wirft Hartmut Knüppel, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes der CDU marktschädliches Verhalten vor und erklärt, warum das vorhergesagte Ende der Zertifikate ausgeblieben ist.
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Herr Knüppel, ein Jahr nach der Lehman-Pleite hat die CDU ein Verbot von Zertifikaten für Privatanleger ins Gespräch gebracht. Hat Sie diese Initiative kalt erwischt?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der künftigen Bundestagsfraktion von CDU und CSU diese Position teilt. Dies wäre ein Bruch mit marktwirtschaftlichen Grundsätzen und ein Sargnagel für den Finanzstandort Deutschland. Damit würde die Partei Ludwig Erhards die SPD und die Grünen links überholen. Es handelt sich hier um einen Schnellschuss. Die Vorschläge lassen wesentliche Fakten unberücksichtigt, gehen am Kernproblem vorbei, sind nicht zu Ende gedacht, unpraktikabel und überflüssig.

Fakt ist aber, dass in der Finanzkrise viele Anleger mit Zertifikaten viel Geld verloren haben...

...aber in den meisten Fällen weniger als mit vergleichbaren Anlagen. Auf dem Deutschen Derivate Tag in dieser Woche hat Professor Bert Rürup eine Analyse vorgelegt, nach der mehr als zwei Drittel aller Zertifikate ein geringeres Risikoprofil aufweisen als Aktien. Konsequenterweise müsste die CDU daher auch Aktien für Privatanleger verbieten.

Im Gegensatz zur Aktie handelt es sich bei Zertifikaten allerdings um zum Teil hochkomplexe Produkte, die viele Anleger nicht durchschauen. Und trotzdem wurden die Produkte von Banken in den vergangenen Jahren einem Massenpublikum verkauft.

Wir sind davon überzeugt, dass Zertifikate in jedes erfolgreiche Depot gehören. Allerdings ist nicht jedes Zertifikat für jeden Anleger geeignet. Bei der Beratung ist darauf zu achten, dass Kunden nur die Zertifikate kaufen, die sie verstehen und die ihrem Risikoprofil entsprechen. Hier hat es in der Vergangenheit sicherlich Beratungsfehler gegeben. Diese sind aber nicht dem Produkt Zertifikat anzulasten. Die Notwendigkeit, die Beratungsqualität weiter zu verbessern, gilt für alle anderen Finanzprodukte wie Fonds oder Versicherungen in gleicher Weise.

Die hohe Komplexität ist sehr wohl ein Problem der Produkte, oder nicht?

Auch hier hat es vereinzelt Fehlentwicklungen gegeben. Aber der Markt ist auf dem richtigen Weg. Der Trend geht weg von den komplexen Strukturen und hin zu einfachen Produkten, die für jedermann leicht verständlich und auch sicher sind. Zwei Drittel des gesamten Marktvolumens entfällt inzwischen auf ganz einfache Zertifikate mit 100 Prozent Kapitalschutz.

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