Zertifikate
Den Crash in Deckung überstanden

Der Börsenabsturz hat auch die meisten Strategiezertifikate mit in die Tiefe gerissen. Eine Ausnahme bildet ausgerechnet ein Papier, das lange Zeit als Rohrkrepierer galt.
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DÜSSELDORF. Gut Lachen haben Investoren, die vor zwei Jahren auf das "Market Indicator Germany"-Indexzertifikat von Merrill Lynch gesetzt haben, das den Börsencrash bisher fast verlustfrei überstanden hat (WKN: ML0BDM).

Vorausgesetzt sie haben nicht vorzeitig die Geduld verloren und das Strategiepapier, das den Dax langfristig outperformen soll, wieder aus dem Depot geschmissen. Die Versuchung es gegen klassische Indexpapiere auszutauschen, wurde in den ersten Monaten nach der Emission jedenfalls permanent größer: Während der deutsche Leitindex vom Emissionszeitpunkt Anfang November 2006 bis Ende 2007 von rund 6200 Punkten auf über 8000 Zähler um rund 30 Prozent steigen konnte, legte das Zertifikat nur widerwillig zu und dümpelte um seinem Ausgabepreis.

Der Grund für das scheinbare Versagen: Den Basiswert des Strategiezertifikats bildet ein eigens berechneter Index, der entweder in den Dax investiert ist, oder in den Drei-Monats-Euribor.

Wann vom Aktien- in den Geldmarkt umgeschichtet wird und umgekehrt, bestimmt ein Indikator, der auf vier bekannten Einflussfaktoren der Aktienmärkte basiert: Zinsen, Wechselkurse, Inflation und Saisonalität.

Die Berechnung ist simpel: Einmal im Monat werden vier Fragen beantwortet: War die letzte Zinsentscheidung der EZB eine Senkung? Liegt die Inflationsrate im Euroraum unter dem Wert von vor 12 Monaten? Notiert der US-Dollar gegen den Euro höher als 12 Monate zuvor? Liegt aktuell der Zeitraum November bis April vor? Mindestens drei "Ja"-Antworten ergeben ein Kaufsignal für den Dax. Bei zwei positiven und zwei negativen Antworten behält das zuletzt generierte Signal seine Gültigkeit. Werden mindestens drei Fragen verneint, dann zeigt der Indikator ein Verkaufsignal.

Solch ein Verkaufsignal wurde Anfang Mai 2006 generiert und erst vor zwei Wochen durch ein Kaufsignal abgelöst. Daher war das Zertifikat bis vor Kurzem ausschließlich im Geldmarkt investiert - auch noch als der Dax im Zuge der Finanzkrise seit Anfang des Jahres regelrecht kollabiert ist (siehe Chart). Käufer des Papiers erlebten daher dank der Timingstrategie das Kursgemetzel an den Börsen quasi als Zuschauer hinter der Seitenlinie.

Bleibt abzuwarten, ob das Zertifikat nicht nur Verluste in Baissephasen zu dämpfen vermag, sondern auch die in einer Rückrechnung in Aussicht gestellte Durchschnittsrendite von 13,5 Prozent p.a. erreichen kann. Dann ist auch die jährliche Managementgebühr in Höhe von 1,5 Prozent akzeptabel.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur

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