Zertifikate
Der echte Gold-Glanz zählt

Der Goldpreis steigt und steigt – und trotzdem sind Goldzertifikate für echte Fans des Edelmetalls keine Alternative.
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Völlig aufgelöst mit einer Tasche voller Bargeld saß das Ehepaar aus Ulm vor Robert Hartmann. Die Schwaben, beide Anfang 50, wollten nur noch eines: Gold, in Barren und Münzen. "Eine Stunde habe ich gebraucht, um die Leute zu beruhigen", erzählt der Geschäftsführer des Münchner Edelmetallhändlers Pro Aurum. Das Ehepaar war fest davon überzeugt, dass morgen das Weltfinanzsystem zusammenbricht und sich ihr Vermögen in Luft auflöst. "Die hatten echte Panik", erinnert sich Hartmann. Als nehme Aldi von morgen an nur noch Krügerrand – soweit wird es sicher nicht kommen. Trotzdem: Gold in Form vom Barren und Münzen bietet Anlegern seit Jahrhunderten Schutz vor Kaufkraftverlusten ihrer Heimatwährung und vor Zahlungsausfällen von Schuldnern. Gold ist eine Versicherung gegen Inflation und gegen Deflation.

So sieht das eigentlich auch die Commerzbank: "Gold ist einer der wenigen Vermögenswerte, der an kein Zahlungsversprechen einer Regierung oder eines Unternehmens gebunden ist. Während etwa die Rückzahlung einer Anleihe von der Kreditwürdigkeit des Emittenten abhängt, stehen Gold keine Verbindlichkeiten gegenüber. Gold hat somit kein Kreditrisiko. Und im Gegensatz zu Geld lässt sich Gold nicht beliebig vermehren und in Umlauf bringen." Das Problem: Mit diesem Leitfaden zur Goldanlage wirbt die Frankfurter Großbank, die zu den weltweit führenden Edelmetallhändlern gehört, auch für Goldzertifikate. Das passt nicht zusammen.

Denn Zertifikate, ob nun Gold oder Weizen oder eine Aktie draufsteht, sind im Kern nichts anderes als ein verbriefter Kredit an den Emittenten. Der Tilgungskurs hängt an einem Index, bei einem Goldzertifikat am Preis für eine Unze Gold umgerechnet in Euro. Geht die Bank pleite, läuft also auch der Besitzer eines Goldzertifikats Gefahr, seinen kompletten Einsatz zu verlieren, sollte aus der Konkursmasse nichts mehr zu holen sein. Anders als Investmentfonds gehören Zertifikate nicht zum Sondervermögen. Somit fehlt Goldzertifikaten nicht nur optisch der Glanz, sondern auch ein elementarer Teil der Charakteristik einer Anlage in physischem Gold.

Dafür müssen Besitzer von Goldzertifikaten kein Gold teuer einlagern und gegen Diebstahl versichern. Doch reicht das, um Goldzertifikate den Vorzug gegenüber Barren oder Krügerrand zu geben? Gängige Bankschließfächer sind knapp, aber nicht teuer. Sie gibt es bereits für etwa 80 Euro im Jahr, versichert bis zu einem Wert von 5 000 Euro. Selbst im heimischen Tresor ließe sich das Gold ohne großes Risiko aufbewahren, vorausgesetzt die Hausratversicherung wird entsprechend nach oben angepasst. Auch das kostet nicht die Welt.

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