Zertifikate erleichtern den Einstieg
Investoren setzen auf Wandelanleihen

Experten reden sich die Köpfe heiß: Bieten derzeit Aktien oder eher Anleihen die besseren Renditechancen? So mancher Investor sucht die Wahrheit in der Mitte: Wandelanleihen erfreuen sich vor allem bei institutionellen Anlegern reger Nachfrage.

DÜSSELDORF. "Sie passen im Augenblick einfach gut ins Marktgeschehen", sagt Markus Bossard von der Schweizer Asset Management-Gesellschaft Emcore. Vorteil der Papiere: Sie verbinden die Sicherheit von Renten mit den Chancen von Aktien. Experten erwarten, dass auch auf Emittentenseite immer mehr Unternehmen von dem Instrument Gebrauch machen. Ermöglichen sie es doch, Kapital zu relativ günstigen Konditionen aufzunehmen.

Die Käufer von Wandelanleihen erhalten von den Emittenten der Papiere eine jährliche Zinszahlung, die unter den Niveau vergleichbarer konventioneller Anleihen liegt. Als Ausgleich für diesen Zinsnachteil sind die Papiere jedoch mit einem Wahlrecht ausgestattet. Am Ende der Laufzeit kann der Besitzer entscheiden, ob er sich den Nominalwert auszahlen lässt oder eine vorher fest definierten Zahl von Aktien beansprucht. Letztere Option ist natürlich dann interessant, wenn die Aktien zum Laufzeitende deutlich gestiegen sind. Das kann besonders im Augenblick sehr interessant sein: Im Falle einer Wende im Aktienmarkt kommt es vor allem in der ersten Phase des Aufschwunges zu beachtlichen Kursgewinnen, oft wird diese Phase jedoch durch zögerlichen oder verspäteten Wiedereinstieg verpasst. Die Käufer von Wandelanleihen hoffen, dieses Timing-Risko zu vermindern.

Beispiel: Die Wandelanleihe eines Unternehmens über einen Nominalwert von 100 Euro ist mit einem Kupon von zwei Prozent ausgestattet. Die Aktie des Unternehmens notiert bei Emission der Wandelanleihe bei 70 Euro. Sollte sie am Laufzeitende über 100 Euro gestiegen sein, wird der Investor wohl von seinem Recht Gebrauch machen und sich die Dividendenpapiere ins Depot buchen lassen, weil er ja dann neben dem Zinsertrag einen Gewinn verbucht. Fallen die Aktien jedoch, wird er davon Abstand nehmen und sich 100 Euro überweisen lassen.

Das Geschäft mit Wandelanleihen machen bisher institutionelle Investoren vor allem unter sich aus. Problem ist, dass der Markt nicht allzu liquide ist. Laut DZ-Bank kamen im vergangenem Jahr nur 37 europäische Neuemissionen auf den Markt. Natürlich spielt auch die Bonität des Emittenten eine wichtige Rolle. Denn was nützt ein hoher Kupon, wenn der Schuldner am Ende das Geld nicht zurückzahlen kann. Anlageexperte Bossard empfiehlt Investoren, vor allem auf Schuldner mir erstklassigem Rating zu setzen.

Neuerdings bieten Banken Zertifikate an, die den Einstieg in den Wandelanleihen-Markt vereinfachen. Diese Papiere möglichen es, das Investment auf mehrere Wandelanleihen zu verteilen. Wer beispielsweise das "Europa Focus Convertible"-Zertifikat von UBS Warburg erwirbt, investiert gleich in 50 verschiedene Werte, die alle sechs Monate an die augenblickliche Marktsituation angepasst werden. Die anderen Produkte am Markt sind etwas weniger breit diversifiziert. Auf der Kostenseite fallen jeweils Verwaltungsgebühren und die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs an.

Vermarktet werden die Produkte auch als Alternative zu Garantiezertifikaten. Diese bieten momentan bei einem vollständigen Kapitalschutz lediglich eine Partizipation von circa 30 Prozent am Aktienmarkt. Bei gleichem Risikoschutz erwartet die DZ Bank bei ihrem Produkt eine Rate von 60 bis 80 Prozent.

Quelle: Handelsblatt Nr. 059 vom 25.03.03, Seite 35

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