Zertifikate ermöglichen Risikostreuung
Anleger meiden Einstieg in China

Chinas boomende Wirtschaft erscheint auf den ersten Blick als ein Eldorado für Investoren: Wachstumsraten von durchschnittlich neun Prozent auf stabilem Niveau, steigende Unternehmensgewinne und hoher Konsum.

Diese Umstände müssten den Anlegern theoretisch das Geld aus den Taschen locken. Doch die Praxis sieht anders aus: "Alle Welt spricht über China, aber kein Mensch kauft sich dort ein", beschreiben Derivatespezialisten verschiedener Emissionshäuser die Lage an den Kapitalmärkten und gestehen damit eine Nachfrageflaute ein. Aktuell wird der Anteil, den Produkte mit chinesischen Basiswerten am gesamten Derivatehandel ausmachen, auf weniger als ein bis maximal fünf Prozent geschätzt.

Die Gründe für die Zurückhaltung der Anleger sind vielfältig: "Zum einen fehlt den Privatanlegern der Mut. China ist eben trotz aller Medienberichte noch weit weg", sagt Petra Becher, Zertifikate-Expertin bei der UBS in Frankfurt. Zum anderen haben die heimischen Kapitalmärkte in den vergangenen Monaten stark zugelegt. "Deutschland ist traditionell ein Home-Buyer-Markt", sagt Önder Çiftçi, Vertriebsleiter strukturierte Produkte bei der ABN Amro Bank in Frankfurt. Das bedeutet: Wenn sich die Börsen im eigenen Umfeld bewegen, bleiben die Anleger mit ihrem Geld lieber in Dax oder EuroStoxx 50 investiert und schauen nicht nach Fernost.

Hinzu kommt, dass der Boom an den chinesischen Kapitalmärkten schon gelaufen ist. Die für ausländische Investoren wichtigste Börse in Hong Kong startete 2003 zu einer starken Rallye: Der Index Hang Seng China Enterprise (HSCE) stieg in weniger als zwölf Monaten um rund 170 Prozent. Der Hang Seng Index legte um gut 60 Prozent zu. Davon profitierte auch der Derivatehandel. "2003 und 2004 hat es geradezu einen Run auf Finanzprodukte mit China-Bezug gegeben", sagt Çiftçi. Und die Investoren konnten gut verdienen. Dann gab es 2004 eine Korrektur: "Die Indizes sind jetzt nach eineinhalb Jahren wieder an dem Kursstand angelangt, wo sie 2003 waren", so Stefan Armbruster, Direktor in der Derivate-Abteilung der Deutschen Bank in Frankfurt.

"Im Augenblick ist aus Anlegersicht keine Euphorie mehr im Thema China", sagt Armbruster. Mit anderen Worten: Die Luft an den chinesischen Börsen ist raus. Die wirtschaftliche Situation ist gut, aber auch in China steigt das Wachstum nicht mehr in den Himmel und die Welt hat sich an Wachstumsraten von durchschnittlich neun Prozent offenbar längst gewöhnt. "Außerdem sind chinesische Aktien derzeit nicht besonders günstig bewertet", urteilt Armbruster. Die Fundamentaldaten müssten erst nachziehen. Deshalb sei es möglich, dass sich Chinas Kapitalmärkte noch eine Weile seitwärts bewegten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Chinas Börsen wid einiges an Potenzial zugetraut.

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