Zertifikate
Gebrauchte Policen im Portfolio

Investoren können mit Zertifikaten flexibel in den Zweitmarkt für Lebensversicherungen einsteigen. Dort waren bislang hauptsächlich größere Fondsgesellschaften aktiv. Doch mittlerweile ist der Markt auch für Privatanleger attraktiv.

DÜSSELDORF. Die Zahl der Deutschen, die aus ihrer Lebensversicherung vorzeitig aussteigen, wächst. Von den mehr als 95 Mio. Policen in Deutschland wird fast jede zweite vorzeitig gekündigt. Für die Versicherten ist die Kündigung ihrer Lebensversicherung aber oft ein schlechtes Geschäft. Bereits gezahlte Provisionen, Stornogebühren und verfallende Gewinnanteile drücken auf die Rendite außerplanmäßig gekündigter Versicherungsverträge.

Doch es gibt eine Alternative, die den finanziellen Verlust des Versicherten reduzieren kann und die Police in ein interessantes Anlageprodukt verwandelt: Die Versicherung wird verkauft. Die Käufer zahlen ihren Kunden meist deutlich mehr, als wenn diese ihren Vertrag beim Versicherer kündigen. Der gezahlte Preis liegt dann zwar über dem Rückkaufswert der Gesellschaft, aber immer noch unter dem Wert, der zum Laufzeitende fällig wird.

In diesem Zweitmarkt waren bislang hauptsächlich größere Fondsgesellschaften aktiv, die Versicherungspolicen im großen Stil aufkaufen und an Anleger bevorzugt in Form geschlossener Fonds weiterverkaufen. Mittlerweile können aber auch Privatanleger mit Zertifikaten in den Markt einsteigen. So brachte bereits im April 2007 die HSC Hanseatische Sachwert Concept GmBH mit der Dresdner Bank als Emittentin das erste Zertifikat dieser Art auf den deutschen Markt (WKN: DR2WAT). Das Papier wurde zu 1 000 Euro plus 4,5 Prozent Ausgabeaufschlag emittiert und weist eine jährliche Managementgebühr von 0,35 Prozent auf. Anleger partizipieren an der Entwicklung des HSC Optivita Europe LV Index. Er setzt sich aus einem Portfolio deutscher und britischer Lebensversicherungen zusammen. Für das ausverkaufte und nicht sekundärmarktgehandelte Produkt stellt die Dresdner Bank inzwischen nur Geldkurse. Aktueller Rückkaufpreis: 913 Euro.

Anleger, die trotz des bisher knapp neunprozentigen Kursrückgangs des Zertifikats Second-Hand-Policen als langfristig interessante Depotbeimischung ansehen, können auf eine Neuemission setzen (WKN: HSH2R9). Federführend bei der Produktgestaltung ist erneut HSC. Emittiert wird die neue Tranche diesmal über die HSH Nordbank. Der Ausgabepreis pro Anteilsschein beträgt 1 000 Euro plus fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Auch bei dieser Emission tragen Anleger ein Wechselkursrisiko. Es entsteht durch den rund 50-prozentigen Anteil britischer Lebensversicherungen.

Chancenorientierten Anlegern bietet die Finanzkrise derzeit interessante Einstiegschancen in diesen Nischenmarkt. Denn das Umfeld für die bislang wachstumsverwöhnten Aufkäufer von gebrauchten Lebensversicherungen, in diesem Fall die Zwischenhändler, wird deutlich rauer. Zwar ist das Angebot an Gebrauchtpolicen immer noch hoch, allerdings wird die Platzierung dieser Verträge in Fondsportfolios schwieriger, bestätigt der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen. Damit könnten die bereits gestiegenen Liquiditäts- und Risikoprämien, die letztendlich an die Anleger fließen, zukünftig weiter anziehen.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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