Zertifikate-Handel
Die Bank verdient immer

Einer gewinnt, einer verliert im Handel mit Zertifikaten. Und die Bank verdient immer. Wer eine Order zum Kauf von Zertifikaten gibt, setzt eine ganze Maschinerie in Gang.
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Hausbank oder Online-Broker, Börse oder Direkthandel, Emissionsbank und Absicherungspartner. Alle geraten in Bewegung, alle wollen im Geschäft mit Zertifikaten ihren Schnitt machen. Durch die Gebührenvorschriften der EU (Mifid) dreht sich die Diskussion derzeit um Provisionen und Margen. Dabei sind die eigentlichen Beträge, um die es im Geschäft mit Zertifikaten geht, um ein Vielfaches größer. Wer finanziert schließlich den Gewinn, wenn ein Zertifikat um 50 oder 100 Prozent zulegt? Wer reibt sich die Hände, wenn Anleger mit Zertifikaten bittere Verluste einfahren?

Das Grundschema der Transaktionen ist einfach. Es gilt für gängige Indexpapiere genauso wie – in ausgebauter Form – für ausgefuchste Konstruktionen. Im Spiel sind dabei mindestens drei Marktteilnehmer: ein Optimist, ein Pessimist und dazwischen die Zertifikatebank. Die Grafik „Transaktionen im Zertifikate-Handel“ zeigt die Bewegungen des Geldes und der Finanzinstrumente.

Ein Optimist kauft ein Zertifikat auf den Aktienindex Dax. Sein Geld fließt über Hausbank oder Online-Broker zum Emittenten des Zertifikats. Im Gegenzug bekommt der Anleger die entsprechenden Papiere ins Depot. Die Emissionsbank baut nun einen sogenannten Hedge auf. Sie geht ein Gegengeschäft ein, damit sie im Fall eines Dax-Anstiegs den höheren Wert der Zertifikate finanzieren kann. Bei einem Dax-Zertifikat wird dieser Hedge in der Regel über ein Gegengeschäft an der Terminbörse Eurex gemacht. Die Emissionsbank kauft Dax-Futures, ein Instrument, mit dem Profis auf die Schwankungen der Aktienkurse setzen.

Mit dem Hedge ist die Bank aus dem Schneider. Wenn die Kurse steigen, zieht auch der Future an. Über den gestiegenen Future deckt die Bank den höheren Wert des Zertifikats. Das funktioniert auch umgekehrt: Sinkt der Dax, sinkt auch der Future – und dann fließt nur der niedrigere Wert des Futures an den Zertifikatebesitzer zurück. Ohne sich zu kennen, sind die eigentlichen Gegenpole in diesem Geschäft der Zertifikatekäufer auf der einen Seite und der Verkäufer des Futures auf der anderen. Beide schätzen die Börse unterschiedlich ein. Wer recht hat, macht Gewinn; wer falsch liegt, muss bezahlen.

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