Zertifikate
Kaltblüter fürs Depot

Nach den bösen Börsen-Erfahrungen Anfang dieses Jahres suchen Anleger mehr Sicherheit. Mit Garantie-Zertifikaten sind sie vor Verlusten geschützt. Ein bisschen wenigstens. Künftig kann das Angebot dieser Produkte noch größer werden.

Aktien sind auf lange Sicht betrachtet die renditestärkste Anlageklasse. Hätte es 1948 bereits ein Dax Index-Zertifikat gegeben, wäre dieses Zertifikat heute tausend Mal mehr wert als damals. Wer vor 60 Jahren 1 955,83 D-Mark (umgerechnet 1 000 Euro) in dieses Zertifikat investiert hätte, wäre heute Millionär. Durchschnittlich 12,21 Prozent Rendite brachten deutsche Dividendentitel seit 1948. Das lässt sich kaum toppen. Aktien gehören deshalb in jedes Depot.

Es gibt allerdings zwei Ärgernisse in der Rechnung. Erstens: Wer will schon 60 Jahrewarten, bis er Millionär ist? Zweitens: Der Durchschnittswert ist nur ein Durchschnittswert. Es gibt eben auch schlechte Börsenzeiten. Und in diesen machen Anleger oft schmerzliche Erfahrungen wie beispielsweise der große Crash 1929, die beiden Asienkrisen in den neunziger Jahren, das Platzen der New Economy Anfang dieses Jahrtausends und die Kreditkrise der vergangenen Monate, die sich - so fürchten viele Investoren - zu einer großen Börsenkrise ausweiten könnte.

Auf solche Erfahrungen möchten Anleger in Zukunft natürlich gerne verzichten. "Verdienen, wenn es brummt, aber auf der sicheren Seite sein, wenn es kracht - davon träumen Investoren. Deshalb gehören Garantiezertifikate zu den Lieblingen deutscher Anleger", sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Der Verkauf von Finanzderivaten mit Sicherheitsmechanismus boomt. Angaben des DDV zufolge sind derzeit 34,3 Prozent des Anlagevolumens, das deutsche Investoren in Zertifikate gesteckt haben, in Garantiezertifikaten angelegt.

Kein Wunder: Diese Papiere versprechen verlustfreies Investieren bei voller Performance - auf den ersten Blick. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass Sicherheit natürlich nicht kostenfrei zu haben ist. Es gibt verschiedene Arten von Garantiezertifikaten. Manche garantieren einfach die Rückzahlung des Emissionspreises, manche knüpfen die Rückzahlungshöhe an Bedingungen, und wiederum andere passen die Rückzahlungshöhe nach und nach an.

Beliebt bei Anlegern sind vor allem die klassischen Garantie- Zertifikate. Sie locken mit zuckersüßen Renditeversprechen: Voller Gewinn, wenn alles gut geht. Und wenn es nicht so läuft, gibt es am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Konkretes Beispiel: Ein Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 wird zum Preis von 100 Euro ausgegeben. Die Laufzeit beträgt beispielsweise fünf Jahre. Am Ende der Laufzeit wird abgerechnet. Ist der Index gestiegen, dann gewinnt auch der Zertifikate-Inhaber.

Der Gewinn ist dann genau so hoch, als ob der Inhaber ein Indexzertifikat gekauft hätte. Notiert der Index am Laufzeitende niedriger als zu Beginn, dann gibt es 100 Euro pro Zertifikat zurück. Das Verlustrisiko ist also ausgeschlossen - auf den ersten Blick jedenfalls scheint es so. Doch ein Ruhekissen für schlechte Börsenzeiten sind die Garantie-Papiere nicht. Denn bei fallenden Kursen gibt es auch keinen Gewinn. Im schlimmsten Fall verhindern die Zertifikate zwar einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals, die ausschließliche Rückzahlung des Anfangskapitals tut aber im Vergleich zu einer Sparbuch- Anlage immer noch genügend weh: Denn schmiert die Börse ab, bleibt der Anleger auf den Kaufkosten sitzen. Das sind meistens etwa ein Prozent Spread plus Börsen- oder Direkthandelsgebühren. Dazu kommt der Inflationsverlust. Halten Anleger das Zertifikat fünf Jahre lang und haben im letzten Jahr das Pech, dass die Kurse unter den Emissionspreis fallen, rentiert das Papier gegenüber einer Festgeldanlage um bis zu 25 Prozent schlechter.

Auch bei stark steigenden Kursen sind Garantiezertifikate nicht die optimale Lösung. Brummt die Börse, dann sehen Anleger den Gewinnen hinterher. Denn die volle Performance entfalten Garantiezertifikate erst am Laufzeitende. Hintergrund: Um das Garantie-Versprechen halten zu können, investieren die Emittenten den Großteil des Kapitals in so genannten Zero-Bonds, ein kleiner Teil wird in Optionen angelegt. Zero-Bonds sind Zinspapiere, die keine Erträge ausschütten. Stattdessen werden sie zu einem Preis unter 100 Prozent ihres Nennwertes emittiert und gewinnen im Laufe der Zeit an Wert. Die Rückzahlung erfolgt am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent. Beispiel: Ein Zero-Bond kostet 85 Euro, läuft fünf Jahre und wird dann für 100 Euro zurückgezahlt. Die 15 Euro Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufszeitpunkt sind als Gewinn für den Bond garantiert.

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