Zertifikate
Kontrollierte Defensive

Die Märkte steigen und die Anleger werden immer risikobereiter – obwohl sie aufgrund der Erfahrungen aus der Baisse der vergangenen Jahre und einiger aktueller Warnsignale eher das Gegenteil tun sollten. Experten empfehlen eine breite Streuung des Depots und den Kauf von Zertifikaten mit defensiver Struktur.

Knapp 24 Prozent hat der EuroStoxx in den vergangenen 52 Wochen zugelegt, der Dax sogar fast 34 Prozent. Und mit steigenden Kursen folgen Investoren offenbar einem Herdentrieb: „Anleger setzen beim Kauf von Zertifikaten fast ausschließlich auf steigende Kurse, obwohl viele Produkte einiges mehr bieten“, sagt Michael Lindner, Derivateexperte bei der BHF-BANK. Beispielsweise würden sich nach seiner Aussage Anleger seit letztem Jahr verstärkt Outperformance-Zertifikate ins Depot legen. Bei diesen Produkten wird durch einen Dividenden-Verzicht ab einem bestimmten Level der Gewinn gehebelt, je nach Kaufkurs der Zertifikate ist der mögliche Verlust praktisch identisch mit den Rückgang des Basiswertes. Lindner setzt in dem aktuellen Marktumfeld verstärkt auf Bonus-Zertifikate mit attraktiven Sicherheitspuffern.

Was Vermögensverwalter an konservativen Zertifikaten empfehlen

Ein Blick in der Statistik der beiden Derivate-Verbände (Derivate-Forum und Derivate-Institut) der Banken offenbart Lust am höheren Risiko. Nicht nur der Markt wächst insgesamt, sondern die riskoreicheren Hebelprodukte wie Knock-Outs oder Optionsscheine werden gegenüber den Anlageprodukten wie beispielsweise Index-, Bonus oder Discount-Zertifikaten deutlich stärker gefragt. So nach Angaben des Deutschen Derivate Instituts (DDI) der Umsatz der Hebelinstrumente um 50 Prozent gestiegen. Damit konnten sie den Marktanteil (jetzt 44 Prozent) gegenüber den Anlagezertifikaten (56 Prozent) steigern. „Optimistische Anleger gehen offenbar von einem weiteren Anstieg des Aktienmarktes aus“, lautet die DDI-Begründung. Die Gruppe der Beteiligten wird auch genannt: Nach Angaben der Banken waren es vor allem Privatanleger, die sich im Januar 2006 am Derivate-Markt engagierten.

Angesichts der steigenden Risikobereitschaft vor allem seitens der Privaten empfiehlt Petra Becher von UBS, eine ausgewogene Struktur im Portfolio nicht aus den Augen zu verlieren. „Anleger sollten niemals zu einseitig auf einen Wert setzen“, sagt die Derivateexpertin der Schweizer Großbank. Nach ihrer Erfahrung würden derzeit vielfach die Werte bevorzugt, deren Kurse bereits stark gestiegen sind - beispielsweise Öl oder Solarwerte. Dabei ist mit dem rasanten Anstieg dieser Werte die Volatilität gestiegen - und damit auch das Maß für die Unsicherheit im Markt. Die Schwankungsbreite ergibt sich rechnerisch aus den Preisen von Optionen. Erwarten Marktteilnehmer stärkere Schwankungen, dann verlangen die Verkäufer von Optionen höhere Prämien von den Käufern.

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