Zertifikate
Krise führt zu Trendwechsel bei Bric-Staaten

Hohe Kursgewinne an den Aktienmärkten in den sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China haben das Interesse der Anleger an diesen Zertifikaten wieder geweckt. Doch viele Emittenten bleiben noch beim bewährten Rezept.
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DÜSSELDORF. Kennzeichen der Brics waren eine hohe Wachstumsdynamik und die langfristige Ablösung der Industriestaaten auf den Spitzenplätzen. Das trifft für Russland nach Einschätzung vieler Volkswirte nicht mehr zu. Einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von sieben Prozent muss das osteuropäische Land in diesem Jahr laut Schätzung der Economist Intelligence Unit (EIU) hinnehmen. Für das Jahr 2010 liegt die EIU-Prognose bei einem Plus von lediglich 2,5 Prozent.

Optimistischer Ausblick

Andere Staaten wie etwa Südkorea oder Indonesien überholen Russland in puncto Wachstum. Dieser Trend könnte Bric zu "Biic" oder "Bick" mutieren lassen. Jochen Fischer, Leiter Investmentstrategie Derivate bei Goldman Sachs, wehrt sich jedoch gegen eine Verwässerung der Bric-Strategie: "Indonesien ist zwar nicht uninteressant, dennoch sieht unser Chefvolkswirt Jim O'Neill keine Veranlassung, die volkswirtschaftliche und strategische Ausrichtung von Bric zu ändern." Sein Haus hat im Jahr 2001 erstmals eine Studie zu den Zukunftsaussichten der vier Länder veröffentlicht.

Für das nächste Jahr liegen die BIP-Prognosen von Goldman Sachs für die Bric-Staaten über denen der EIU-Schätzungen. Demnach sollte das russische Bruttoinlandsprodukt um 4,5 Prozent wachsen. "Russland wurde in diesem Jahr von der Wirtschaftskrise stark getroffen. Das hohe Wachstum in 2010 liegt deshalb teilweise am Basiseffekt", erläutert Fischer. Das BIP in China sollte um 11,9 Prozent, in Indien um 7,8 Prozent und in Brasilien um 4,8 Prozent wachsen. Gerade Brasilien enttäuschte in den vergangenen Jahren die Volkswirte, nun sind die Schätzungen optimistischer. Insgesamt kommt Goldman Sachs für alle vier Staaten auf ein Wirtschaftswachstum von 8,9 Prozent. Die USA hinken mit 2,1 Prozent, Japan mit 1,4 Prozent und Euroland mit 1,2 Prozent deutlich hinterher.

Dennoch lohnt sich ein Blick auf die beiden asiatischen Staaten, die Russland ersetzen könnten, meint Wolfgang Albrecht, Finanzanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): "Südkorea gehört nicht mehr zu den Emerging Markets, sondern hat sich inzwischen zur Industrienation entwickelt." Nach Meinung der LBBW besitzt das Land exzellente Wettbewerbspositionen im Schiffsbau, bei Halbleitern, in der Elektronik und in der Autoindustrie. Das macht das Land allerdings exportabhängig. Indonesien, Südostasiens größte Volkswirtschaft, setzt hingegen eher auf die Binnenwirtschaft. Mit über 220 Mio. Konsumenten besitzt die indonesische Wirtschaft eine stabile Basis. Darüber hinaus profitiert das Land von steigenden Rohstoffpreisen, so Albrecht.

Für das kommende Jahr kann das, gemessen an der Bevölkerung, viertgrößte Land der Welt mit einem Plus beim BIP von 4,5 Prozent rechnen, so die EIU-Schätzung. Der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini sieht deshalb in Indonesien einen guten Ersatz für Russland, das auch weiterhin mit politischen Missständen, verschuldeten Banken und seiner extrem starken Abhängigkeit vom Öl- und Gaspreis zu kämpfen hat.

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