Zertifikate
Lehman-Opfer hoffen auf Entschädigung

Einzelne Besitzer von wertlos gewordenen Lehman-Zertifikaten erhalten eine Entschädigung. Einige Volksbanken und die Frankfurter Sparkasse wollen aus Kulanz zahlen. Im Vergleich zu großen institutionellen Investoren sind Privatanleger aber schlechter dran.

HB FRANKFURT. Die Abwicklung der Lehman-Pleite geht weiterhin ungleich voran. Während bei den geschädigten Privatleuten nur sehr wenige auf einen partiellen Ausgleich der erlittenen Verluste hoffen dürfen, haben große institutionelle Anleger ihr bei der deutschen Lehman-Tochter untergebrachtes Geld bereits zu großen Teilen zurückerhalten. Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) wie auch einzelne Volks- und Raiffeisenbanken haben nach dem Vorbild der Hamburger Sparkasse damit begonnen, einzelnen Lehman-Opfern Entschädigungen für ihre wertlosen Zertifikate zu zahlen.

In wenigen "Härtefällen" sei das Institut bereit, sich an dem Schaden zu beteiligen, bestätigte am Dienstag ein Fraspa-Sprecher einen Bericht der "Frankfurter Rundschau". Die Teilentschädigung werde aus Kulanz gezahlt, ohne eine Rechtspflicht anzuerkennen. Laut "FR" beharrt die Sparkasse auch in den Entschädigungsfällen darauf, keine Beratungsfehler begangen zu haben. Eine endgültige Auswertung der rund 5 000 Frankfurter Fälle soll dem Sparkassensprecher zufolge Ende April vorliegen.

Die Fraspa folgt mit ihrem Vorgehen der Hamburger Sparkasse, die ebenfalls zu den großen Verbreitern von mittlerweile wertlosen Zertifikaten der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers gehörte. Sie hat nach eigenen Angaben rund 1 000 Kunden entschädigt und in etwa 250 Fällen Beratungsfehler eingeräumt. Auch einzelne Volks- und Raiffeisenbanken hätten mit der Entschädigung einzelner Kunden begonnen, erklärte ein Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken am Dienstag in Berlin.

Bei der ersten Gläubigerversammlung der deutschen Tochter der im September vergangenen Jahres untergegangenen US-Investmentbank in Frankfurt berichtete der Insolvenzverwalter von Forderungen in Höhe von 38,2 Mrd. Euro. Bereits gesichert seien Bankguthaben von 1,8 Mrd. Euro. Dazu gebe es Wertpapiere und Forderungen noch unbekannten Wertes, die in die Insolvenzmasse einfließen sollen. Er gehe von einer Quote oberhalb von zehn Prozent aus, erklärte der Insolvenzverwalter am Dienstag in einer Mitteilung.

Größter unter den 457 Gläubigern der Lehman Brothers Bankhaus AG dürfte der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken sein. Auf ihn sind nach Darstellung eines Verbandssprechers die Forderungen der ursprünglichen und mittlerweile zum großen Teil entschädigten institutionellen Lehman-Anleger übergegangen. Zum Stand der Auszahlungen an Investoren wie beispielsweise der Deutschen Rentenversicherung oder der Stadt Frankfurt machte der Bankenverband keine Angaben. Die Anleger konnten sich ihre Schäden bis zu einer jeweiligen Obergrenze von 285,1 Mio. Euro ausgleichen lassen.

Inhaber von Zertifikaten der niederländischen Lehman-Tochter gehen bei dem Insolvenzverfahren über die deutsche Gesellschaft hingegen leer aus. Die wenigen Inhaber von Zertifikaten der deutschen Tochter sind in der Gläubigerversammlung vertreten.

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