Zertifikate-Markt
Problem 3: Die Finanzkrise und die Frage der Bonität

Das Geschäft mit Zertifikaten stand bisher unter einem guten Stern. Doch das könnte sich ändern.

"Der breite Markt hat eigentlich noch keine nachhaltig negativen Erfahrungen gemacht, etwa mit einem mehrjährigen Abschwung", warnt Michael Hinz, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG aus Wuppertal. Noch ist der Ernstfall nicht eingetreten. Doch alle großen Finanzadressen von der Citigroup bis Merrill Lynch, von HSBC bis zur Deutschen Bank, die im Zuge der akuten Finanzkrise Abschreibungen in vielfacher Milliardenhöhe vornehmen werden, sind auch dick im Geschäft mit Zertifikaten.

Mehr denn je stellt sich die Frage der Bonität: Sind die Banken, die Zertifikate auf den Markt werfen, auch in der Lage, diese Papiere in gleichem Volumen wieder zurückzukaufen. Als Inhaberschuldverschreibung hängen Zertifikate – genau wie Anleihen – von der Kreditfähigkeit des Emittenten ab. Geht die ausgebende Bank pleite, fällt der Einsatz in die Konkursmasse, und die Gefahr ist groß, dass Zertifikatebesitzer ihr Geld verlieren.

Profis jedenfalls sind im Umgang mit Zertifikaten besonders vorsichtig. "Bei jedem Papier, das wir kaufen, achten wir auf Bonität, Rating und Liquidität", sagt Vermögensverwalter Hinz. Immerhin, für die größten Emittenten sind die Bonitätsnoten auf den Internet-Seiten der Branchenverbände Deutsches Derivate Institut und Derivate Forum nun zu finden. Emittenten wie etwa die UBS geben auf ihren Web-Seiten reichlich Infos zum Thema Bonität. Noch vor wenigen Monaten, als die Wirtschaftswoche die Ratingnoten von fast 30 Emittenten untersuchte, kam es vor, dass selbst gestandene Abteilungsleiter in den Banken über das eigene Emittentenrating nicht genau Bescheid wussten.

Im Zuge der Bonitätsdiskussion setzt die Branche nun auch verstärkt auf eine andere Verpackung: Statt Zertifikate als Inhaberschuldverschreibung aufzubauen, werden die Papiere einfach in einen Fonds gesteckt. Fonds stellen dann ein sogenanntes Sondervermögen dar. Bei einer Pleite fallen die in einem Fonds enthaltenen Wertpapiere nicht in die Konkursmasse, sie sind also geschützt. "Die Strukturen eines Zertifikats in der Form eines Fonds - das wird ein großer Trend", verspricht Jürgen Bulling, Zertifikate-Chef von Merrill Lynch. Was die neuen Zertifikate-Fonds versprechen und was sie können, ausführlich im Artikel „Zertifikate aus dem Baumarkt“.

Nach aktuellem Stand sieht es so aus, dass Publikumsfonds, die vor dem 31. Dezember 2008 gekauft werden, den alten Regeln unterworfen sind. Damit konservieren sie steuerfreie Gewinne auf Dauer.

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