Zertifikate
Neue Offenheit auf dem Zertifikatemarkt

Intransparent, gefährlich, Teufelszeug. Zertifikate sind in den Medien heftig in die Kritik geraten. Jetzt steuert die Branche mit einer Transparenz-Initiative und neuen Kriterien für die Bewertung von Zertifikaten dagegen.
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DÜSSEDLORF. Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ist die Zertifikate-Welt nicht mehr das, was sie einmal war. Durch den Konkurs lösten sich Millionen von Euro, die Anleger in Lehman-Zertifikaten angelegt hatten, in Luft auf. In den TV-Talkshows machten unschuldig verarmte "Lehman-Omas" die Runde.

Teilweise hatte man den Eindruck, als ob Zertifikate die Finanzkrise ausgelöst hätten. "Marketingtechnisch war das der Super-Gau für die Branche", sagt ein Insider. Bei dieser Gelegenheit sei allerdings auch offenbar geworden, wie groß das Unwissen über Zertifikate ist. Selbst gestandene Börsenexperten mussten bei dem Thema passen oder gaben hanebüchene Kommentare ab.



Kein Wunder: Kaum jemand durchschaut noch die virtuelle Welt der Wertpapierderivate. Da ist zum einen die gigantische Anzahl an Produkten. Das Zertifikate-Universum umfasst rund 375 000 Papiere 60 verschiedener Zertifikatetypen mit einer fast unüberschaubaren Zahl an verschiedenen Ausstattungen.

Die gut 35 Emissionsbanken bieten Papiere zu mehr als zweitausend Basiswerten an - darunter zunehmend auch Index-Eigenentwicklungen, die sich aufgrund der jeweils einzigartigen Konzeption nur sehr schwer mit Konkurrenzprodukten vergleichen lassen. Dazu kommen täglich Hunderte neuer Turbo-Zertifikate, Mini Futures und ähnliche Produkte mit Hebelwirkung. Allein im September wurden an den Börsen 46 446 neue Produkte notiert.

Aber es ist nicht nur die reine Masse an Zertifikaten, die den Durchblick erschwert. Es geht auch um Wesentlicheres. "Die Emittenten müssen zum Teil selbst erst einmal klären, was sie da tun, bevor sie es Anlegern erklären können", sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). So sei noch nicht einmal der Begriff Zertifikat von allen Anbietern eindeutig definiert. Vorsichtig formuliert: "Es hapert derzeit noch ein wenig an Transparenz", so Brandau.

Doch das soll sich nun ändern. Der Verband hat im Oktober eine Transparenz-Initiative gestartet und veröffentlicht auf seinen Internetseiten Zahlen, die Anlegern bisher gar nicht oder nur schwer zugänglich waren.

So können Anleger nun beispielsweise nachsehen, wie effektiv Emittenten An- und Verkaufs-Kurse zu ihren Produkten stellen und wie schnell Orders ausgeführt werden. Auch die sogenannten Credit-Spreads werden gezeigt: Das sind quasi die Risikoprämien, die Banken zusätzlich zu den sonst üblichen Konditionen an Zins zahlen müssen, wenn sie sich von einer anderen Bank Geld leihen wollen.

Je höher der Credit Spread, desto niedriger wird die Bonität der Bank von den anderen Marktteilnehmern eingeschätzt - und umgekehrt. "So erthalten Anleger zum ersten Mal einen einfachen und zeitnahen Überblick über die vom Markt gefühlte Bonität einer Bank", erklärt Gregoire Toublanc von der französischen BNP Paribas.

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