Zertifikate
Renaissance des Betongolds

Anleger haben das Thema Immobilie wiederentdeckt. Zertifikate bieten in diesem Bereich mittlerweile mehr Möglichkeiten als Fonds.

DÜSSELDORF. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres flossen 1,2 Milliarden Euro in Immobilienportfolios, so viel wie in keine andere Anlageform. Die Fondsgesellschaften in Deutschland verwalten 76 Milliarden Euro mit ihren offenen Immobilienfonds. Das ist ungefähr so viel wie derzeit in Geldmarktfonds geparkt ist. Dabei bieten die Immobilienfonds nur unwesentlich mehr Rendite, teilweise sogar nicht einmal das. Papiere wie der Axa Immoselect mit über fünf Prozent Rendite in den zurückliegenden zwölf Monaten sind die Ausnahme. Die meisten Fonds erwirtschafteten in dieser Zeit zwischen null und vier Prozent.

Anleger, die beispielsweise den Credit Suisse WV Immofonds oder den Swiss Re ImmoPLUS im Depot haben, verbuchen auf Jahressicht mit ihren Papieren sogar Negativrenditen. Und für Fonds, die in Europa oder den USA investieren, dürfte sich das auch mittelfristig nicht ändern. Der US-Immobilienmarkt ist bereits eingebrochen. Laut einer Studie der Deutschen Bank werden Immobilieninvestition in Großbritannien, Frankreich, in den Niederlanden, Irland, Schweden und Spanien derzeit als „riskant“ eingestuft. Diese Märkte gelten als überhitzt.

Im Januar fiel der von Global Property Research (GPR) berechnete GPR 250 Europe Index der 250 größten europäischen Immobilienunternehmen um 1,2 Prozent. Britische Immobilienaktien verloren im Januar im Schnitt sogar 6,6 Prozent an Wert. Haben Immobilien also als renditeträchtige Anlageform ausgedient? Keineswegs! Anlegern, die in Immobilien investieren wollen, bietet der Markt weltweit immer noch Chancen, die sich insbesondere mit Zertifikaten leicht nutzen lassen.

Die europäische Ausnahme: Deutschland

Ein Lichtblick im europäischen Hochhausdschungel ist Deutschland. Dank moderater Einkommens-Zuwächse, sinkender Zinsen und stabiler Hauspreise sind laut Deutsche Bank-Studie insbesondere Wohnimmobilien heute wesentlich erschwinglicher als zu jedem anderen Zeitpunkt der letzten 20 Jahre. Auch der Büroimmobilienmarkt bietet noch Perspektiven. Die geplante Einführung der Anlageklasse REIT (Real Estate Investment Trust) sorgt zudem für frischen Wind in der Branche.

REITs sind börsennotierte Kapitalgesellschaften, die ihre Einnahmen vorrangig aus Immobilien erzielen. REITs schütten den Großteil ihrer Gewinne an ihre Anteilseigner aus. Daraus resultiert ihr besonderer Vorteil: Die Gesellschaften müssen selbst keine Steuern zahlen. Nur die Investoren versteuern die Ausschüttungen mit ihrem individuellen Einkommensteuersatz. In Deutschland gibt es noch keine REITs. Allerdings sind in den vergangenen Jahren etliche Immobiliengesellschaften an die Börse gegangen, die der REITs-Idee schon recht nahe kommen. Derzeit notieren 20 deutsche Immobilien AGs an der Börse, 18 davon hat die Bank ABN Amro in einem Index zusammengefasst und im April vergangenen Jahres als Zertifikat verbrieft. Zumindest der Auftakt Das GPR/ABN Deutschland Immobilien Open End Zertifikats (WKN: ABN42C) sieht viel versprechend aus: Seit der Emission hat das Papier 17,5 Prozent an Wert gewonnen.

Das neue Wirtschaftswunderland: China

Überhaupt tut sich insbesondere ABN Amro seit einiger Zeit als fleißiger Emittent für Immobilienzertifikate hervor. Jüngstes Beispiel dafür ist das China Immobilien Zertifikat (WKN: AA0EK7), das seit Anfang Februar im Markt ist. Das Papier bildet die Wertentwicklung des GPR China Property TR Index ab, der die Kursentwicklung von 20 chinesischen Immobilienunternehmen widerspiegelt. Dividenden werden dabei voll berücksichtigt.

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Die Unternehmen im Index sind nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, wobei der Anteil eines jeden Unternehmens auf maximal 15 Prozent begrenzt wird. Fundamental sprechen tatsächlich einige Gründe für eine Investition in den chinesischen Immobilienmarkt: Die chinesische Regierung fördert die Verstädterung. Bis zum Jahr 2010 könnten laut einer Schätzung des Wall Street Journal aus dem Oktober 2006 bis zu 300 Millionen Menschen in die chinesischen Ballungszonen strömen. Eine Studie der UN Population Division hat errechnet, dass dabei die Haushaltsgrößen in China sinken werden – von derzeit vier auf durchschnittlich 3,2 Personen je Haushalt. In den kommenden drei Jahren werden zudem die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2008 und die Expo 2010 den Bausektor beflügeln.

Das klingt nach klingenden Immobilienmünzen. Kritiker der Entwicklung sehen allerdings auch die Kehrseiten des Booms: Private Käufer kommen in den Ballungszentren kaum noch zum Zug. Der Markt werde bereits von spekulativem Kapital beherrscht, konstatierte das Institute of International Finance in Washington kürzlich in einem Studienbericht. Die Folgen werden am Beispiel Shanghai deutlich: In der Metropole kostet ein Quadratmeter Wohnfläche mittlerweile drei Monatsgehälter. Eine Familie muss demnach 20 Jahresgehälter hinblättern, um eine 80 Quadratmeter große Wohnung zu kaufen.



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