Zertifikate
Risikoreiche Rendite-Jagd

Auf dem Börsenglobus verschwinden die weißen Flecken. Anleger können in immer exotischere Märkte vordringen. Asien hat hier noch viel zu bieten – doch es gibt Risiken.

In den vergangenen Jahren haben China, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften Asiens mit ihrem enormen Wirtschaftswachstum die Konjunktur rund um den Globus angekurbelt. Asien wird nach Schätzungen der OECD im Jahr 2007 mehr als 50 Prozent zum Weltwirtschaftswachstum beitragen. In 20 Jahren wird die chinesische Volkswirtschaft voraussichtlich die der USA übertreffen. Industrienationen wie Italien, Frankreich, Deutschland und Japan werden von Indien auf die Plätze verwiesen. Doch es sind eben nicht nur Indien und China, die den Zug ziehen.

Die so genannten Tigerstaaten Südkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur behaupten seit Jahren ihre Stellung in ihren jeweiligen Nischen. Singapur glänzt als Finanzstandort, Firmen aus Südkorea und Taiwan dominieren zusammen mit japanischen Firmen den Markt für Unterhaltungs-High-End-Produkte, und Hongkong ist unangefochten weltweit größter Umschlagplatz für Waren. Wirtschaft und Börse glänzen in diesen Ländern seit Jahren mit enormen Wachstumsraten.

Scheinbar sind sich alle Experten einig: Die Zukunft liegt in Asien. Internationale Fondsgesellschaften spülen deshalb immer neues, frisches Kapital in die Region. Es ist eine Art selbst erfüllende Prophezeiung. Und davon wollen auch diverse Nachrücker profitieren: Aus der dritten Reihe preschen jetzt weitere Staaten nach vorne und locken Anlegergelder ins Land. In Anspielung auf die Tiger-Staaten werden nun Indonesien, die Philippinen, Vietnam, Malaysia und Thailand unter dem Begriff „Panther“-Staaten als die kommende große Börsen-Story gehandelt.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 05/2007 des Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Hier bestellen: www.handelsblatt.com/newsletter

Und Jim O´Neill, Chef-Analyst von Goldman Sachs und „Erfinder“ des BRIC-Themas (Brasilien, Russland, Indien und China), hat vor eineinhalb Jahren schon die „Next 11“ entdeckt: Das sind Länder, denen er einen ähnlichen Wirtschaftsaufschwung zutraut wie den BRIC-Staaten. Dazu zählen Vietnam, Iran, Bangladesh, Pakistan, Indonesien, Ägypten, Philippinen, Türkei, Südkorea, Mexiko und Nigeria.

Das Problem für private Anleger war und ist bisher, dass die Aktienmärkte zum Teil sehr eng sind. „In Vietnam beispielsweise ist der Markt für Investoren nur sehr eingeschränkt zugänglich“, erklärt Dirk Hess von Goldman Sachs. „Fonds werden zum Teil mit Strafzöllen belegt. Und eine Gesellschaft, die keine Niederlassung in Vietnam hat, kann dort gar nicht handeln“, so Hess. Auch viele andere Märkte sind noch nicht wirklich reif. So werden Anleger vermutlich noch lange auf Iran oder Bangladesch-Zertifikate warten müssen. „Die Next-11-Märkte sind zwar wirklich aussichtsreich“, schwärmt auch Hess. Die zum Teil sehr unliquiden oder ganz fehlenden Aktienmärkte in diesen Staaten hielten Goldman Sachs aber bislang davon ab, ein Zertifikat auf diese Ländergruppe zu emittieren.

Die Deutsche Bank hatte diese Scheu nicht. Im März emittierte die X-Markets-Truppe der Bank ein Zertifikat auf den S-BOX N-11-Kursindex der Stuttgarter Börse. Der Index wurde, wie alle S-BOX Indizes, vom Team des Zertifikatejournals berechnet. Die Gebühren sind hoch: Die Managementgebühr liegt mit 1,5 Prozent pro Jahr deutlich über dem Durchschnitt für vergleichbare Produkte. Der Index wird jeweils am sechsten Handelstag in den Monaten Mai und Oktober angepasst.

Der Name Next-11 ist zumindest zu Beginn auch eher als Marketing-Gag zu verstehen. Drei Länder fehlen im Index: Bangladesh, Iran und Nigeria. Dividenden werden nicht ausgeschüttet, und der offizielle Spread von 1,5 Prozent ist eher eine wohlwollende Ansage, die sich in der Praxis erst noch bewahrheiten muss. Denn das Hedging hat seine Tücken – nicht nur wegen der Zeitverschiebung, sondern vor allem aufgrund der engen Märkte.

Damit hat auch ABN Amro zu kalkulieren. Die Niederländer haben zwei Emerging Asia-Zertifikate im Rennen: eines auf den DJ Asia Selected Dividends Index und eines auf den DAXglobal Asia Index. Ersterer wird von Dow Jones gepflegt, zweiterer von der Deutschen Börse. Die Managementgebühren sind bei beiden Zertifikaten halb so hoch wie beim Deutsche Bank/Zertifikatejournal-Produkt.

Der DJ Asia Selected Dividends Index umfasst 30 dividendenstarke Aktien aus Hongkong, Korea, China, Singapur. Der DAXglobal Asia Index schließt auch wesentlich kleinere Börsenplätze wie Philippinen, Indonesien oder Thailand mit ein. Bei beiden Produkten werden Dividendenausschüttungen voll berücksichtigt – im direkten Vergleich zum Next-11-Zertifikat ein klarer Vorteil. Anleger können die breite Streuung über 30 oder 40 Aktien auch noch punktuell mit Außenseiterbörsen würzen. Zwei Beispiele:

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