Zertifikate sind börsennotierte Schuldverschreibungen
Überblick: Wichtige Begriffe erklärt

Zertifikate erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei Anlegern. Das Glossar erklärt wichtige Begriffe und warnt vor Fallstricken.
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Zertifikate: Bei diesen Produkten handelt es sich um börsennotierte Schuldverschreibungen. Statt eines Wertpapiers erwirbt der Anleger von einem Geldinstitut das Recht, an einer bestimmten Kursentwicklung teilzuhaben.

Anlage- und Hebelzertifikate: Hebelzertifikate funktionieren ähnlich wie Optionsscheine und Futures. Mit geringem Einsatz können Anleger also auf hohe Renditen spekulieren, riskieren dafür aber auch den Verlust ihres Kapitals. Hebelzertifikate können auch zur Depotsicherung eingesetzt werden. Die übrigen Zertifikate nennt man „Anlagezertifikate“.

Basiswert: Aktie oder Aktienkorb, Index oder Rohstoff, auf den sich ein Zertifikat bezieht.

Emittenten: Geldhaus, das den Anlegern Zertifikate zum Kauf anbietet. Da Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, füllt der Emittent die Rolle des Schuldners aus. Der Käufer eines Zertifikats ist Gläubiger und trägt auch das Emittentenrisiko: im Falle eines Konkurses des Anbieters geht der Anleger leer aus.

Cap: So wird bei den beliebten Discount-Zertifikaten die Höchstgrenze des Basiswerts bezeichnet, bis zu der ein Anleger Kursgewinne mit dem Zertifikat erzielen kann.

Fälligkeit: Zertifikate sind entweder mit einer festen Laufzeit ausgestattet oder aber „Open end“. In diesem Fall kann das Zertifikat „endlos“ gehalten werden, solange der Emittent nicht von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht.

Spread: Diese Spanne, meist angegeben in Prozent, ist die Differenz zwischen dem Ankaufs- und Verkaufskurs eines Zertifikats. Der Spread sollte aus Anlegersicht möglichst niedrig sein, denn aus dem Spread finanziert sich – sofern das Zertifikat nicht liquide gehandelt wird – der Emittent des Zertifikats; es ist faktisch die Provision.

Vorsicht, Fallstricke!

Garantien: Auch im Markt für Zertifikate gibt es nichts geschenkt. Für Kapitalgarantien und Bonuszahlungen eines Zertifikats muss der Anleger im Vergleich zum Direktkauf meist auf Dividendenzahlungen verzichten, die der Emittent einstreicht.

Ausgabeaufschläge: Für neue Zertifikate verlangen Emittenten in der Zeichnungsphase meist Ausgabeaufschläge. Nach der Zeichnungsfrist können Anleger die meisten Zertifikate aber auch ganz normal an der Börse kaufen und verkaufen – ohne Ausgabeaufschlag.

Konstruktionen: Viele Anleger meinen, sie gingen mit Zertifikaten eine Wette gegen den Emittenten ein. Tatsächlich verbirgt sich hinter jedem Zertifikat ein entsprechendes Gegengeschäft des Emittenten an den Aktien-, Anleihe- oder Terminmärkten. Jedes Emissionshaus verdient an der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen („Spread“), die laufend gestellt werden müssen, sowie an Finanzierungsgebühren.

Discount-Zertifikate: Die wichtigsten Begriffe

Volatilität: Discount-Zertifikate basieren auf dem Kauf eines Basiswertes, zum Beispiel einer Aktie, und dem Verkauf einer Kauf-Option auf diese Aktie. Mit dem Verkauf der Option, also der vereinnahmten Optionsprämie, finanziert der Emittent den Discount. Da die Schwankungsbreite (Volatilität) einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Preis der Option ist, hängt die Höhe des eingeräumten Rabatts maßgeblich von der Schwankungsbreite der Aktie ab.

Quanto-Discounter: Bei Zertifikaten, denen ausländische Aktien oder Indizes zu Grunde liegen, müssen Investoren das Währungsrisiko einkalkulieren. Je geringer das Portfolio eines Anlegers diversifiziert ist, desto mehr fällt dieses Risiko ins Gewicht. Quanto-Discount-Zertifikate sichern dasWährungsrisiko vollständig ab.

Rolling-Discounts: Die Rolling- Discount-Zertifikate zählen zu den neueren Erfindungen der Emittenten. Dabei ist das Produkt nichts anderes als ein Zertifikat auf fiktive Discount-Zertifikate. Rolling- Discount-Zertifikate basieren auf einer dynamischen Investmentstrategie, bei der der Emittent im Monatsrhythmus in fiktive Discount-Zertifikate mit einer Restlaufzeit von jeweils einem Monat investiert. Bei stagnierenden Aktienmärkten kann auf diese Weise Monat für Monat eine Prämie vereinnahmt werden, während sich die Aktien nicht von der Stelle bewegen. Auf Basis von zwölf Monaten ist der Rabatt bei Rolling-Discount-Papieren gegenüber dem Basiswert höher als bei klassischen Discount-Zertifikaten mit ähnlicher Laufzeit. Durch die Umschichtung passen die Emittenten zudem den Cap und den Discount laufend an das aktuelle Marktniveau an. Rolling-Discount-Zertifikate sind eher für konservative Anleger geeignet, denn für die Umschichtung fällt eine Gebühr an, die auf die Rendite drückt.

Fallstricke bei Discount-Zertifikaten

Steuer: Erträge aus Zertifikaten sind erst nach zwölf Monaten steuerfrei. ImGegensatz zur Anlage in Fonds sind für Anleger allerdings auch Dividendenerträge steuerfrei, wenn sie Zertifikaten länger als ein Jahr halten. Hält der Anleger das Papier weniger als zwölf Monate, sind Gewinne nur bis zu einer Freigrenze von 920 Euro steuerfrei.

Finanzinnovation: Anleger sollten sich beim Emittenten informieren, ob das Produkt als Finanzinnovation gilt. Dann nämlich müssen die Erträge auch nach einem Jahr voll verteuert werden. Einziger Vorteil: Verluste, die erst nach mehr als einem Jahr realisiert werden, können gegengerechnet werden.

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