Zertifikate-Strategie
Bauen auf Betongold lohnt sich wieder

Im Zuge der Finanzkrise gerieten Immobilienpreise sowie die Aktienkurse von Immobilienfirmen kräftig unter Druck. Immobilien-Zertifikate sind deshalb kaum noch gefragt - zu Unrecht.

Das Jahr 2008 war kein gutes für die Immobilienbranche. Rund um den Globus gerieten Bauträger und Finanzierer im Zuge der Finanzkrise in Not - in nicht geringem Ausmaß waren gerade die Baufinanzierer oft aufgrund einer zu laxen Kreditvergabe selbst ein Teil des Problems. Insbesondere in den USA, in Spanien und in Großbritannien brachen die Immobilienpreise stark ein. Das blieb natürlich auch für die Investmentbranche nicht ohne Folgen. Anleger zogen in Panik massenhaft ihr Kapital aus Fonds zurück. Fondsgesellschaften setzten die Rückzahlung von Anteilen aus. Allein in Deutschland konnten zeitweise rund zehn Mrd. Euro an Immobilienfondsanteilen von den Anlegern nicht mehr in Geld umgewandelt werden - ein Achtel des von der Branche in Deutschland verwalteten Vermögens. Der Schock sitzt bei den Investoren tief.

Zukunftsmarkt mit Perspektiven

Auch die Zertifikate-Branche ist betroffen: In der Studie "Trendbarometer Zertifikate 2009" der Steinbeis Hochschule Berlin wurden im Juni rund 200 Vermögensverwalter und Bankberater zu den Aussichten verschiedener Zertifikate-Typen befragt. Nur 3,3 Prozent der Befragten schätzten das Chance/Risiko-Profil von Immobilienzertifikaten positiv ein. Das Absatzpotenzial der Papiere gilt als gering. Das bekommen die Emittenten bereits zu spüren. Die Papiere liegen zum Teil wie Blei in den Auslagen. In vielen Immobilienzertifikaten befindet sich kaum Anlegerkapital, klagen Insider. Die Deutsche Bank-Tochter DWS Go zieht daraus jetzt als erster Emittent Konsequenzen: Zehn der zwölf Immobilien-Zertifikate werden geschlossen. "Die Anleger bekommen den zuletzt festgestellten Geld-Kurs ausgezahlt und das Angebot, kostenfrei ohne Ausgabeaufschlag ihr Geld in ausgewählte Fonds der DWS anzulegen", sagt Claus Gruber von der DWS.

Doch nicht jedes Immobilien-Zertifikat floppt. Anleger, die Anfang des Jahres in DWS GO BRIC Immobilien TR Indexzertifikate (WKN: DWS0G6) investierten, werden demnächst kein Anschreiben von der Deutschen Bank bekommen. Das Zertifikat hat sich gut verkauft, diese DWS Go-Tranche wird nicht geschlossen. Die Investoren, die auf Immobilienwerte in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) setzen, haben auch sonst keinen Grund zur Klage. Seit Jahresanfang ist der Wert ihrer Papiere um 77 Prozent gestiegen.

Grund für die Immobilien-Hausse ist vor allem die positive Entwicklung in Asien. "Die Banken in China und Indien haben in den vergangenen Jahren zurückhaltender am Finanzmarkt agiert als westliche und vor allem US-amerikanische Finanzinstitute. Deshalb sind sie entsprechend weniger stark von der weltweiten Finanzkrise betroffen. Davon profitieren die Immobilienmärkte der BRIC-Staaten", sagt Jürgen Koch von der RBS. So stieg beispielsweise der Wert des GPR/ABN China Immobilien Indexzertifikats (WKN: AA0EK7), das in 20 chinesische Immobilienunternehmen investiert, seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent.

Und es gibt Argumente für einen weiteren Anstieg von Immobilienwerten. Zwar ist der Büro-Leerstand in den Großstädten derzeit so hoch wie nie zuvor - in Peking und Shanghai steht jedes fünfte Office leer, in Chengdu sogar jedes dritte. Doch Impulse kommen aus dem privaten Wohnungsbau. Viele Chinesen nutzen die gefallenen Wohnungs- und Häuserpreise, um sich jetzt den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. "Unterstützt wird der Trend durch niedrige Zinsen und die gestiegene Kaufkraft der chinesischen Mittelschicht, die deutlich weniger verschuldet ist als in den westlichen Industrieländern", sagt Koch.

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