Zertifikate-Streit Haspa muss Lehman-Anleger entschädigen

Ein Urteil des Hamburger Landgerichts macht Tausenden Opfern der Pleitebank Lehman Brothers Mut. Die Richter verurteilten die Hamburger Sparkasse zu Schadenersatz, weil sie einen Anleger nicht ausreichend über die Risiken der Lehman-Zertifikate aufgeklärt hatte. Für zahlreiche weitere Verfahren könnte die Entscheidung die Richtung vorgeben.
Die Hamburger Sparkasse hatte rund 3 700 Kunden Lehman-Zertifikate verkauft. Einige klagen jetzt wegen Falschberatung. Quelle: dpa

Die Hamburger Sparkasse hatte rund 3 700 Kunden Lehman-Zertifikate verkauft. Einige klagen jetzt wegen Falschberatung.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Im Prozessreigen um Zertifikate der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers haben die Anleger einen ersten wichtigen Sieg errungen. Das Hamburger Landgericht entschied heute in einem Verfahren gegen die Hamburger Sparkasse (Haspa), dass diese ihre Beratungspflicht verletzt habe. Die Haspa muss dem Kläger, einem 64-jährigen pensionierten Lehrer, daher seinen kompletten Kapitaleinsatz von rund 10 000 Euro zurückzahlen. Das Institut kündigte umgehend an, dass es in die Berufung gehen wird.

Das Hamburger Urteil wurde mit Spannung erwartet, da viele Experten es als richtungweisend für die Flut an weiteren Lehman-Prozessen ansehen, die vor deutschen Gerichten anhängig sind. Nach Schätzungen von Anlegeranwälten dürften mehr als tausend der bis zu 50 000 Anleger, die in Lehman-Zertifikate investiert hatten, vor Gericht um Schadenersatz ringen. Die Argumentation der Kläger ähnelt dabei in vielen Fällen der in dem Hamburger Fall.

Der Anwalt des Hamburger Klägers hatte der Haspa mehrere Punkte vorgeworfen. Im Zentrum stand der Vorwurf, die Sparkasse habe nicht auf das Insolvenzrisiko bei Lehman Brothers hingewiesen. Zudem habe der Anleger keinen Hinweis erhalten, dass es für Zertifikate als Inhaberschuldverschreibungen keine Einlagensicherung gibt. Weitere Klagepunkte betrafen das Eigeninteresse der Haspa beim Verkauf der Zertifikate. Diese habe ihre Gewinnerzielungsabsicht nicht offengelegt, hieß es.

In den meisten Punkten folgte der Richter der zuständigen Zivilkammer des Landgerichts dem Kläger: "Die Beklagte hat es pflichtwidrig unterlassen, den Kläger über die fehlende Einlagensicherung und die Höhe der Gewinnmarge sowie ihr eigenes wirtschaftliches Risiko beim Absatz des Zertifikats aufzuklären", begründete der Richter sein Urteil. Die Haspa habe damit ihre Pflicht zur anlagegerechten Beratung verletzt und dadurch den Schaden verursacht. Weil die Sparkasse selbst in größerem Umfang Lehman-Zertifikate erworben hatte und nur gegen einen Abschlag an Lehman Brothers hätte zurückgeben dürfen, habe für sie zudem ein besonderer Anreiz zur Empfehlung gerade dieses Produkts bestanden. "Diese Interessenlage begründet in besonderer Weise eine Aufklärungspflicht", sagte der Richter.

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