Zertifikate
Währungsrisiken ausschalten

Quanto-Zertifikate schützen vor Währungsrisiken. Das kostet Geld. Je nach Basiswert sind aber sogar zusätzliche Gewinne möglich. Wann sich Quanto-Zertifikate für Anleger lohnen.

DÜSSELDORF. US-Notenbank-Chef Ben Beranke hat einen Spitznamen: Helikopter-Ben. Diesen Namen hat er einem seiner wenigen öffentlichen Ausrutscher zu verdanken. Vor fünf Jahren empfahl er, per Helikopterabwurf Geld ans Volk zu verteilen, falls die Kauflust der Konsumenten nachlasse. Seitdem verfolgt ihn der Vorwurf, ihm seien die Entwicklung der Inflation und die Stabilität der Währung gleichgültig. Im September bestätigte Bernanke, dass er die beiden Faktoren bei seinen Zinsentscheidungen im Zweifelsfall tatsächlich weniger schwer gewichtet als die Sorge um die Kaufkraft der Bürger. Denn im Konjunkturbericht, dem so genannten Beige Book, warnten die Ökonomen Anfang September vor einer Verschärfung der Inflationsgefahr.

Das hätte ein starkes Argument für eine Zinserhöhung sein können. Doch Bernanke verkündete am 18. September statt einer Anhebung eine Senkung des Leitzinssatzes um 50 Basispunkte und schlug damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen verschafft er den Unternehmen sowie dem Aktien- und privaten Kreditmarkt ein wenig Luft. Zum anderen stärkt er die US-Exportwirtschaft und verbilligt die Auslandsschulden seines Landes. Die Zinsen in den USA und Europa nähern sich also weiter einander an. Das stärkt den Euro, schwächt den US-Dollar und sorgt für die Beschleunigung des Trends, der nun schon seit fünf Jahren anhält: Die europäische Gemeinschaftswährung hat in dieser Zeit gegenüber dem Dollar 45 Prozent an Wert gewonnen.

Während die Fed der Entwicklung eher entlassen gegensieht und die US-Exportwirtschaft sich über den schwachen Greenback sogar freuen kann, geraten ausländische Anleger, die ihr Geld an der Wall Street investiert haben, zunehmend ins Grübeln. Wer hier vor fünf Jahren auf Kurssteigerungen im Dow Jones setzte, konnte bis heute zwar immerhin gut 62 Prozent Gewinn einfahren, allerdings auf Dollarbasis.

Nach Abzug des Währungsverlustes blieben davon nur noch 17 Prozent übrig, auf Jahresbasis sind das 3,19 Prozent Rendite – weniger, als in diesem Zeitraum mit Anleihen zu verdienen gewesen wäre. „Wer mithilfe von Zertifikaten in Rohstoffe oder ausländische Aktien außerhalb des Euro-Raumes investiert, sollte gut überlegen, ob er Wechselkursschwankungen des Euro gegenüber der jeweiligen Währung als Chance oder als Risiko sieht. Zurzeit sehen wir verstärkt Nachfrage nach Quanto-Zertifikaten, die auf US-Dollar notieren“ sagt Funda Tarhan, Derivate-Expertin bei ABN Amro.

Anleger, die Währungsrisiken ausschalten wollen, können das mit Zertifikaten tun, die den Zusatz „Quanto“ in ihrem Namen tragen. Oft werden Index-, Bonus- oder Basketzertifikate mit Wechselkursschutz angeboten. Es gibt aber auch einzelne Aktien und Rohstoffe, die in Form von Quanto-Zertifikaten verbrieft werden. Das Quanto steht dafür, dass das jeweilige Zertifikat die Entwicklung des Basiswertes ohne Währungseinflüsse nachvollzieht. Wer beispielsweise ein Quanto-Indexzertifikat auf den US-amerikanischen S&P 500 kauft, braucht den Dollar nicht mehr im Blick zu halten. Ein Plus des Index kann durch einen schwachen Dollar so nicht mehr ins Minus gerissen werden werden.

Umgekehrt gilt damit aber auch, dass ein starker Greenback keinen Performance-Kick mehr bringen kann. Im Gegenteil: Der Dollar-Währungsschutz kann je nach Basiswert sogar sehr teuer werden und empfindlich Rendite kosten. Gut zu sehen ist das am Beispiel Gold. Die Wertentwicklung des gelben Metalls verlief in den vergangenen Jahrzehnten fast grundsätzlich entgegengesetzt zum US-Dollar. Gewann der Dollar an Wert, wurde Gold preiswert. Stürzte der Dollar ab, schoss der Goldpreis nach oben. Für die Emittenten bedeutet die starke Gegenläufigkeit zwischen Goldpreis und Dollar, dass für sie für den Währungsschutz einen höheren Preis veranschlagen müssen.

Trotzdem war es für Anleger, die mit Zertifikaten auf einen steigenden Goldpreis setzten, bislang immer eine gute Idee, sich gegen Währungsschwankungen abzusichern. Denn selbst Kosten von mehr als drei Prozent im Jahr sind leicht zu verschmerzen, wenn der Greenback zehn oder zwanzig Prozent an Wert verliert – so wie in den Jahren 2001 bis 2004 geschehen. Im Jahr 2005 ging diese Rechnung leider nicht auf. Der Goldpreis stieg um etwa 23 Prozent. Gleichzeitig erhöhte der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan die Leitzinsen in den USA im Eiltempo. Auch der US-Dollar gewann deshalb mehr als zwölf Prozent an Wert. Für Quanto-Gold-Zertifikate bedeutete das schmerzliche Rendite-Einbußen.

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