Zertifikate
Wie Anleger hohe Kosten senken können

Nichts ist umsonst. Auch Zertifikate nicht. Doch wie hoch die tatsächlichen Kosten eines Zertifikats sind, ist für Anleger kaum zu erkennen. Je komplizierter die Produkte sind, desto besser lassen sich renditezehrende Gebühren verstecken.

Wenn es in der öffentlichen Diskussion um Zertifikate geht, fallen immer wieder zwei Reizworte: Transparenz und Kosten. In der Tat sind viele Anleger beim Kauf eines Zertifikats oftmals mit der Beantwortung zweier wichtiger Fragen überfordert: Wie teuer oder preiswert ist ein Zertifikat? Und wo finde ich als Anleger die Informationen dazu?

"Eigentlich sind diese Fragen sekundär", sagt Lars Brandau vom Deutschen Derivate Verband (DDV), "beim Kauf eines Automobils erfährt ein Käufer in der Regel auch nicht, wie hoch die Gewinnmarge des Verkäufers und des Herstellers ist." Zudem seien die Produkte der Zertifikate-Industrie so transparent wie kaum eine andere Branche in der Finanzwelt.

In der Tat: Im Vergleich beispielsweise zu Fonds können sich Zertifikate-Anleger bei vielen Produkten genau ausrechnen, wie viel sie einzahlen und was sie am Ende der Laufzeit wieder herausbekommen können, wenn die Bedingungen erfüllt werden, die in den so genannt Termsheets der jeweiligen Zertifikate definiert sind. Und wie hoch die Managementgebühren sind, erfahren Anleger in den dazu gehörenden Verkaufsprospekten.

Andererseits gibt es für die Emittenten genügend Spielraum bei der Preisgestaltung ihrer Zertifikate. Und genauso wenig, wie der erste Blick in den Motorraum eines Autos Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Wagens gibt, reichen die frei verfügbaren Informationen der Emittenten aus, um zu erfahren, wie viel der theoretisch möglichen Performance eines Zertifikats als Gewinn beim Emittenten verbleibt. "Die einfachste Art und Weise, zu erfahren, ob ein Zertifikat teuer oder preiswert ist, ist immer noch der Vergleich der Angebote im Internet", rät deshalb Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau. Denn wenn Zertifikate mit gleichen Ausstattungsmerkmalen in einer Liste untereinander stehen, werden markante Preis-Unterschiede schnell sichtbar.

Ein aktuelles Beispiel dafür bieten sechs Discountzertifikate auf Siemens mit einem Cap von 50 und einer Restlaufzeit bis 18. Dezember 2009. Das teuerste darunter: ein Discounter von der Bank Vontobel (WKN: VFP2G4). Das Zertifikat wird rund 48 Cent teurer verkauft als das preiswerteste Discount-Zertifikat in der Liste. Bei einem Gesamtpreis von rund 45 Euro und der relativ kurzen Restlaufzeit bedeutet dieser Unterschied für den Anleger, dass er etwa zwei Prozentpunkte mehr oder weniger Rendite per annum erwirtschaften kann.

Ähnlich sieht es bei anderen Discountzertifikaten aus - zum Beispiel bei Papieren mit Basiswert Deutsche Post mit einem Cap von neun Euro, ebenfalls mit Laufzeit bis 18.12.2009. Hier ist ein BNP Paribas-Zertifikat (WKN: BN2A7X) das günstigste. 31 Cent teurer ist dagegen das Zertifikat von der BHF (WKN: BHF5VY). Zu solchen Aufschlägen wie in den beiden Beispielen kommen jeweils die Kosten für die Abwicklung des Handels an der Börse und der Spread hinzu, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Das muss ein Anleger an der Börse in den kommenden Monaten erst einmal verdienen.

Die beiden Beispiele sind keine Einzelfälle, und sie machen deutlich, dass bei Zertifikaten - wie bei jedem anderen Finanzprodukt auch - Gewinnmargen für die Emittenten und den Vertrieb stecken, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Und sie zeigen, wie wichtig es ist, die Preise in jedem Einzelfall zu vergleichen. Denn es gibt nicht grundsätzlich teure und preiswerte Anbieter.

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