Zertifikate
Wie die Ölkrise auf die Märkte wirkt

Bei dem Umgang mit Öl ist Vorsicht geboten - nicht nur weil der Preis für den Rohstoff hohen Schwankungen unterworfen ist. An der Terminbörse werden Futures gehandelt, bei denen weitaus mehr Faktoren eine Rolle spielen.
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Frankfurt

Die Preise für ein Barrel (159 Liter) Rohöl bewegten sich in den zurückliegenden Jahren zwischen 35 und 145 US-Dollar. Schon allein diese hohe Volatilität macht deutlich, dass Investitionen in den Rohstoff Öl ein gewisses Fingerspitzengefühl erfordern. Das gilt in besonderem Maße auch für Engagements in Öl-Zertifikate und rohstoffbasierte Schuldverschreibungen (ETCs). Denn bei diesen Papieren, die das Auf und Ab des Ölpreises nachvollziehen, spielen mehr Faktoren eine entscheidende Rolle als nur der Preis für ein Fass Öl.

Ein wichtiger Faktor, der die Entwicklung von Öl-Zertifikaten und ETCs mitbestimmt, sind die sogenannten Roll-Kosten. Denn diese Finanzinstrumente investieren nicht direkt in den Rohstoff Öl, sondern orientieren sich an der Preisentwicklung von Öl-Futures, die an der Terminbörse gehandelt werden: Für jeden Monat in der Zukunft gibt es einen Future, der die Erwartung widerspiegelt, welchen Ölpreis die Händler zum jeweiligen Termin erwarten. Rückt der Liefertermin am Ende des jeweiligen Vormonats näher (der aktuelle April-Kontrakt beispielsweise endet Ende März), wird der aktuelle Future verkauft und das Geld in den nächstlängeren Future reinvestiert. Börsianer nennen diesen Vorgang "Rollen". Der Folge-Future ist manchmal preiswerter als der zuletzt verkaufte Kontrakt - in den vergangenen Jahren war er aber meistens teurer. Diese Situation wird als Contango bezeichnet und führt zu Roll-Verlusten. Denn in diesem Fall sinkt die Anzahl der Futures, in die neu investiert wird. Fürs gleiche Geld gibt es also weniger neue Öl-Futures.

Derzeit herrscht allerdings eine für Anleger eher günstige, sogenannte "Backwardation"-Konstellation: Länger laufende Öl-Futures sind aktuell preiswerter als kurzfristige. Sollte der Ölpreis weiter steigen, müssten Anleger also zunächst einmal nicht mit Rollverlusten rechnen. Im Gegenteil: Es würden beim betreffenden Zertifikat oder ETC sogar Rollgewinne vereinnahmt werden. "Eine ähnliche Konstellation war schon einmal vor drei Jahren zu beobachten. Damals stieg der Ölpreis in der Folge auf bis zu 150 US-Dollar an", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Dass es diesmal genauso kommt, sei jedoch nicht ausgemacht, so Weinberg. "Langfristig sollten Anleger auf jeden Fall die Entwicklung der Ölpreis-Futures im Blick behalten. Denn das Blatt kann sich schnell wieder wenden", so Weinberg.

Auskunft darüber, ob sich der Markt in einer Contango- oder Backwardation-Situation befindet, gibt die sogenannte Terminkurve. Fällt die Kurve, können Anleger mit Zertifikaten oder ETCs Rollgewinne vereinnahmen. Steigt die Kurve, werden Rollkosten fällig, die Kursgewinne des Basiswerts schmälern. Im Extremfall rutscht das Zertifikat sogar ins Minus, obwohl der Ölpreis gestiegen ist.


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