Zertifikate
Wildwuchs bei Bonuspapieren

Der Erfolg der Bonuszertifikate lockt mehr und mehr Emittenten an. Um sich abzuheben, bringen Banken immer neue Varianten der beliebten Zertifikate auf den Markt. Der Nutzen für die Anleger ist in den meisten Fällen allerdings begrenzt.

FRANKFURT. Kaum eine Derivategattung hat in Deutschland in den vergangenen Jahren eine ähnlich rasante Entwicklung erlebt wie die Bonuszertifikate. Allein im laufenden Jahr hat sich die Zahl der gelisteten Papiere auf mehr als 45 000 verdreifacht. Nach Schätzungen des Branchenverbandes Derivate Forum entfällt insgesamt jeder fünfte Euro, den Anleger in Zertifikate investieren, auf Bonuspapiere.

Der Grund für das große Interesse liegt in der besonderen Struktur, die Bonuszertifikate verbriefen. Sie ermöglichen auch in stagnierenden oder leicht fallenden Börsenphasen eine überdurchschnittliche Rendite. Gleichzeitig nehmen Investoren in der klassischen Variante an Kursanstiegen voll teil. Lediglich die Dividende bleibt beim Emittenten, der damit die mit Optionen unterlegte Konstruktion der Papiere finanziert.

In der Börsen-Hausse der vergangenen Jahre haben die Anleger mit Bonuszertifikaten durchweg gute Erfahrungen gemacht. Und auch in den Korrekturen der vergangenen Monate haben die Barrieren bei der überwiegenden Mehrheit der Produkte gehalten. Das lockt weitere Käufer an, zumal das aktuelle Börsenumfeld geradezu ideal erscheint: „In einer Zeit, in der die Unsicherheit wächst, größere Rückschläge aber unwahrscheinlich erscheinen, können Bonuszertifikate ihre Stärken ausspielen“, sagt Martin Schneider, Fondsmanager des DWS Bonuszertifikate-Fonds. Wie viele andere Experten rechnet er mit einem anhaltend kräftigen Wachstum des Segmentes.

Der Erfolg der Bonuszertifikate lockt immer mehr Emittenten an und führt so zu einem intensiven Wettbewerb in dem Bereich. Um sich abzuheben, greifen deswegen immer mehr Banken zu alternativen Lösungen. Durch den Einbau zusätzlicher Optionen verändern sie zunehmend das klassische Auszahlungsprofil von Bonuszertifikaten, sei es über eine zusätzliche Absicherung gegen Rückschläge, flexible Kursobergrenzen oder Mechanismen, die nach einem Bruch der Sicherheitsschwelle anschließende Gewinne hebeln – der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Den Emittenten und ihren Vertriebspartnern, auf deren Wunsch viele der Abwandlungen erst entstehen, dienen diese als Beweis ihrer Innovationskraft. Der Nutzen für die Anleger ist in den meisten Fällen allerdings begrenzt: „Viele Innovationen sind für spezialisierte Investoren in ganz speziellen Marktszenarien geeignet; für die Masse der Anleger bieten sie aber einen geringen Mehrwert“, sagt Dirk Heß, Derivate-Experte bei Goldman Sachs.

Hinzu kommt, dass die Produkte mit jeder zusätzlichen Schwelle undurchsichtiger werden. „Für den einfachen Anleger ist schon das Verhalten von klassischen Bonuszertifikaten während der Laufzeit schwer nachvollziehbar, weil er den Einfluss von Parametern wie der Volatilität nicht nachrechnen kann“, sagt Henrik Büscher, Fondsmanager für Zertifikatefonds bei Allianz Global Investors (AGI). Bei den komplizierteren Strukturen falle es oft sogar Profis schwer, die Preisgestaltung zu durchblicken: „Generell wächst mit jeder Option die Gefahr, dass die Emittenten irgendwo höhere Margen einbauen, auch vordergründig optisch attraktive Parameter zum Kauf locken“, meint Büscher.

Große institutionelle Investoren machen um exotische Strukturen daher einen Bogen: „Wir nutzen nur die einfachsten Varianten, also den Klassiker, Papiere mit Cap und Partial-Time-Bonuszertifikate“, sagt DWS-Fondsmanager Schneider. Die AGI investiert im „dit Bonus Barriere Fonds“ noch restriktiver: Unter den rund 100 Zertifikaten im Portfolio finden sich einzig und allein herkömmliche Bonusprodukte.

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