Zertifikate
Zertifikate: Steuereffekt fällt aus

Ein Drittel aller Zertifikate in Deutschland läuft bis Ende Juni aus. Und die noch im vergangenen Jahr wegen der drohenden Abgeltungsteuer emittierten Papiere bescherten ihren Besitzern hohe Verluste. Noch mehr neue Scheine wollen die Emittenten jetzt nicht mehr nachlegen.

Nur noch wenige Tage können Zertifikatebesitzer steuerfrei Gewinne einstreichen. Denn Ende Juni wird sie endgültig fällig - die Abgeltungsteuer. Am 30.6. endet die allerletzte Schonfrist für Derivate in Deutschland. Künftig gehen von jedem realisierten Kursplus 25 Prozent Steuern an den Staat. Und mit dem nahenden Monatsende verschwinden auch jede Menge Zertifikate vom hiesigen Markt. Denn noch im vergangenen Jahr emittierten die hiesigen Institute zahlreiche Produkte mit Fälligkeiten zwischen Mitte und Ende Juni 2009. Besonders von Bonus- und Discountzertifikaten auf den Dax und den Euro-Stoxx-50 sollten die Anleger in etwas mehr als zwölf Monaten noch steuerfrei profitieren. Und obwohl die Papiere jetzt fällig werden, wollen die Emittenten keine Neuen mehr nachlegen.

Zertifikate verschwinden vom Markt

Rund dreimal mehr Discounter und Bonuszertifikate als in normalen Monaten werden im laufenden Juni vom Markt verschwinden. In den Büchern von Goldman Sachs fehlen dann 62 von insgesamt 909 Dax-Discountern. 65 von 334 Dax-Bonuszertifikaten verschwinden aus dem Angebot des amerikanischen Emissionshauses. Mehr Neuemissionen plant die Bank aber nicht: "Wir setzen unsere regelmässige Emission an neuen Produkten planmäßig fort", sagt Jochen Fischer von Goldman Sachs. "Die zahlreichen Juni-Fälligkeiten ersetzen wir aber nicht eins zu eins, sondern emittieren die wichtigsten Basiswerte und Strikes entsprechend nach."

Im Großteil der jetzt fälligen Papiere liegt auch gar kein Open-Interest mehr. Viele private Anleger sind schon längst aus den Papieren ausgestiegen. Die vermehrten Fälligkeiten im Juni haben daher kaum Einfluss auf das insgesamt in Zertifikate angelegte Kapital. In den vergangenen Wochen beobachteten die Experten von Goldman Sachs aber bereits verstärkt Rollierungsaktivitäten von institutionellen Investoren. Für die Profis unter den Zertifikatekunden spielt zwar die Abgeltungssteuer keine Rolle. Doch auch sie nutzten die zahlreichen Neuemissionen im Frühsommer des vergangenen Jahres und kauften kräftig neue Zertifikate ein.

Preiseffekt drückt Marktvolumen

"Die Höhe des ausgelaufenen Volumens liefert nur bedingt eine Indikation", sagt auch Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Grund für ein geringeres Volumen am Derivatemarkt sei nämlich auch der Einfluss der Preise in den jeweiligen Basiswerten. Denn steigt der Dax, gewinnen auch die Dax-Zertifikate entsprechend an Wert. Die Papiere werden schlichtweg teurer.

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