Zertifikate
Zins-Chancen im Depot

Noch vor wenigen Jahren fand Devisenhandel im größeren Stil fast ohne Privatanleger statt. Fonds und die Banken selber teilten sich den Markt. Langsam entdecken die Institute aber ausländisches Festgeld als Renditemotor für Zertifikate. Jüngster Emittent: Die BHF-Bank und ihr Zinsquartett-Zertifikat.

DÜSSELDORF. Auf die Idee, ein Zertifikat mit Festgeld aus dem Ausland zu unterlegen, ist die BHF nicht als erste gekommen. Schon 2003 schickte ABN Amro gleich mehrere Open-End-Zertifikate zu dem Thema ins Rennen. Ob US-Dollar, Britisches Pfund oder Ungarischer Forint – der Anleger kann hier wie bei einem Devisenkonto in die Fremdwährung investieren, die Zertifikate profitieren gleichzeitig von den Zinserträgen. Im Grunde hatte die Bank lediglich die Festgeldmärkte im Ausland durch die Zertifikate leichter zugänglich gemacht. Welche der insgesamt 18 von ABN Amro angebotenen Währungen der Anleger allerdings in sein Depot aufnimmt, musste und muss er noch immer selbst entscheiden. Da Wechselkursrisiken bei einer solchen Anlage naturgemäß nicht abgesichert sind, musste der Anleger sich fast zwangsläufig intensiv mit den einzelnen Devisenmärkten und Wechselkursschwankungen auseinandersetzen.

Diese Arbeit nimmt das seit dem 16. April gehandelte „Zinsquartett-Zertifikat“ der BHF dem Anleger ab (WKN: BHF8BN). Aus einem Pool von acht Fremdwährungen wählt das Institut im Abstand von sechs Monaten vier Währungen aus, die nach Zinsen und Wechselkurs die beste Rendite versprechen, und investiert jeweils zu 25 Prozent in jede davon. Benchmark ist die Performance des Euro-Zinsmarktes: Liegen eine oder mehrere der ausgewählten Währungen darunter, wird ihr Anteil stattdessen dort investiert. Im Extremfall könnte das Produkt also zu 100 Prozent in den Euro-Geldmarkt investieren. „Das Zertifikat ist durch diese Vorsichtsmaßnahme und die Auswahl des Währungskorbs relativ defensiv ausgerichtet“, sagt BHF-Zertifikateexperte Michael Lindner.

Neues Tool: Zertifikate suchen und vergleichen

Exotisch muten die zugrunde liegenden Währungen wahrlich nicht an: Australischer, Kanadischer und US-Dollar, Schweizer Franken, Japanische Yen oder Dänische Kronen sind allesamt nicht für unkontrollierte Wechselkursschwankungen bekannt. "In der Rückrechnung hätte unsere Zinsquartett-Strategie in 15 von insgesamt 16 Perioden positiv abgeschnitten", betont Lindner.

Wer es etwas riskanter mag, für den hat die Landesbank Berlin (LBB) bereits im August 2006 ein ähnliches Papier auf den Markt gebracht. Der „Topzins Währungspicker“ (WKN: LBB1WS) funktioniert ähnlich wie das BHF-Produkt, hat jedoch neben den üblichen Verdächtigen auch exotischere Währungen wie Leu (Rumänien) oder Rand (Südafrika) im Angebot. Auch hier besteht der Korb aus acht Währungen, jedoch erfolgt die Anpassung monatlich und ein Mal pro Jahr wird die Zusammensetzung des gesamten Korbes überprüft. Außerdem weicht der Währungspicker grundsätzlich nicht auf Euro aus. „Wir fahren auf diese Weise höheres Risiko, können aber natürlich auch bessere Zinsen erzielen“, erklärt LBB-Zertifikateprofi Bernd Ehmke.

Beide Emittenten verlangen für das aktive Management des Underlyings Managementgebühren und eine Erfolgsbeteiligung. Unter dem Strich sind die Kosten ähnlich hoch: Zwar hat die LBB bei der Ausgabe einen Aufschlag von einem Prozent verlangt und kassiert mit 0,7 Prozent Managementgebühr p.a. 0,2 Prozentpunkte mehr als die BHF, dafür behält letztere 15 Prozent der Rendite, wenn sie höher liegt als die Euro-Benchmark. Bei der LBB liegt die Gewinnbeteiligung bei 10 Prozent der Rendite.

Bisher scheint diese Form der Anlage den gewünschten Erfolg zu bringen: Seit seiner Auflegung im August 2006 hat das LBB-Papier sechs Prozent zugelegt. Dabei zeigte es sich zwar zeitweise sehr volatil, fiel aber zu keinem Zeitpunkt unter den Ausgabekurs zurück. Auch vom Kursrutsch im Februar 2007 hat es sich bereits wieder erholt und notiert nun ähnlich hoch wie vor der Korrektur.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 07/2007 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Abonnieren Sie hier die ZertifikateNews und Sie erhalten alle 14 Tage die aktuelle Ausgabe kostenlos in Ihr Email-Postfach geliefert. Zwei Tage bevor sie zum Download angeboten wird.

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