Zertifikate
Zinsen statt Discount

Aktienanleihen wurden von deutschen Anlegern bislang weitgehend verschmäht. Das hatte vor allem steuerliche Gründe. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer ab Januar 2009 könnte sich das ändern.

Aktienanleihen locken mit hohen Rendite- Versprechen. Teilweise zehn bis zwanzig Prozent pro Jahr, das klingt zu gut, um wahr zu sein. Und in der Tat, ein erster Blick hinter die Kulissen bestätigt den Verdacht, dass auch für Aktienanleihen die alte Anleger-Weisheit gilt: An der Börse wird kein Geld verschenkt. Wo die Gewinnchancen groß sind, ist eben auch das Risiko höher. Ein zweiter, realistischer Blick auf diese spezielle Anlageform enthüllt aber auch, dass Aktienanleihen je nach Risikoneigung und Anlagehorizont des Anlegers durchaus Perspektiven bieten können.

Der Namensbestandteil "Anleihe" suggeriert auf den ersten Blick, dass es sich bei Aktienanleihen um Rentenpapiere handeln würde - vergleichbar mit Bundes- oder Unternehmensanleihen. Das ist aber nicht der Fall. Bei Aktienanleihen werden zwar Zinskupons an die Anleger ausgezahlt, doch das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit den klassischen Anleihen. Ein Unterschied zu üblichen Anleihen - und gleichzeitig das wichtigste Verkaufsargument - ist, dass die Zinszahlungen bei Aktienanleihen deutlich höher ausfallen.

Den Preis für diesen Zinsvorteil bezahlt der Anleger mit einemhöheren Rückzahlungsrisiko: Anders als beispielsweise bei Bundesanleihen, die vom Finanzministerium bei Fälligkeit immer zum Kurswert von 100 Prozent ausgezahlt werden, behalten sich die Emittenten von Aktienanleihen für das Laufzeitende ein Wahlrecht vor. Dann nämlich entscheidet die jeweilige Emissions-Bank, ob sie dem Anleger den Nennwert der Anleihe oder stattdessen eine vorher festgeschriebene Anzahl von Aktien des betreffenden Basiswertes ins Depot bucht.

Als Entscheidungskriterium dafür legt der Emittent zu Beginn einen Basispreis fest. Sind die Aktienkurse des Basiswertes am Fälligkeitstag auf oder über das Niveau dieses Basispreises gestiegen, zahlt der Emittent wie bei einer normalen Anleihe 100 Prozent des Nennwertes zurück. Sind die Aktienkurse bis zumFälligkeitstag jedoch unter den Basispreis gesunken, erhalten die Anleger das Aktienpaket oder den entsprechenden Barwert ausgezahlt, den das Aktienpaket aktuell wert ist. Ob der Barwert oder das Aktienpaket gewählt wird, unterscheidet sich von Emittent zu Emittent. Nur wenn ein Index als Basiswert dient, gibt es immer eine Barauszahlung.

Dazu ein Beispiel: Der Emittent HSBC Trinkaus emittierte vor drei Wochen eine Aktienanleihe auf den Dax. Die Anleihe (WKN: TB1QAX) wird mit einem Kupon von 10,5 Prozent verzinst und bei Fälligkeit zu 100 Prozent getilgt. Damit es am Laufzeitende nicht nur den hohen Zinskupon, sondern auch die vollen 1000 Euro Nennwert pro Anleihe zurückgibt, die Anleger am Emissionstag gezahlt haben, muss der Kurs des Dax am 20. März 2009 mindestens 6 400 Punkte betragen. Andernfalls gibt es zuzüglich zur garantierten Zinszahlung Bargeld im Verhältnis von 0,1563 zum Dax zurück. Bei einem Dax-Stand von 6 200 Punkten wären das 969,06 Euro pro Aktienanleihe. Das Beispiel zeigt: Die Gewinnchancen sind begrenzt. Bestenfalls kassiert der Anleger seine 10,5 Prozent Zinsen.

Das Verlustrisiko ist dagegen theoretisch unbegrenzt. Denn mit der Anleihe schließt der Käufer de facto eine Wette auf die Kursentwicklung des jeweiligen Basiswertes ab - in diesem Fall des Dax. Das Rabatt-Prinzip - nur umgekehrt "Bewegt sich der Kurs des Basiswertes kaum vom Fleck, macht der Anleihekäufer ein besseres Geschäft, als wenn er die bestreffenden Aktien oder ein Indexzertifikat im Depot hätte", sagt Heiko Geiger von Vontobel. Sinkt der Kurs dagegen unter den Basispreis, machen Anleger mit Aktienanleihen in dem Moment Verlust, in dem der Basiswert mehr verliert als die Zinszahlungen an Einnahmen einbringen.

Seite 1:

Zinsen statt Discount

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%