Nachrichten
Zertifikatefonds gelten als teuer

Am Bankschalter sind die Produkte harte Konkurrenten: Investmentfonds und Zertifikate. Dass beide Anlageformen aber kein Widerspruch sein müssen, beweisen die Anbieter von Fonds, die in Zertifikate investieren. Mit allen Bequemlichkeiten, die ein Fonds bietet, können Anleger trotzdem von den innovativen Strategien der Zertifikatebranche profitieren. Der Preis dafür sind aber höhere Kosten.

DÜSSELDORF. Denn neben den Gebühren für das Fondsmanagement stecken in den Produkten auch die Kosten für die Strukturierung der enthaltenen Zertifikate. „Wenn die Fonds in echte Privatkunden-Zertifikate investieren, ist das nachteilig, denn die versteckten Kosten mancher Papiere übersteigen selbst die Kosten extrem teurer aktiv gemanagter Fonds“, sagt Ferdinand Haas, Vorstand des Maklerpools BCA. Viele Zertifikate enthielten üppige Margen für die Emittenten und den Vertrieb. „Die geringe Transparenz und der mangelhafte Anlegerschutz bei Zertifikaten wird von den Emittenten leider oft brutal ausgenutzt“, sagt er. Vor allem kleine Fonds mit geringem Einlagevolumen hätten wenig Chancen, die versteckten Kosten zu umgehen.

Peter Huber, der mit seiner Huber Portfolio AG den Star Cap Certificate Plus Fonds verwaltet, lässt diesen Vorwurf nicht gelten: „Unser Berater rechnet die Kosten der Derivate genau nach. Vor allem in Index- und Discountzertifikaten stecken in der Regel nur minimale Margen“, sagt er. Momentan investiert sein Fonds vor allem in Bonuszertifikate, weil sie aufgrund der sehr niedrigen Schwankungsbreiten der Märkte (Volatilität) besonders attraktive Strukturen bieten. Die Titel machen 54 Prozent des Portfolios aus und beziehen sich vor allem auf den Aktienindex Euro Stoxx 50. „Der Fonds hat eine defensive Ausrichtung und soll mehr Rendite als der Rentenmarkt bringen“, sagt Huber.

Die Manager größerer Fonds haben im Zertifikatebereich deutlich mehr Möglichkeiten als die kleinen Star Cap Fonds. Harald Edele, der den Fonds HSBC Trinkaus Aktienstrukturen Europa leitet, betreut gleichzeitig mehrere Spezialfonds und kommt damit auf eine Anlagesumme von rund 300 Mill. Euro. „Wir lassen die Produkte oftmals für uns maßgeschneidert auflegen. Dazu fragen wir mehrere Emittenten am Markt und wählen den günstigsten aus“, sagt Edele. Sein Fonds investiert ausschließlich in Discount-Zertifikate. Diese Papiere bringen immer dann mehr Rendite als der zugrunde liegende Basiswert (Aktie oder Index), wenn sich der Kurs des Basiswerts innerhalb einer bestimmten Spanne bewegt. Da der Wettbewerb in dieser Klasse von strukturierten Produkten besonders hart ist, kosten Discounter am Markt in der Regel kaum mehr als die Komponenten, aus denen Investmentbanken sie konstruieren.

Theoretisch könnten die Fonds direkt in die Bestandteile der Zertifikate investieren und damit die Strukturierungsleistung der Investmentbank selbst erbringen. So macht es ein neuer Fonds, den die Schweizer Bank UBS für ein Unternehmen aufgelegt hat. Allerdings liefert dort die Derivateabteilung die Inhalte für den Fonds. Denn für die Konstruktion von Derivatestrategien ist Fachwissen gefragt, das Fondsmanager oftmals nicht mitbringen. „Wer einen Fonds kauft, der in Derivate investiert, traut dem Manager viel zu: Er muss einerseits eine eindeutige Marktmeinung haben und andererseits die Bewegungen in den Derivatemärkten einschätzen können“, sagt Werner Hedrich, Leiter des Research bei der Fondsrating-Agentur Morningstar. In steigenden Märkten sei eine Anlage in herkömmliche Aktienfonds in der Regel besser als die Discount-Strategie. Denn die Zertifikate profitieren von Kursanstiegen des Basiswerts nur bis zu einer festgelegten Obergrenze (Cap). Aktienfonds, die dagegen auf steigende Kurse setzen, machen Marktentwicklungen nach oben ungebremst mit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%