Zertifkate
Fraspa verliert ersten Lehman-Prozess

Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) hat erstmals einen Prozess gegen einen Lehman-Geschädigten verloren. Das Landgericht Frankfurt verurteilte das Institut, Zertifikate im ursprünglichen Wert von 50 000 Euro zurückzunehmen sowie Zinsen und Anwaltskosten zu bezahlen. Der Richter sprach allerdings von einem Einzelfall.

HB FRANKFURT. Nach Einschätzung des Gerichts ist der Fall anders gelagert als die meisten der an die 50 000 Lehman-Opfer in Deutschland, deren Zertifikate nach der Pleite der US-Investmentbank im vergangenen September nahezu wertlos geworden sind. "Das ist ein absoluter Einzelfall", sagte der Vorsitzende Richter der 19. Zivilkammer nach Angaben eines Gerichtssprechers.

Ein Berater der Fraspa-Direktbanktochter "1822direkt" hatte laut Urteil dem Anleger versprochen, dass sein Papier mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits nach einem Jahr mit zehn Prozent Gewinn ausbezahlt würde. Als dies wegen der festgeschriebenen Bedingungen nicht eintrat, verlangte der Kunde weit vor der Lehman-Pleite sein Geld zurück. Das Gericht sah einen Beratungsfehler der Bank als erwiesen an, weil sich der Kunde ausdrücklich eine kurzfristige Anlage gewünscht hatte, im Extremfall aber bis zu vier Jahre lang gebunden gewesen wäre. Daran änderten auch die schriftlichen Verkaufsunterlagen nichts, die das Produkt exakt beschrieben hatten.

Sparkasse prüft Berufung

Die Sparkasse verwies auf die umstrittene Anlagedauer und erklärte, die Berufung derzeit zu prüfen. Die bis zu 50 000 Lehman - Geschädigten in Deutschland haben bislang vor allem die mangelnde Aufklärung über die Totalverlustrisiken der inzwischen fast wertlosen Inhaberschuldverschreibungen beklagt und angeführt, dass ihre Verkäufer die Lehman-Pleite früher hätten erkennen müssen. Trotzdem wertete die Interessengemeinschaft der Lehmangeschädigten das Urteil als Signal für weitere Prozesse.

Die Fraspa war neben der Hamburger Sparkasse sowie den Privatbanken Citi und Dresdner besonders aktiv beim Vertrieb der Lehman-Papiere. Rund 5 000 Kunden griffen zu und stehen nun vor großen Verlusten. Zu Wochenbeginn hatte die Fraspa Beratungsfehler in einigen wenigen Fällen eingeräumt und Entschädigungen versprochen. In sozialen Härtefällen wolle man aus Kulanz zahlen. Anleger kritisierten die Entscheidungen als intransparent und ungenügend.

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