Zinszertifikate
Die faulen Zinsversprechen der Banken

Weil Privatanleger um Aktienprodukte einen Bogen machen, setzen Banken verstärkt auf Zinszertifikate. Mit dem Versprechen hoher Kupons gehen sie auf die Jagd nach Kunden, denen die Zinsen auf Tagesgeldkonten zu mickrig geworden sind. Allerdings gibt es die Topzinsen nur unter bestimmten Bedingungen. In der Vergangenheit haben Zins-Zertifikate oft enttäuscht.

Die Banken gehen mal wieder auf Kundenfang. Mit hochverzinslichen Zertifikaten wollen sie bei Anlegern punkten. Das Umfeld dafür könnte kaum besser sein, denn für andere verzinsliche Anlagen bekommen Sparer in diesen Tagen nur wenig Rendite; für Festgeld beispielsweise zahlen die meisten Banken in Deutschland derzeit kaum mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr.

Die Lösung für Anleger heißt Kupon- oder Zinszertifikat; zumindest behaupten das die Emittenten. Jahresrenditen von bis zu 14 Prozent sind im Idealfall für den Anleger drin. Allerdings hängt das - so wie bei vielen anderen Zertifikaten auch - von der Kursentwicklung einzelner Aktien oder größerer Indexkörbe ab.

Das neue Zins-Express-Zertifikat der Hypovereinsbank (ISIN: DE000HV5AT65) etwa zahlt nach drei Monaten Laufzeit zuzüglich zum Nennwert 3,50 Euro zurück, wenn die Aktie des Basiswertes - das ist in diesem Fall die Commerzbank - am Stichtag über oder auf ihrem Startniveau notiert. Schließt sie an diesem Tag darunter, aber mindestens auf der Hälfte des Startniveaus, erhalten die Anleger 3,50 Euro ausbezahlt und das Zertifikat läuft weiter. Fällt die Commerzbank-Aktie unter die Schwelle von 50 Prozent, zahlt die Emittentin keinen Zins, das Zertifikat läuft weiter und die Laufzeit verlängert sich um drei Monate.

Kommt es nicht zu einer vorzeitigen Rückzahlung und notiert die Commerzbank-Aktie am Laufzeitende unter 50 Prozent ihres Startniveaus, erhalten Zertifikatebesitzer die realen Wertentwicklung der Aktie ausbezahlt und realisieren damit einen Kapitalverlust. "Die Anleger fragen derzeit besonders nach Kuponstrukturen", sagt Dominik Aubricht von der HVB. " Denn die Kupons bei strukturierten Anlageprodukten bieten derzeit wesentlich attraktivere Kupons als zum Beispiel Fest- oder Tagesgelder."

Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. In der Vergangenheit fiel bei vielen Zertifikaten die Kuponzahlung regelmäßig weit niedriger aus, als sich das die Anleger zunächst gedacht hatten. So brachten beispielsweise die Zinspapiere mit Kapitalgarantie von der DZ-Bank, Deutschlands größter Zertifikateemittentin, 2008 nur den garantierten Kupon von 2,5 Prozent. In den Jahren 2006 und 2007 waren es noch jeweils zehn Prozent gewesen.

Seite 1:

Die faulen Zinsversprechen der Banken

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%