Alternative Anlagen
Flucht in den Wald oder sonst wohin...

Die Euro-Krise verunsichert die Anleger. Wo ist das Geld noch sicher - in Aktien, Anleihen oder doch auf dem Konto? Viele Investoren suchen und finden Alternativen. Aber Vorsicht, auch im Wald kann es gefährlich werden.
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FrankfurtSeit dem Euro und dem Dollar immer weniger zu trauen ist, werden Anleger erfinderisch. Sie suchen nach Auswegen aus dem Dilemma von Schuldenkrise und drohender Geldentwertung, allen voran Profis wie Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Vermögensverwalter. "Vor allem Institutionelle greifen vermehrt auch zu den illiquideren alternativen Anlageformen", sagt Frank Dornseifer vom Bundesverband Alternative Investments (BVAI) in Bonn. Der Anteil alternativer Investments ist in ihren Portfolios über die Jahre gestiegen. Sie suchen Zuflucht in Hedge-Fonds und Private Equity und setzen ebenso auf Werte mit Substanz wie Farmland, Forstland oder Rohstoffe. Auch Infrastrukturprojekte wie Energietrassen, die auf Sicht eine stabile Rendite versprechen, finden bei den Institutionellen wachsendes Interesse. Und längst haben den Markt gleichfalls Anbieter von Finanzprodukten für Privatanleger entdeckt. Sie bieten eine wachsende Auswahl an entsprechenden Zertifikaten, an Aktien einschlägiger Gesellschaften, Fonds oder gar direkten Beteiligungen an Waldstücken oder einem Windpark.

Wieder in Mode gekommen sind auch Kunst, Münzen, Briefmarken, Wein, Historische Wertpapiere, Oldtimer oder Schmuck. Solche Anlagen erfüllen jedoch meist nicht die an moderne Kapitalanlagen gestellten Anforderungen. Sie sind vielmehr in die Ecke "Liebhaberei" und "Sammelleidenschaft" einzuordnen. Es fehlt an Transparenz und Liquidität.

In der Finanzkrise wurden alternative Anlagen in großem Umfang abgestoßen

Alternativ Investments sollen in den Depots privater und institutioneller Investoren vor allem zwei Aufgaben erfüllen. Sie sollen zum einen eine stabile Rendite abwerfen und zum anderen das Vermögen besser streuen und damit das Risiko reduzieren. Jahrzehntelang hatten Experten die Auffassung in die Öffentlichkeit posaunt, Alternativ Investments seien für diesen Zweck ideal. Die Fachleute vertraten dabei noch bis vor kurzem auch die These, dass Alternativ Investments eine nur sehr geringe Abhängigkeit von der Entwicklung traditioneller Investments wie Aktien und Anleihen aufweisen und sie daher in jedes größere Depot gehörten.

Allerdings stellte sich dann während der Finanzkrise exakt das Gegenteil heraus. Als die Aktienkurse und Rohstoffpreise einbrachen, wurde auch die Wertentwicklung von Alternativ Investments in den "Sog der Krise" gezogen. Private und vor allem institutionelle Anleger sahen sich unter dem hohen Erfolgsdruck veranlasst, die in ihren Wertpapierdepots entstandenen riesigen Löcher zu stopfen. So stiegen sie auch aus jenen Vermögenswerten aus, bei denen sie sich noch in der Gewinnzone befanden. Durch diesen aufseiten der Anleger bestehenden Zwang, Geld einzutreiben, brachen dann auch die Kurse fast aller Alternativ Investments ein. Dabei fielen die Verluste oftmals sogar stärker aus als bei traditionellen Kapitalanlagen.

Bei zahlreichen dieser alternativen Investmentformen kamen nämlich die seit Jahren bekannten Schwächen - also geringe Transparenz und mangelnde Liquidität - erschwerend hinzu. Verkäufe waren dabei oftmals nur zu einem deutlich unter dem inneren Wert der Anlagen liegenden Kurs möglich. Interessierte Käufer konnten in aller Ruhe abwarten, bis die Preise ein für sie interessantes Niveau erreicht hatten.

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Wälder sind vielen Investoren nicht liquide genug

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  • Mut und Courage gesucht…und gefunden?
    Bei Anlagen sollte man für gute Resultate keine Best-Practices (dann werden Sie nämlich höchstens der Zweitbeste) sondern Next-Practices einsetzen. Sicherheit und hohe Rendite passen nicht zusammen. Aber wäre es möglich, um doch Sicherheit zu wählen und die Rendite durch bessere Informationsverschaffung zu erhöhen? Davon abgesehen, dass mehr Informationen- und das ist bewiesen in der Forschung- unsere Beschlussfassung nicht befördern, weil die Intuition durch den eiseitigen Fokus ausgeschaltet wird. Wären Sie bereit, aus einer gebräuchlichen Anlagebewertung auszusteigen und als erster eine neue Dimension zu betreten? Hier finden Sie zwei Vorschläge, die heute noch im Internet geregelt werden könnten. Werden Sie Crowdfunder und investieren in einen Nachwuchskünstler, der Ihr Herz erobert hat. Oder in einen Innovator, der seinen Prototyp selbst nicht finanzieren kann. Nicht nur die Mächtigen dieser Welt, sondern auch Sie können ein Hit werden. Wenn Sie und ich z.B. das heute noch tun, beginnt das Geld zu strömen, haben wir morgen vielleicht eine neue Bank ins Leben gerufen.
    Oder schalten Sie einen Wahrnehmungspsychologen ein. Aus den Forschung ist bewiesen, dass Gesichtsausdrücke immer die wahren Emotionen einer Person zeigen, ein Gefühl, das wir normalerweise mit bloßem Auge nicht sehen. Highspeed-Videokameras können diese Bruchteilemotionen und damit auch die wahre Reaktion. Ob jemand vertraut werden kann. Seien Sie aber immer kritisch. Vertrauen Sie nicht schnell Informationen im Internet und anderen Quellen. Das reicht wirklich nicht mehr. Vertrauenswürdige Informationen findet man nicht ausschließlich in Presseberichten mit allen schwierigen Wörtern, sondern eher auf dem Gesicht der Entscheidungsträger. Wollen Sie ein Unternehmen kennen lernen, tun Sie das, es gibt genug Möglichkeiten dazu!

  • Für unsere Hightech Favorenten gäbe es derzeit den Mars als Occasion: natürlich nach genauer Prüfung der Ziele.

    Alles dauert mehr oder weniger mehr als eine Zigarette.

    Was mich sauer macht: diese Unmengen von Bergen an Toten beim Investment!

  • Na, das mit dem Wald finde ich nun wirklich nicht blöde gedacht. "Social Sponsoring" ist schon lange ein einträgliches Geschäft. Vielleicht nicht nur mal an Fußball denken, sondern auch an die Natur, an die Bildung und an die Ausfüllung der Freizeit der vielen "frei gesetzten" Menschen.
    Da ist mit Sicherheit mehr drin als mit Staatsanleihen und gesundheitsschädlichen Plastikartikeln aus Sonstwoher, ist eben alles ein Rechenexempel und eine Frage der Einstellung und des Willens.

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