Anlageprodukte
Mehr Geld fürs Risiko

Finanzhäuser mit schlechterer Bonität müssten ihre Produkte eigentlich preiswerter anbieten als die Konkurrenz. Schließlich gehen Anleger mit den Produkten höhere Risiken ein. Doch nicht alle Banken folgen dieser Regel.
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BonnDen Banken geht es schlecht. Erst haben sie mit amerikanischen Immobilienkrediten Schiffbruch erlitten. Dann mussten sie mit Staatsgeldern gerettet werden. Das Geld dafür haben sich die Staaten von den Banken geliehen. Nun horten diese tonnenweise Anleihen überschuldeter Staaten in ihren Depots, die ihnen die Bilanz verhageln. Denn europäische Staatsanleihen, die bislang als so sicher galten, dass sie als Sicherheit für Geldgeschäfte hinterlegt werden konnten, müssen nun selbst von den Banken durch mehr Eigenkapital abgesichert werden. Doch woher soll das frische Geld kommen, wenn niemand mehr Bankaktien oder -anleihen haben will?

Es ist ein Teufelskreis, in dem viele Geldinstitute feststecken. Deshalb trauen sie sich gegenseitig nicht mehr und leihen sich untereinander kaum noch Geld. Wie weit das gegenseitige Misstrauen mittlerweile geht, lässt sich an den aktuellen Preisen von Kreditausfallversicherungen für Bankanleihen mit fünfjähriger Restlaufzeit ablesen. Die sogenannten Credit Spreads bewegen sich derzeit auf Rekordniveau.

Wer heute eine Bankanleihe im Wert von einer Million Euro gegen einen Ausfall versichern will, zahlt im Durchschnitt dafür 25.000 Euro im Jahr. Bei Schuldnern wie der WestLB können es auch über 40.000 Euro werden. Je teurer die Credit Spreads sind, desto weniger Vertrauen haben die Marktteilnehmer in den jeweiligen Schuldner – und umso teurer wird für diesen in der Folge die Kreditaufnahme.

Diese Verkettung hat für Anleger, die in Zertifikate investieren, eine besondere Bedeutung. Denn die Kreditwürdigkeit eines Emittenten kann eine wichtige Rolle für die Preisgestaltung von Zertifikaten spielen. Der Verkauf von Zertifikaten ist aus Sicht der Emittenten eine andere Form der Kreditaufnahme. Anleger stellen den Emittenten mit dem Kauf von Zertifikaten Kapital zur Verfügung. Je teurer die Geldbeschaffung für die Emittenten am Kapitalmarkt ist, desto eher sind sie normalerweise bereit, Anlegern bessere Konditionen zu bieten. Der Grund dafür liegt in der Art und Weise, wie die Zertifikate-Abteilungen in den Bankhäusern eingebunden sind: Wenn Zertifikate an Anleger verkauft werden, können die Emittenten mit dieser zusätzlichen Liquidität arbeiten.

Kommentare zu " Anlageprodukte: Mehr Geld fürs Risiko"

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  • Als Gegenstück zu Zertifikaten gibt es meist immer auch ETF-Fonds. Und die haben einen Emittentenschutz. Ich würde Zertifikate nur mit der Pinzette anfassen und meine Strategie mit ETFs umsetzen.

  • Ja und, verstehe das Problem nicht. No risk, no fun. Alte Börsenweisheit !

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