Bessere Aufklärung
Zertifikate haben ein Imageproblem

Nach dem Lehman-Desaster sind Zertifikate in der Bevölkerung unbeliebt. Die Produkte seien reine Wetten, das Ausfallrisiko besonders hoch. Falsch, meint der Deutsche Derivate Verband (DDV). Er möchte mit den Mythen über Zertifikate aufräumen und die Anleger besser aufklären.
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DÜSSELDORF. Eigentlich hätte der Aufschrei nach der Lehman-Pleite die Zertifikate-Branche nicht überraschen dürfen. Die Pleite eines Emittenten und die daraus folgenden Verluste für Anleger galten in Branchenkreisen seit Jahren als "größter anzunehmender Unfall" für das Segment. Und doch traf die Vehemenz der öffentlichen Kritik die Emittenten und den Derivateverband DDV eiskalt. Während die Zertifikategegner in TV-Talk-Shows mobil machten und auf die derivativen Wertpapiere einprügelten, stellte sich die Zertifikate-Lobby lange stumm. Erst spät und infolge zunehmender interner Kritik meldete sich der DDV schließlich zu Wort. Viel Gehör fand er mit seiner Kommunikationsstrategie unter dem Motto "Fakten gegen Meinungen" bisher allerdings nicht.

Nach Meinung von Lars Brandau liegt die Kernaufgabe des Verbandes allerdings auch woanders: "Wir sind keine Marketingverband, sondern setzen Prozesse auf", sagt der Geschäftsführer des DDV. "Wir haben uns seit unserer Gründung die Devise ?Mehr Transparenz für mehr Anlegerschutz? auf die Fahnen geschrieben", fügt er hinzu.

Der DDV entstand Anfang 2008 aus dem Zusammenschluss der beiden Verbände Derivate Forum und Deutsches Derivate Institut (DDI). Zu den Projekten, die der DDV seither angestoßen hat, zählen ein Zertifikate-Rating, ein Zertifikate-Index sowie Übersichten über die Bonität von Emittenten. Außerdem wurde auf Initiative der Deutschen Banken ein europäischer Dachverband für die Branche gegründet.

Viel geholfen haben die Initiativen bisher allerdings allesamt nicht. Im Gegenteil: Nach dem Lehman-Desaster ist das Vertrauen in Zertifikate in der Bevölkerung schwer angeschlagen. Nach Meinung von Klaus Oppermann, der bei der Commerzbank den öffentlichen Vertrieb strukturierter Derivate in Deutschland und Europa leitet, wird die Branche dabei allerdings zu Unrecht an den Pranger gestellt: "Es gibt zwei Mythen, mit denen man aufräumen muss", sagt Oppermann. Der erste sei die verbreitete Einschätzung, Zertifikate seien Wetten. "Das war in der Anfangsphase des Marktes, als vor allem Optionsscheine gehandelt wurden, vielleicht zutreffend. Heute hingegen bieten Teilschutz-Zertifikate Anlegern sogar ein Mehr an Sicherheit."

Die zweite Fehleinschätzung liegt laut Oppermann darin, dass Zertifikaten ein besonderes Ausfallrisiko nachgesagt wird: "Das Thema Emittentenbonität ist wichtig bei Zertifikaten, das gilt aber auch für viele andere Anlageklassen. Kein Mensch würde beispielsweise den Schluss ziehen, dass Anleger Staatsanleihen nicht anfassen sollen, weil Argentinien damals seine Schulden nicht bedienen konnte."

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