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Der Fiskus greift kaum nach Zertifikaten

Erträge aus Zertifikaten sind in der Regel nicht steuerpflichtig, zumindest wenn sie nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist realisiert werden. Verkauft der Anleger seine Papiere innerhalb eines Jahres mit Gewinn, muss er diesen als privaten Spekulationsertrag mit seinem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern.

HB FRANKFURT/M. Wer ein Zertifikat zwölf Monate lang hält, partizipiert nicht nur voll und steuerfrei an der Kursentwicklung des Basiswertes, sondern kann auch die angefallenen Dividenden auf legale Weise steuerfrei kassieren.

Damit bevorzugt die Finanzverwaltung die Anlagezertifikate gegenüber Investmentfonds. Denn bei einem Fondsinvestment müssen Anleger sowohl Zins- als auch Dividendenerträge versteuern.

Soweit die Theorie, aber keine Regel ohne Ausnahme. Und eine solche macht der Gesetzgeber bei der Besteuerung von Zertifikaten: „Kapitalgarantierte Produkte, die dem Anleger die Rückzahlung zumindest eines Teils seines eingesetzten Kapitals sichern, muss dieser versteuern, auch nach Ablauf der Spekulationsfrist“, sagt Christian Röhl, Vorstand des Branchendienstes Zertifikate-Journal, „allerdings nur, wenn die Garantie von Beginn der Laufzeit des Papiers feststeht.“

„Garantie-Zertifikate zählen zu den Finanzinnovationen im Sinne von Paragraf 20 des Einkommensteuergesetzes. Die Kursdifferenz zwischen Veräußerungspreis und Anschaffungspreis unterliegt in voller Höhe der Kapitalertragsteuer und somit dem Zinsabschlag“, sagt Alexander Etterer vom Kölner Steuerberater- und Wirtschaftsprüferbüro Rödl & Partner .

Ungeachtet der steuerlichen Vorteile der Nicht-Garantieprodukte gegenüber Investmentfonds, beklagen die Zertifikate-Emittenten die vorhandene Rechtsunsicherheit. Die Finanzverwaltung habe ihre Auffassung Ende der neunziger Jahre lediglich in zwei Rundschreiben, nicht aber in einen Gesetzestext gegossen, sagt Röhl. Die Welt der Zertifikate ist indes in den vergangenen fünf Jahren eine weit komplexere geworden. Gerade bei völlig neuen Zertifikatekonstruktionen scheint die steuerliche Handhabung reine Auslegungssache. So unterliegt beispielsweise das neue „200 % Absolut Euro Stoxx50“-Zertifikat der Deutschen Bank der Besteuerung: Anleger partizipieren dabei an der Entwicklung des europäischen Leitindex, und zwar nach oben wie nach unten. Neben einer 100-prozentigen Kapitalgarantie erhalten sie eine Mindestverzinsung von zwei Prozent. Da ein Totalverlustrisiko nicht bestehe, müssten die Erträge versteuert werden, heißt es bei der Deutschen Bank zur Begründung.

Die Erträge des „All Time High“-Papiers der Hypovereinsbank auf den EuroStoxx50 hingegen sind nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei, weil die Kapitalgarantie erst vier Wochen nach der Emission greift.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Eine einheitliche Regelung ist zu begrüßen.



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