Emittentenrisiko
Wie sicher ist die Bank?

Als Inhaberschuldverschreibungen bergen Zertifikate ein doppeltes Risiko: Fallende Kurse sind das eine, die Insolvenz der ausgebenden Bank das andere. Vor dem Kauf eines Zertifikats ist der Blick auf die Finanzlage des Emittenten für Anleger daher unabdingbar. Wo Sie die nötigen Informationen finden, erklären wir Ihnen in Teil drei des "Zertifikate-Einmaleins".
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Wie sicher sind Zertifikate? Diese Frage hat in den vergangenen Monaten hohe Wellen geschlagen. Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, die in Deutschland auch Zertifikate emittiert hatte, waren die jungen Anlageprodukte – bis dato vielen Deutschen gänzlich unbekannt – plötzlich Thema von Talkshows. Millionen Zuschauern wurde dabei der Eindruck vermittelt, Zertifikate seien generell hochriskante Zockerpapiere. Privatanleger sollten tunlichst ihre Finger davon lassen, lautete folglich der populistische Rat vieler vermeintlicher Finanzexperten. Die pauschale Kritik an Zertifikaten geht allerdings genauso am Ziel vorbei wie manche Beschwichtigungsversuche, die als Reaktion aus den Reihen der Emittenten kamen.

Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Anleger gehen folglich mit den Papieren ein doppeltes Risiko ein: Neben dem Kursrisiko, das Zertifikate bergen, tritt auch noch ein Emittentenrisiko. Denn anders als bei Fonds, bei denen die Einlagen als Sondervermögen geschützt sind, erhalten Anleger bei Zertifikaten ihr Geld nur dann zurück, wenn der Emittent zum Auszahlungszeitpunkt das nötige Kapital hierfür hat. Im Falle einer Insolvenz der Bank haben Anleger wie im Fall Lehman Brothers keinen Anspruch auf die Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals.

Um das Risiko eines Zahlungsausfalls schon beim Zertifikatekauf zu minimieren, sollten Anleger daher genau auf die Kapitalausstattung eines Emittenten achten. Insbesondere bei Investitionen in länger laufende Zertifikate ist dies unerlässlich. Eine zentrale Größe ist in diesem Zusammenhang die Kreditwürdigkeit (Bonität) einer Bank. Um diese einzuschätzen, haben Anleger verschiedene Möglichkeiten.

Ratings:

Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch bewerten regelmäßig die Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Dafür analysieren sie das Unternehmen anhand diverser Kriterien, wobei die Kapitalausstattung eine zentrale Rolle spielt. Je höher das Rating ausfällt (in der nach Buchstaben geordneten Klassifizierung der Agenturen ist „AAA“ die Bestnote), desto sicherer sind Anleger aus Sicht der Ratingagenturen bei einer Bank aufgehoben.

Allerdings sind die Noten der professionellen Prüfer in der Vergangenheit wiederholt in die Kritik geraten. Anstoß nehmen Kritiker zum einen daran, dass die Agenturen von den Unternehmen für ihre Analysen bezahlt werden. Schwerer wiegt jedoch der Vorwurf, dass S&P und Co. zu spät auf Fehlentwicklungen reagieren. Gerade in der Finanzkrise hat man Herabstufungen von Banken, die in Turbulenzen gerieten, viel zu selten erlebt.

Nichtsdestotrotz liefern Ratings wichtige Hinweise auf die Zahlungsfähigkeit eines Emittenten. Eine Übersicht über die Ratings der Emittenten am deutschen Zertifikatemarkt finden Sie auf den Seiten des Deutschen Derivateverbandes (DDV).

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