Geldanlage Der Floskel-Irrgarten der Banker

Die Bafin mahnt die Banken, die Vorgaben für ihre Produktinformationsblätter einzuhalten. Wie Banker mit Finanz-Kauderwelsch, „unrichtigen oder irreführenden Angaben“ und versteckten Risiken ihre Kunden verwirren.
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Finanzaufsicht: Die Bafin bemängelt Finanzkauderwelsch in Produktinformationsblättern. Quelle: dapd

Finanzaufsicht: Die Bafin bemängelt Finanzkauderwelsch in Produktinformationsblättern.

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DüsseldorfDie Finanzbranche ist an regelmäßige Post von der Bafin gewöhnt. Vier Rundschreiben hat die Behörde in diesem Jahr bereits verschickt, unter anderem zu den Themen Geldwäsche oder der „Beschwerdebearbeitung der Versicherer“. Nicht immer sind solche Berichte für Nicht-Fachleute besonders interessant. Das neue Schreiben birgt aber Sprengstoff - zumindest aus der Sicht mündiger Geldanleger.

Es geht um Produktinformationsblätter. Die Aufsicht konkretisiert die Vorgaben für Banken und Vertriebe, wie sie ihre Finanzprodukte beschreiben sollen. Bis Ende des Jahres sollen die Finanzdienstleister die Vorgaben umsetzen. „Ziel ist es, bisher festgestellte konkrete Mängel aufzuzeigen und sie dadurch zukünftig zu vermeiden“, erklärt eine Bafin-Sprecherin.

Dazu zitiert die Aufsicht unzulässige Formulierungen aus echten Produktinformationsblättern. Zu dem beanstandeten Kauderwelsch der Banker zählt etwa: „Das X-Zertifikat wurde als Recovery-Produkt für die Inhaber des Y-zertifikats konstruiert“ oder „Ausübungsart Bermuda“. Die Branche mutet ihren Kunden viel zu.

Die Liste der unlauteren Formulierungen ist lang. Neben unzulässiger Werbung wie „Attraktiver Zinssatz“ beanstandet die Bafin in einer anderen Broschüre etwa schwammige Formulierungen wie „Dieses Produkt eignet sich für risikobereite Anleger“, weil es eine Definition für „risikobereit“ bislang nicht gibt. Defizite gibt es auch bei der Darstellung der Risiken und den Kosten der Wertpapiere, also den elementaren Informationen für die Auswahl eines Produktes.

Rechtsexperten sind alarmiert. „Die Hinweise der Bafin und die genannten Formulierungen aus der Praxis belegen, dass die Finanzbranche die Vorgaben des Gesetzgebers mangelhaft umgesetzt hat und nun erheblicher Nachbesserungsbedarf besteht“, kommentiert Julius Reiter, Anwalt der Kanzlei Baum Reiter und Collegen in Düsseldorf. „Das Problem von provisionsgeleiteter Falschberatung bekommen wir mit Beipackzetteln niemals in den Griff“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

„Es ist davon auszugehen, dass mit der jetzigen Konkretisierung ein Großteil der Auslegungsfragen beantwortet ist“, schreibt eine Sprecherin der Bafin. Ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft erklärt: „Die BaFin hat lediglich einige Produktinformationsblätter bemängelt, die allermeisten sind regelkonform.“ Die Bankenvereinigung würde kontinuierlich an einer Verbesserung der Beipackzettel arbeiten, der Vorstoß der Bafin würde „zukünftig zu einer noch stärkeren Einheitlichkeit und Transparenz“ führen.

Kaum veröffentlicht kritisieren Verbraucheranwälte, die Bafin gehe mit dem Rundschreiben nicht weit genug und würde die Kundenrechte nicht ausreichend schützen. Handelsblatt Online zeigt, wie die Banken ihre Kunden verwirren, welche Rechte Anleger haben und wann die Aufsicht die Interessen der Kunden nicht nachhaltig verfolgt.

Kauderwelsch und Floskelakrobatik
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25 Kommentare zu "Geldanlage: Der Floskel-Irrgarten der Banker"

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  • So kann nur jemand reden, der die perfide Art der "Beratung" - gerade in Sachen Lehman - nicht selbst erlebt hat!!! Verschweigen von Risiken, Verweigern der Prospekte (nicht der Verkaufsunterlagen!), Manipulieren von Dokumenten bis hin zu Urkunden- und Unterschriftenfälschungen. Später dann einstudierte Lügen vor Gericht, damit man sich nicht die eigene Karriere versaut! Zeugen der Anklage haben kein Gewicht haben und Beweise, dass man nicht in der Bank gewesen ist (Kreditkartenabrechnungen aus dem Ausland), werden unter den Tisch gekehrt.
    Dann möchte ich solche Schlaumeier mal erleben!

  • Schuischel schreibt: "...Irgendwann wird es so sein, dass Banken überhaupt keine Beratung mehr zu Produkten anbieten (wie z.B. Onlinebanken) um den irrwitzigen Vorraussetzungen bzgl dem Beratungsverschulden aus dem Weg zu gehen..."
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    Dass ich nicht lache. Außer einigen Sparkassen, die ihre Kunden pauschal mit 50 % entschädigten (Lehman-Zertifikate), hat sich keine der Banken zu irgendeinem Beratungsverschulden bekannt. Höchstens mal, wenn sich die Schlinge enger zuzog und auch ein Richter mit A... in der Hose den Lügen nicht mehr zusehen wollte (oder konnte), gab es Zugeständnisse. Und daran wird sich nichts ändern, solange es keine Beweislastumkehr geben wird! Beratungsprotokolle...??? Hier werden die Kunden nun genötigt zu unterschreiben, obwohl sie es nicht müssen.

  • BankLehrling schreibt: "...Sicherlich entsteht hier ein Anreizproblem, da der Berater dem Kunden etwas verkaufen möchte (Will das nicht jeder andere Verläufer auch?) weil er davon lebt...."
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    Es gab eine Zeit VOR Lehman Brothers, und es gibt die Zeit DANACH. Vorher hätte ich im Traum nicht daran gedacht, dass mich MEIN "Berater" n i c h t unabhängig berät, sondern nur noch die eigene Karriere und die nächste Incentive-Reise im Kopf hat. Eine Bank hat eine Vielzahl von Einnahmequellen und da gab es in grauen Vorzeiten auch noch mal so etwas wie Kundenbindung/-orientierung...?! Aber - Lehman sei Dank - und Dank an die vielen alten Leute, die auf die Straße gegangen sind - heute sind wir alle schlauer.

  • In der Tat kenne sich viele Kundenberater selbst mit Wertpaieren und anderen anlagen kaum aus und verlassen sich beispielsweise vollständig auf die Vorgaben ihres Computer oder ihrer Bank.
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    @ BankLehrling

    Vielen Dank!!!

  • Die "Berater" beherrsch(t)en die Kunst, komplexe Produkte mit einfachen Worten zu erklären ... weil sie die Produkte selbst nicht verstanden hatten...? Gegen psychologisch geschulte Verkäufer mit Suggestiv-Fragen kommt man als A&D-Kunde (alt und doof) nicht an. Da werden US-Schuldverschreibungen so verkauft, als sei es ein Fonds (von dem ich mittlerweile auch die Finger lasse). Der Vergleich Kühlschrank vs. Finanzprodukt hinkt, und das versteht jemand erst dann, wenn er selbst viel Geld verloren hat. In den letzten Jahren ist einiges zu Tage getreten, wie raffiniert "Berater" ihre langjährigen Kunden gelinkt haben ... auf Druck von oben, Hörigkeit, Unwissenheit, eigener Profitgier ... what ever. Jeden, der unkt, man solle von Produkten, die er nicht versteht, die Finger lassen, lade ich ein, sich meine Dokumentation bzgl. krimineller Energie von Banken anzusehen.

  • ... noch mehr Lobby für die Banken...???

  • ... noch mehr Lobby für die Banken...?!?

  • Diese Regelung der BAFIN ist so richtig ur-deutsch! Die Informationen um Finanzprodukte soll möglichst de jure einwandfrei sein. Die Folge: Einfachste Aussagen werden danach nicht mehr von "Normalsterblichen" verstanden. So wird dann aus nur einem verständlichen Satz, dass sich ein bestimmtes Produkt nur für Anleger eignet, die Lust auf Spekulation haben, ein Roman mit 400 Seiten bestehend aus Fachbegriffen der Juristerei. Am Ende wird schlicht das Finanzkaudawelsch durch das Juristenkaudawelsch ausgewechselt.
    Warten wir nun 5 Jahre und freuen uns auf die öffentlichen Fernsehdiskussionen, in der bemängelt wird, dass die Lehmann-Oma dieses Romanwerk natürlich nicht verstehen kann und dass die Banken dringend die Informationspolitik um ihre Finanzprodukte vereinfachen müsste.

  • Exit
    Hat sich schon einer von Ihnen mal in ein Minenfeld begeben?
    Bei Ja, was passiert da ? Tritt man auf ein Mine, ist man weg vom Fenster. Bei Nein, dann hat man Glück gehabt. Wie erkennt man das Glück, nicht auf eine Mine zu treten? Man nimmt sich einen Detektor[Sensor] mit und geht so sicher durch das versteckte Minenfeld. So ist es auch bei der Anlage von Geldwerten. Wenn sich jemand ein Auto kauft, dann erkundigt er sich auch über die Anzahl der gefahrenen Kilometer, versteckte Rostflecken, Unterbodenschutz, Radachsen etc. und wenn nicht, dann zieht er einen "Fachmann" hinzu. Das Bankberater Fachmänner sind, wird bezweifelt. Die kenn nicht mal selbst die Produkte, die von ihrer Research- Abteilung herausgegeben werden und wie bei Spread-ladder-Swap - Geschäften zum Tragen kommen. Siehe die Fälle von Kommunen, die sich für die Absicherung mit Zinsabstandsgeschäften, die Finger verbrannt haben. Wie kann man solchen "Strolchen" Banken vertrauen, genauso Autohändler oder private Autoverkäufer, die auch bei Autos ihre Mängel nicht offenlegen. Da hilft manchmal auch nicht mehr der Sachverstand. Auch kann von einem Fachmann solche versteckten Mängel auch nicht gleich auf Anhieb erkannt werden. Dann lässt man am besten die Finger davon und sucht sich ein verstandenes Produkt. Aus, Amen . . .

  • Für die MEGADUMMEN a la LEHMAN (Hamburger Dumm-Muttis etc.): Was ích nicht verstehe, kaufe ich nicht. Das kann doch ab einem IQ von 60 nicht so schwer sein zu kapieren, nicht mal ab einem Alter von 80. Sonst sollte man wirklich entmündigt werden. Final.

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