Indexzertifikate
Dem Markt stets auf den Fersen

Mit Indexzertifikaten legten die Banken in Deutschland vor 20 Jahren den Grundstein für den heutigen Zertifikatemarkt. Die Papiere haben Anlegern seither zahlreiche Märkte neu erschlossen. Dabei bestechen sie durch einfache und transparente Strukturen. Gerade bei Zertifikaten auf ausländische Indizes lauern allerdings einige Tücken.
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Indexpapiere sind die einfachste Variante von Zertifikaten. Sie entstanden vor dem Hintergrund, dass Privatanleger zwar leicht in einzelne Aktien, nicht aber in marktbreite Indizes wie den Dax, den Euro-Stoxx-50 oder den amerikanischen Dow-Jones-Index investieren konnten.

Mit Indexzertifikaten wurde diese Lücke geschlossen. Die Produkte bieten Anlegern die Möglichkeit, eins zu eins an der Entwicklung eines Aktienindexes teilzuhaben. Und das schon mit geringen Anlagesummen. Die meisten Indexzertifikate sehen ein Bezugsverhältnis von 1:100 vor, d.h. für 100 Indexpunkte muss ein Anleger nur einen Euro bezahlen. Ein Zertifikat auf den Dax würde demnach bei einem Indexstand von 3 600 Punkten 36 Euro kosten.

Die Kursentwicklung von Indexzertifikaten ist für Anleger leicht zu verfolgen, da diese den Kurs des Basiswertes (unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses) stets unmittelbar nachvollziehen.

Einige Aspekte sollten Investoren allerdings berücksichtigen: Einen Unterschied macht es zum Beispiel, ob ein Index als Kursindex oder Performance-Index konzipiert ist. Im ersten Fall geht einzig und allein die Kursentwicklung der Index-Mitglieder in die Index-Berechnung mit ein. Im Vergleich zu einem Direktinvestment in alle im Index enthaltenen Aktien (der zwar sehr teuer, theoretisch aber möglich ist) fahren Anleger hiermit insofern schlechter, da sie auf die Dividendenzahlungen verzichten. Besser stellen sie sich bei Performance-Indizes wie den Dax, da hier die Dividendenerträge bei der Indexberechnung berücksichtigt werden.

Bei Investitionen in ausländische Indizes sollten Anleger zudem beachten, dass sie ein Währungsrisiko eingehen, wenn der Index nicht in Euro berechnet wird. Steigt beispielsweise der amerikanische Dow-Jones-Index bei gleichzeitig fallendem Dollar-Kurs, wird die Rendite durch Wechselkurseffekte geschmälert. Eine Alternative bieten Papiere mit Währungssicherung, so genannte Quanto-Zertifikate. Für den Schutz gegen Schwankungen am Devisenmarkt verlangen die Emittenten allerdings zum Teil happige Gebühren, was ebenfalls zu Lasten der Rendite geht.

Zu guter Letzt sollten Anleger auch immer überprüfen, ob ein Index tatsächlich ein gutes Abbild der jeweiligen Region ist, in die man investieren möchte. Während man das für Standardbarometer wie den Dax, den Euro-Stoxx-50 oder den japanischen Nikkei sicher bejahen kann, ist bei anderen Produkten Skepsis angesagt. Auf der Suche nach immer neuen Verkaufserfolgen haben Banken, Börsen und spezialisierte Indexdienstleister in den vergangenen Jahren eine wahre Indexflut erzeugt. Oft gibt es auf verschiedene Regionen gleich mehrere Indexkonzepte von sehr unterschiedlicher Qualität.

Insbesondere bei Zertifikaten auf exotische Indizes ist auch ein genauer Blick auf die Kosten angesagt. Ausgabeaufschläge gibt es bei Indexzertifikaten zwar in der Regel nicht. Dafür verdienen die Emittenten an der Differenz zwischen An- und Verkaufkursen, dem so genannten Spread. Bei Zertifikaten auf Standardindizes wie den Dax sind diese verschwindend gering, bei Exoten kann das jedoch ganz anders sein.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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