Nachgerechnet
Etikettenschwindel mit angeblichen Anleihen

Wenn Anleger Anleihen kaufen, rechnen sie mit einem sicheren Produkt. Doch was heute unter der Bezeichnung verkauft wird, hat damit oft nicht mehr viel zu tun. Stattdessen wird damit über hohe Risiken hinweggetäuscht.
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Das Image einer Anleihe hat in jüngster Zeit ein wenig gelitten. Aber es ist wohl immer noch solide genug, um Finanzprodukten einen Klang zu geben. Doch Vorsicht: Feste Zinsen, feste Laufzeit, und am Ende gibt es den Einsatz zurück: Das war früher mal. Was heutzutage unter "Anleihe" läuft, ist oft alles andere als sicher. Rendite, Laufzeit, was am Ende zurückbezahlt wird, das steht bei vielen Produkten in den Sternen.

Nehmen wir zum Beispiel die jüngste "8,00% Daimler Protect-Aktienanleihe" der LBBW (WKN LB0MTX), die ähnlich immer wieder in Sparkassen verkauft wird. Es ist ein Zertifikat mit einer Laufzeit von knapp 14 Monaten. Was der Sparer am Ende ausbezahlt bekommt, ist offen - das Papier macht das vom Kursverlauf der Daimler-Aktie abhängig.

Nur solange der Kurs von Daimler bis Mitte August 2013 im Vergleich zum heutigen Kurs nicht mehr als 45 Prozent abgerutscht sein sollte, verhält sich diese Anleihe tatsächlich wie ein klassisches Rentenpapier. Der Anleger bekommt im August 2012 sein Geld wieder und obendrein noch einen Zuschlag von acht Prozent der Anlagesumme - Ausgabeaufschlag unberücksichtigt.

Doch wehe, der Kurs der Daimler-Aktie sackt infolge größerer Börsenturbulenzen während der Laufzeit um mehr als 45 Prozent ab. Dann wird der Sparer nur noch mit dem Gegenwert der relativ wertlos gewordenen Aktien ausbezahlt. Rutscht der Daimler-Kurs etwa bis Laufzeitende um 46 Prozent ab, bekäme der Anleger nur 540 Euro je 1 000 Euro Einsatz wieder. Die Zinsen würden die Rückzahlung auf 620 Euro aufbessern. Doch das wäre immer noch ein herber Verlust.

Dass die Daimler-Aktie binnen 14 Monaten um mehr als 45 Prozent abstürzt, kann durchaus vorkommen. Hätten Anleger diese Anleihe im Juni 2007 oder 2008 gekauft, hätte die Daimler-Aktie jedes Mal die Barriere verletzt. Solche Aktienanleihen kursieren tausendfach und werden täglich neu angeboten.

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Kommentare zu " Nachgerechnet: Etikettenschwindel mit angeblichen Anleihen"

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  • Stattdessen kann ich auch gleich Aktien kaufen, da ist der Gewinn nicht begrenzt. Das Verlustrisiko habe ich mit beiden Anlagen. Bei den Anleihen etwas abgefedert durch die Zinsen, dafür aber das Risiko dass der Emittent "den Bach 'runter geht".

  • @wing

    Möglicherweise meinen Sie das Richtige und haben den Sachverhalt nur stark verkürzt widergegeben.

    Die Auszahlung erfolgt, in Abhängigkeit des Kurses der zugrundeliegenden Aktie, in Geld (d.h. der Kurs liegt über dem Schwellwert des Kurses) ODER in Aktien (der Kurs liegt unter dem Schwellwert des Kurses). Ausschlaggebend ist der Kurs des Basiswertes (= die Aktie) an einem bestimmten Stichtag. Im ersten Fall wird der Nennwert vollständieg zurückgezahlt plus die Zinsen; im letzten Fall wird eine festgesetzte Anzahl von Aktien zurückgezahlt plus die Zinsen in Geld. In diesem Fall ist das Produkt Aktienanzahl x Kurs der Aktie kleiner als der Nennwert. Liegt der Kurs nur leicht unter dem Schwellwert, können Sie wegen der (meist hohen) Zinsen trotzdem noch in Plus landen; sinkt der Kurs allerdings stark unter den Schwellwert, machen Sie trotz Zinsen Verluste.

    Geht der Emmitent der Aktienanleihe (die Bank, die die Anleihe ausgibt) pleite, bekommen Sie weder Aktien noch Geld.

    Dies beschreibt die klassische Aktienanleihe. Eine Erklärung aller Varianten führt hier zu weit, zumal immer neue Varianten dazukommen.

    Ihr Hinweis, daß man nur Aktienanleihen kaufen sollte, deren Aktien man auch haben will, ist übrigens vernünftig. Vieleicht steigen sie ja später... ;-)

  • am ende steht auslieferung, ein cash- settlement tritt nur ein wenn die lieferung der aktien eine haerte fuer den emmitenten darstellt. also bei jeder vernuenftigen bank gibts am ende stuecke.

    wer sich von 8% zinsen locken laesst der versteht finanzanlagen nicht. rendite geht einher mit risiko. alles andere ist quatsch.

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