Nachgerechnet
Gefährliche Wette auf Porsche-Aktien

Comdirect verspricht für eine Aktienanleihe auf Porsche acht Prozent Zins. Gertrud Hussla hat genau nachgerechnet und festgestellt: Für Anleger ist es eine 16 Monate dauernde Zitterpartie.
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Als „Topalternative zu Festgeldprodukten“ bietet die Online-Bank Comdirect auf ihrer Webseite derzeit den Kunden eine Aktienanleihe auf den Kurs der Porsche-Aktie an. Name: „Protect“.

Die Konditionen klingen fast zu schön, um wahr zu sein: Acht Prozent Zins, 16 Monate Laufzeit, am Ende erhält der Anleger seinen Einsatz zurück, wenn alles gut geht. Aus 10 000 Euro würde der Anleger damit bis September 2012 die schöne Summe von 11 100 Euro machen. Auch das steht auf der Webseite dabei: Die hohe Rendite erkaufe sich der Kunde mit dem Risiko, dass er das eingesetzte Kapital am Ende nicht vollständig zurückerhält.

Um zu verstehen, welche Risiken der Anleger dabei wirklich eingeht, muss er wissen, dass eine Aktienanleihe weder eine Anleihe ist, noch eine Aktie. Es ist ein Zertifikat, eine Wette darauf, dass der Kurs der Porscheaktie während der Laufzeit nicht allzu stark absackt

Steht Porsche am Ende der Laufzeit mehr als 33 Prozent niedriger als am Anfang, wird der Anleger seinen Einsatz am Ende nicht mehr wiedererhalten. Er trägt dann vielmehr den vollen Kursverlust der Aktie, er wird in Aktien ausbezahlt.

Die Zinsen von acht Prozent pro Jahr  bekommt er natürlich auch noch, aber sie sind dann nur noch ein schwacher Trost. Über zwanzig Prozent des Einsatzes sind dann mindestens weg.

Wer jetzt denkt, „ach, so schlimm wird es bestimmt nicht kommen“, könnte sich täuschen.

Der Kurs der Porscheaktie hat in den vergangenen Jahren eine rasante Achterbahnfahrt hingelegt. Wir haben mal für jeden Börsentag der vergangenen fünf Jahre überprüft, wie stark sich der Kurs binnen 16 Monaten verändert hatte.

Fast eineinhalb Jahre lang, von September 2008 bis Januar 2010 hatte der Kursverlust deutlich über 33 Prozent gelegen. Im März 2009 hatte die Porsche-Aktie - gegenüber ihrem Stand 16 Monate zuvor - zeitweise  mehr als 80 Prozent verloren .

Der Anleger hätte damals aus seiner „Protect“- Aktienanleihe statt 10000 Euro nur noch 2000 Euro in Aktien wiederbekommen. Dazu die Zinsen von 1100 Euro. Macht 3100 Euro.  Damit hätte der Sparer in diesem Extremfall fast 70 Prozent seines Einsatzes verloren.  Im Jahr 2010 hätte die Aktie die maßgebliche Barriere von minus 33 Prozent noch mehrmals nach unten durchbrochen, zuletzt im September 2010. In diesen ungünstigen Situationen hätte sich der Anleger mit der Protect-Anleihe gerade mal um 1100 Euro besser gestellt als wenn er über die Laufzeit gleich eine Porsche-Aktie besessen hätte.

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Kommentare zu " Nachgerechnet: Gefährliche Wette auf Porsche-Aktien"

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  • Hmmm, ich kann mir leider einen Kommentar zu diesem Artikel nicht verkneifen....
    Es gibt also tatsächlich im Handelsblatt Artikel die sich kritisch mit Direktbanken auseinander setzen.
    Liebe Leute gross und klein.. meint Ihr wirklich dass die Direktbanken Ihr Geld am Markt zu normalen Konditionen anlegen?
    Die Tagesgeldkonditionen über 2 % müssen ja irgendwie verdient werden, wieso dann nicht mit einem Produkt in dem das Wort Risiko klein geschrieben wird dafür aber die erwartete Rendite hochgelobt wird.
    Aber ich bin mir sicher dass nach einem Artikel den das Handelsblatt veröffentlicht hat, in dem Direktbank besser über Altersvorsorge beraten als Filialbanken Kunden bestimmt über die nötigen Risiken von Callcentern aufgeklärt werden und wenn nicht wen juckts...
    Direktbanken sind ja komplett neutral und beraten Kunden auf jeden Fall unabhängig. Solche Produkte werden bestimmt nur angeboten weil der Kunde Sie explizit nachfragt... ein Schelm wer böses dabei denkt...

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