Regulierung
Mehr Sicherheit für Kreditderivate

Mit weitreichenden Regulierungen will die US-Regierung den Handel mit Kreditausfallswaps regulieren. Künftig soll der Handel nur noch erlaubt werden, wenn Investoren auch die zu Grunde liegenden Anleihen im Portfolio haben. Die Abrechnung soll künftig über die Clearing-Häuser der Terminbörsen abgewickelt werden.
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FRANKFURT. Der Markt für Kreditausfallswaps – in der Fachsprache als Credit Default Swaps (CDS) bezeichnet – steht vor einschneidenden Veränderungen. In den USA gibt es weitreichende Gesetzesinitiativen zur Regulierung dieser an Freiverkehrsmärkten außerbörslich gehandelten Derivate. Geplant ist dabei unter anderem, den Handel der CDS nur noch dann zu erlauben, wenn die Investoren die den Derivaten zu Grunde liegenden Anleihen in ihrem Besitz haben. Dies dürfte einen dramatischen Rückgang des an diesem Markt ausstehenden Volumens zur Folge haben.

Darüber hinaus ist sowohl in Europa als auch in den USA vorgesehen, die Handelstransaktionen von CDS und anderen OTC-Derivaten künftig verstärkt über Clearing-Häuser abzuwickeln und abzurechnen. Da Clearing-Häuser als zentrale Gegenpartei agieren und gegen Zahlung einer Gebühr als Kontrahent auch für die CDS-Akteure fungieren können, soll so eine größere finanzielle Sicherheit des OTC-Derivategeschäfts erreicht werden.

Durch die Einschaltung von Clearing-Häusern entfällt nämlich das Bonitätsrisiko, da diese Einrichtungen zur zentralen Gegenpartei wird. Der Ausfall von Kontrahenten – wie im Falle von Lehman Brothers – gilt als eine der wesentlichen Ursachen für den immensen Vertrauensverlust, der die internationalen Finanzmärkte derzeit lähmt. Wer darauf gehofft hatte, dass Banken und Börsen in Europa bei der Lösung des Problems an einem Strang ziehen würden, sieht sich getäuscht. Denn eine gemeinsame und einheitliche Lösung ist in dieser Frage nicht in Sicht. Nachdem sich Vertreter von verschiedenen Finanzmarkt-Interessenverbänden Europas bei Gesprächen mit den EU-Behörden nicht auf eine freiwillige Lösung einigen konnten, drängt EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy auf eine gesetzliche Regelung, wie er anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos erneut betonte. Brüssel plant offensichtlich auch, den bereits vorliegenden Entwurf zur Änderung der Eigenkapitalregeln für Banken um eine zusätzliche Passage zur Schaffung von zentralen Gegenparteien für CDS zu ergänzen.

Die Rolle dieser zentralen Gegenparteien sollen bereits aktive selbständige Clearing-Häuser wie LCH Clearnet oder aber Clearing-Einrichtungen von Terminbörsen wie Eurex und der NYSE Euronext Liffe übernehmen. Börsen sehen hier ein neues lukratives Geschäftsfeld. Sie bringen ihre Clearing-Einrichtungen bei der EU in Brüssel als zentrale Gegenpartei ins Gespräch. „Wir erkennen hier auf Seiten der Regierungen und Aufsichtsbehörden eine der höchsten Prioritäten“, sagt Duncan Niederauer, Vorstandschef der weltweit größten Börse NYSEEuronext Liffe. Dieser transatlantische Marktplatz hat sich bereits eine globale Führungsrolle verschafft. Denn dessen Clearing-Plattform BClear bietet gemeinsam mit dem eigenständigen britischen Clearing-Haus-Betreiber LCH Clearnet Ltd. seit Ende vergangenen Jahres als erster Anbieter überhaupt die Abwicklung und Abrechnung von Indexkontrakten auf mehrere iTraxx-CDS-Indizes an. Diese Indizes reflektieren die Wertentwicklung von Kreditausfallswaps einzelner Anleihe-Schuldner.

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